LEDA BOURGOGNE & IDA EKBLAD @ Kunstverein Braunschweig

Leda Bourgogne, Curtain, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Painting in windowpanes, 2018, Untitled, 2017, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Mother / Girl / French Woman, 2017, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Untitled (ossuary), 2017, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Untitled, 2015, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Courtesy of the artist and private collection,
Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne | Ida Ekblad, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artists, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Untitled, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Courtesy of the artist and KARMA International, Zurich, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Gully, 2018, Rally, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and BQ, Berlin,
Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Skinner, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Courtesy of the artist and BQ, Berlin, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Blind Target, 2018, Hooker, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and BQ, Berlin, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Osoblaha, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and collection Anke und Frank Delenschke, Berlin, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Curtain, 2018,
Ida Ekblad, Untitled, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artists, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, To cut with Scissors, 2018,
Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Photo: Stefan Stark

Ida Ekblad, Rain, 2017,
Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Courtesy of the artist and Herald St, London, Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Never Bring The Dawn, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Courtesy of the artist and BQ, Berlin
Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018,
Photo: Stefan Stark

Leda Bourgogne, Un Chant d’Amour, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist and BQ, Berlin, Photo: Stefan Stark

Luzie Meyer, The Flute, 2018, Installation view Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy of the artist, Photo: Stefan Stark

Der Kunstverein Braunschweig zeigt regelmäßig zwei künstlerische Positionen in der Villa Salve Hospes. Nach der Doppelpräsentation der Arbeiten von Karl Holmqvist und Klara Liden in 2016 und der letztjährigen Ausstellung mit Arbeiten der Bildhauerinnen Inge Mahn und Nora Schultz treten mit LEDA BOURGOGNE und IDA EKBLAD in diesem Jahr zwei Künstlerinnen in Dialog, die beide von der Malerei aus- und über diese hinausgehen. Der Idee einer dialogischen Gegenüberstellung kommt die symmetrisch angelegte Architektur der Villa Salve Hospes entgegen. Entlang einer gedachten Spiegelachse, die Rotunde und Gartensaal durchquert und das Gebäude in zwei Hälften teilt, bespielt Ida Ekblad den östlichen Abschnitt, während Leda Bourgogne ihre Arbeiten im westlichen Teil mit dem Spiegelsaal zeigt. In der oberen Etage ist jene Achse um 90 Grad gedreht und teilt die Räume entlang des Flures.

