Annette Wehrmann und Laura Horelli

Die Ausstellungen Laura Horelli „Returns“ und Annette Wehrmann „Wir gucken fern, weil wir uns die Revolution nicht leisten können“ sind noch bis zum 07. September 2014 im Badischen Kunstverein zu sehen.

Ein visueller Rundgang

Laura Horelli

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Foto: Stephan Baumann, bild_raum, Laura Horelli, The Jokinen Trial, 2014

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Foto: Stephan Baumann, bild_raum, Laura Horelli, The Jokinen Trial, 2014 (Ausschnitt)

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Foto: Stephan Baumann, bild_raum, Laura Horelli, A Letter to Mother, 2013

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin, Laura Horelli, A Letter to Mother, 2013 (Videostill)

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin, Laura Horelli, A Letter to Mother, 2013 (Videostill)

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Foto: Stephan Baumann, bild_raum, Laura Horelli, The Terrace, 2011

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin, Laura Horelli The Terrace, 2011 (Videostill)

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin, Laura Horelli, The Terrace, 2011 (Videostill)

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Foto: Stephan Baumann, bild_raum, Laura Horelli, Haukka-pala (A-Bit-to-Bite), 2009

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin und YLE, Finnland, Laura Horelli, Haukka-pala (A-Bit-to-Bite), 2009 (Videostill)

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Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin und YLE, Finnland, Laura Horelli, Haukka-pala (A-Bit-to-Bite), 2009 (Videostill)

 

PRESSEMITTEILUNG

Lichthof

Laura Horelli

Returns

11.07.-07.09.2014

Pressetermin: Mittwoch, 9. Juli 2014, 11.30 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 10. Juli 2014, 19 Uhr

Unter dem Titel Returns versammelt die Ausstellung im Lichthof des Badischen Kunstvereins vier Arbeiten der finnischen Künstlerin Laura Horelli (*1976). Die Künstlerin arbeitet vorwiegend mit Video, aber auch in den Formaten Fotografie und Text. Ihre Arbeiten kreisen um die Themen Identität, Repräsentation und Erinnerung.

Ausgangspunkt für Horellis Arbeiten ist ihr Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen, deren vermeintliche Faktizität sie bewusst unterwandert. Es sind gerade die Leerstellen und Diskontinuitäten, denen die Künstlerin nachspürt, indem sie Erzählungen nicht linear, sondern aus multiplen Perspektiven aufbaut.

In ihren aktuellsten Videoarbeiten, die als Trilogie in der Ausstellung gezeigt werden, thematisiert Horelli ihre eigene Biografie, stellt diese aber immer wieder in einen größeren gesellschaftlichen und politischen Kontext. Zentrales Moment ist der frühe Verlust der Mutter deren Abwesenheit sich die Künstlerin mit verschiedenen filmischen Mitteln nähert.

Haukka-pala (A-Bit-to-Bite, 2009) zeigt Filmmaterial aus der gleichnamigen Kindersendung im finnischen Staatsfernsehen, in der Horellis Mutter in den 1980er Jahren regelmäßig auftrat und die Hundepuppe Ransu über gesunden Ernährung und heimische Bräuche aufklärte. Im Voice-over kontrastiert die Künstlerin das inszenierte Fernsehbild mit eigenen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter.

The Terrace (2011) handelt von Horellis Kindheitserinnerungen in Nairobi, Kenia, wo sie mit ihrer Familie in einer modernistischen Wohnanlage lebte. Familienfotografien werden mit eigenen Filmsequenzen kombiniert, die die Künstlerin aufnahm, als sie die Anlage 2010 noch einmal besuchte. Erst durch das Voice-over wird das Leben in der Siedlung als postkoloniale Geschichte erahnbar.

