My Body is a Text… is a Picture is a …Bitch

The five artists are working in performance with installation, video and text to deal with the stranger within and the difference between the inner self and its representation addressing cults of the body, gender issues and identity. Following Gertrude Stein’s proposition „Rose is a rose is a rose is a rose.“ (1913) the title of the exhibition refers to the eclectic interpretation of body language and identities.

Die fünf KünstlerInnen arbeiten mit Performance, Installation, Video und Text, um den oft widersprüchlichen Bezug zum Fremden in sich selbst und der Differenz vom äußeren Erscheinen und dem inneren Befinden über Körperkult, Gender und Identität zu thematisieren. In Anlehnung an Getrude Steins „Rose is a rose is a rose is a rose“ (1913) verweist der Titel der Ausstellung auf die vielschichtige Lesbarkeit von Körpern und fragt, ob Körper und Identität…en eine Einheit bilden? Stein schrieb ihre Texte entweder für sich entity (The Making of Americans, 1925) oder für Fremde identity. Amerika – an dessen Popkultur und Körperkult sich die westliche Gesellschaft orientiert, spielt ebenso wie die physische Erscheinung oder die Hülle des Text…Körpers in den Arbeiten der Ausstellung eine Rolle. Welche verschiedenen Identitäten nehmen die Künstler an oder repräsentieren die Arbeiten? Und wann fallen diese Einheiten auseinander oder zeigen Brüche auf?

Stefan Hurtig… zeigt im Video Hyper eine Person im Morphsuit, die nachts auf einem Laufband in einem riesigen menschenleeren Fitnessstudio trainiert. Während die Geschwindigkeit der Bewegung sich immer weiter steigert, rezitiert der Performer Textfragmente aus dem Selbsthilferatgeber Making Your Life As An Artist von Andrew Simonet. Rhythmisiert werden die sich abwechselnden Szenen durch Kamerafahrten, die an verschiedenen Sportgeräten vorbeiziehen. Eine Trostlosigkeit zwischen Selbstoptimierung des Individuums und Austauschbarkeit in der Masse ist spürbar. Durch die Anonymisierung des Anzuges und die aufgeklebten Tapes wird der Fokus noch mehr auf den Körper als zu formendes Objekt gelegt. Inhaltliche Parallelen zu der auf Äußerlichkeiten fixierten Scheinwelt des schnelllebigen Kunstmarktes ergeben sich durch das Ablösen der Streifen und der zunehmenden Atemlosigkeit des Performers.

Mit Idealbildern vom Menschen innerhalb ihrer Umgebung beschäftigt sich auch Grażyna Roguski… In ihrer neu inszenierten Performance Installation She ́s Holding A Turtle In Her Hand bringt sie zwei eigentlich gegensätzliche Konzepte von Synthetik und Natürlichkeit in eine symbiotische Verbindung. Menschliche Körper, die Bewegungen der Heileurythmie durchführen, bilden zusammen mit skulpturalen Objekten vor einer Videoinstallation einen eigenständigen Mechanismus. Der Zufall ist dabei eine kalkulierte Komponente und verbindet assoziative Spuren von Utopie und Dystopie miteinander.

Das in der Ausstellung präsente Moment der körperlichen Inszenierung ist besonders zentral bei Julia Haennis… Text Rudeltiere. Für die Ausstellung entwickelte sie eine neue Zusammenstellung selbst geschriebener Texte als performative Lesung im Wettstreit mit der eigenen Identität als Frau und ihrem Ego. Die Frage nach dem Sich-Wohlfühlen im eigenen „weiblichen“ Körper und die Suche nach Bestätigung lassen sich dabei nicht aus dem Spiel halten. „Was eine starke Frau natürlich niemals zugeben würde. Wer spielt welche Rolle und für wen? Wer hat hier ein Problem?“

In Wir fördern Wendigkeit! gibt Daniel Stubenvoll… Sackkarren ein Gesicht, indem er sie in Posen menschlicher Porträtfotografie abbildet. Das grafische Pfeilgesicht des Bucheinbandes wird für die Ausstellung in zwölf verschiedenen fleischfarbigen Variationen zur „klassischen“ Porträtserie Alternative Geschichten, die in Kollaboration mit Ole Jenssen entstanden ist. Die Pfeile korrespondieren mit denen auf der Kunsttransportkiste, welche sie wie Parasiten besetzt haben.
Zusammen mit dem Text einer früheren Arbeit I:Cowboy ergibt sich eine neue Verflechtung von Geschichten der Bewegung und Dislozierung von Kunst, Menschen und Objekten. Es ist eher unwahrscheinlich, dass jemand den chinesischen Text lesen kann, er wird stattdessen zum Bild einer fremden Kultur … zu einem räumlichen Yin Yang.