Wenn Leda Bourgogne Textilien aus der Bekleidungsindustrie für ihre Arbeiten verwendet, dann hat das unweigerlich etwas Körperliches: Samt- und Jerseystoffe (assoziiert mit dem Grunge der 1990er Jahre) fügen sich wohlig-weich in die bildnerischen Kompositionen ein, Latex – hautähnlich und fetischisiert – vermittelt hingegen Kühle und Härte. Gleichwohl richten sich Readymades aus inzwischen nostalgisch behafteten CD-Ständern als Rückgrat auf und Lederjacken und Boxhandschuhe behaupten sich als menschliche Figuren im Raum. Während die Betrachter_innen mitunter den Impuls verspüren, die so vielschichtigen Oberflächen und ihre spezifischen Qualitäten ertasten zu wollen, bemerken sie Eingriffe auf den Leinwänden: eine Bleichung des Textils, ein Schnitt durch den Stoff, ein geflickter Riss gleich einer liebkosten Wunde. Die Künstlerin selbst behandelt ihre Arbeiten, die sich zwischen Malerei und Plastik bewegen, wie einen liebenden oder leidenden Körper. Wie in einer zwiespältigen Liebesbeziehung zwischen Begehren und Hass, verletzt sie die Leinwand, um sie sodann wieder zu versöhnen. In der Beschäftigung mit Poesie, dem Körper und dem Unterbewussten widmet sich Leda Bourgogne Machtverhältnissen und Identitätskonstruktionen. In Ida Ekblads plakativen sowie expressiven Arbeiten sind neben kunstgeschichtlichen Einflüssen des Situationismus‘ und des Abstrakten Expressionismus‘ auch Gesten aus der Popkultur wie dem Graffiti und dem Comic wiederzufinden. Ob mit Airbrush oder dick aufgetragenen Materialeffekt-Farben wie auf Sweatshirts der 1980er Jahre – Ida Ekblads künstlerische Praxis ist prozessorientiert und zeugt von einem anarchischen Geist, der sich auch an überholten oder als geschmacklos deklarierten Stilen, Motiven und Materialien westlicher (Pop-)Kultur bedient. Ida Ekblads Bearbeitung der Leinwand ist ein stetiges Experimentieren mit malerischem Material – und allem, was sie zu solchem erklärt. Dabei setzt sie – betont hierarchiefrei – ein, was ihr zwischen die Finger kommt: PVC-Farbe, Lack aus Spraydosen, aufgeschäumte Farbwolken, wie man sie von Aufdrucken auf T-Shirts der 1980er Jahre kennt. Wie bei ihren Motiven Blumenmustern, Graffiti-Schriftzügen und Comic-Figuren liegt das Vergnügen im Machen und Betrachten gleichermaßen im Spiel mit den Möglichkeiten. Wo, wenn nicht auf der Leinwand, kann ein putziges Dino-Baby sich im grünen Sprühnebel spiegeln? Neben der motivischen Collage, scheint das Material die Fläche zu sprengen, sodass eine Art Relief entsteht. Können der freie Umgang mit Malerei und Sprache sowie eine zeitgenössische Zitierfreude als wesentliche Gemeinsamkeiten gelten, zeichnen sich beide Positionen im Gegenüber umso markanter durch ihren individuellen Umgang mit der Architektur der Villa Salve Hospes aus, die eine Herausforderung für Malerei ist.

LEDA BOURGOGNE (*1989 in Wien, AT) lebt und arbeitet in Berlin. Sie beendete 2017 ihr Studium der Bildenden Kunst an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main als Meisterschülerin von Judith Hopf. Ihre Arbeiten zeigte sie u.a. in Einzelausstellungen bei BQ, Berlin (2018), in der Gärtnergasse, Wien (2017), bei Marbriers 4, Genf (2016) sowie in Gruppenausstellungen im De Vleeshal, Middelburg (2018), im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden (2018) im MINI/Goethe-Institut Ludlow 38, New York (2017).

IDA EKBLAD (*1980 in Oslo, NO) lebt und arbeitet ebenda. Sie studierte am Central St. Martins College of Art in London, an der National Academy of Art in Oslo sowie an der Mountain School of Arts in Los Angeles. Neben der Teilnahme an der Venedig Biennale 2017 und 2011 waren ihre Arbeiten in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen, darunter Einzelpräsentationen im Kunsthaus Hamburg (2017), im De Vleeshal, Middelburg (2016), in der Bonniers Konsthall Stockholm (2010), in der Bergen Kunsthall (2010) und im Rahmen einer Gruppenausstellung im Palais de Tokyo, Paris (2010).

GÄSTEZIMMER: LUZIE MEYER
Als Kommentar oder Kontrast zur jeweiligen Hauptausstellung werden Künstler_innen und Kurator_innen eingeladen, jenen Raum zu bespielen, der in der Villa Salve Hospes ursprünglich als Gästezimmer genutzt wurde. Auf Einladung von Leda Bourgogne wird Luzie Meyer (*1990 in Tübingen, DE) einen neuen Videotrailer und Scripts der Arbeit The Flute (2018) präsentieren. Ausgehend von performativen und textlichen Arbeiten, überträgt die Künstlerin philosophische Ideen in alltägliche, fast banale Kontexte.

Kuratorin: Jule Hillgärtner
Kuratorische Assistentin: Miriam Bettin

www.kunstverein-bs.de