Nicht nur Objekte können „menscheln“… Steht das Nicht-Menschliche, Künstliche und Animalische dem Menschlichen gegenüber oder ist es inhärenter Teil unseres Körpers?
Bei Garrett NelsonsParrot/Parrots verschmelzen in der Wiederholung Tier und Mensch und zwei Papageien. Die Arbeit ist ein rhythmisch gesprochener Text vor einer Kulisse aus Attrappen von Körperteilen. „Repetition is reinforcement not repetition rather reinforcement.“ Nelsons Installation funktioniert als physisches Material für seine Lesung und gleichzeitig wird die Performance zur mythischen Theorie und einem Text über Stille, Wiederholung und Verhältnis von Wort und Sprache.

Text by Natalie Keppler

 

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Stefan Hurtig, Hyper, 2015, Video, 7:40 min, Installation View at pool

 

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Installation View, Daniel Stubenvoll & Ole Jenssen, Alternative Geschichten, 2016 9 x Pigmentdruck auf Aluminiumverbundplatte, 18,5 x 11,5 cm; 2 x Pigmentdruck auf Aluminiumverbundplatte, 18,5 x 16,5 cm; 1 x Pigmentdruck auf Aluminiumverbundplatte, 19,5 x 10 cm, montiert auf Holzkiste; Daniel Stubenvoll, I:Cowboy (Yin Yang), 2013/ 2015/ 2016, Digitaldruck auf Affichenpapier, 59,4 x 42 cm, Installation View at pool

 

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detail

 

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Grażyna Roguski, She ́s Holding A Turtle In Her Hand, 2016, Performance, Sound, Video, 8 min, Installation View

 

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Installation View, Garrett Nelson, Penis Recolor, 2016, red brick, atlantic blue swimming pool paint, salt dough, plaster, orange, 27 x 10 x 11 cm; Swimmer, Speedo® goggles, 2016, laserprint, 50 x 28 x 11 cm; Beak Recolor, 2016, plastic sack, color samples, salt dough, 81 x 56 x 3 cm

 

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Book Launch, Natalie Keppler, Stefan Hurtig and Daniel Stubenvoll, 13.05.2016 at pool

 

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Stefan Hurtig, Cameo, 2016

 

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Daniel Stubenvoll, Wir fördern Wendigkeit!, 2016, 18,5 x 11,5 cm, 4C Offsetprint, 148 Seiten, argobooks

 

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Stefan Hurtig, Hyper, 2015, Video, 7:40 min, Installation View at pool

 

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Installation View My Body is a Text… is a Picture is a …Bitch at pool

 

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Julia Haenni, Rudeltiere, 2015, Textperformance, 13.05.2016 at pool

 

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Garrett Nelson, Parrot/Parrots, 2016, Performance, 13.05.2016 at pool

 

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Grażyna Roguski, She ́s Holding A Turtle In Her Hand, 2016, Performance, Sound, Video, 8 min, 13.05.2016 at pool

 

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Stefan Hurtig, Hyper, 2015, Video, 7:40 min, Installation View at pool

 

Curated by Natalie Keppler
Photos by © Johanna Wagner

My Body is a Text… is a Picture is a …Bitch
13. – 15.05.2016
mit Julia Haenni, Stefan Hurtig, Garrett Nelson, Grażyna Roguski
und Daniel Stubenvoll Projektraum pool
Nordbeckenstraße 9
76189 Karlsruhe
projektraum-pool.de
Dank an… Kulturamt I Kulturbüro Stadt Karlsruhe, Kunsthalle Karlsruhe, Jürgen Gally, Silvia Posavec, PerformerInnen