Für das Video A Letter to Mother (2013) drehte die Künstlerin in der Nachbarschaft von Flushing, in Queens, New York. Es ist eine dokumentarisch anmutende Suche nach den Spuren ihrer Mutter, aber auch ihrer Großeltern, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Finnland nach Brasilien und von dort in die USA immigrierten. Im Zusammenspiel aus persönlichen Erinnerungen, Anekdoten, Vermutungen und einem fiktiven Brief an die Mutter wird deutlich, wie eng sich das Private mit dem Politischen verknüpft.

Die Migrationsgeschichte von Finnen in den USA ist zentrales Thema der neuen, erstmals im Badischen Kunstverein gezeigten Arbeit The Jokinen Trial (2014). Die präsentierten Fotografien und Audio-Texte basieren auf Recherchen zur Biografie von August Jokinen, einem finnischen Kommunisten. Jokinen wanderte 1916 in die USA aus und wurde in einem Schauprozess 1931 in New York wegen Rassismus angeklagt. Auch in dieser Arbeit geht es Horelli nicht um die lückenlose Aufdeckung einer Identität, vielmehr setzt sie verschiedene Text- und Bildquellen ein, um die Narration bewusst komplex und verschiedene Lesarten im Spiel zu halten.

Badischer Kunstverein

Laura Horelli (*1976 in Helsinki, Finnland) lebt und arbeitet in Berlin.

Sie studierte Kunst an der Finnischen Akademie der Bildenden Künste (Kuvataideakatemia) in Helsinki und an der Städelschule in Frankfurt (Klasse Thomas Bayrle).

Einzelausstellungen (Auswahl): 2013 12×12. Die IBB-Videolounge, Berlinische Galerie, Berlin / 2012 Shedding Details, Ludlow38, New York / 2011 Hannah-Höch-Förderpreis 2011, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, The Terrace, Galerie Barbara Weiss, Berlin / 2010 Translating Experiences, Goethe-Institut Nairobi.

Gruppenaustellungen (Auswahl): 2014 Mother/Lands, Kurumaya Museum of Art, Oyama, Japan / 2013 Six Impossible Things Before Breakfast, The 7th MOMENTUM Biennial, Moss, Norwegen / 2012 Nairobi – A State of Mind, Kunsthaus Bregenz, Ich ist ein anderer, Kunstverein Freiburg / 2011 ARS11, Kiasma, Helsinki / 2009 The Collectors, Dänischer und Nordischer Pavillon, 53. Venedig Biennale / 2004 Manifesta 5, Donostia-San Sebastian, Spanien / 2001 Plateau of Humankind, 49. Venedig Biennale.

 

Ein visueller Rundgang

Annette Wehrmann

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, Fotografien aus der Serie Blumensprengungen, 1991–95

Autosave-File vom d-lab2/3 der AgfaPhoto GmbH

Foto: Heinz Hanisch-Kulschewski © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, Fotografie aus der Serie Blumensprengungen, 1991–95

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Foto: Heinz Hanisch-Kulschewski © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, Fotografie aus der Serie Blumensprengungen, 1991–95

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Foto: Heinz Hanisch-Kulschewski © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, Fotografie aus der Serie Blumensprengungen, 1991–95

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, S.C.U.M. – ein UFO für V. Solanas, 2007

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, S.C.U.M. – ein UFO für V. Solanas, 2007

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© VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann Ohne Titel, 2005

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann Zelt-Ufo, 1999

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann Luftschlangentexte, 1996–98

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Foto: Christoph Rauch / Projektgruppe, Budapest 1996, Annette Wehrmann bei einer Luftschlangen-Performance, 1996

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, DSB für die Zukunft, 1993–96

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Foto: Annette Wehrmann © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann, DSB für die Zukunft, 1993–96

annette wehrmann _ wir gucken fern, weil wir uns die revolution nicht leisten können

Foto: Stephan Baumann, bild_raum © VG Bild-Kunst, Bonn, Annette Wehrmann Fußbälle/Kugeln, 1989/1990

 

PRESSEMITTEILUNG

Annette Wehrmann

Wir gucken fern, weil wir uns die Revolution nicht leisten können

11.07.-07.09.2014

Eröffnung: Donnerstag, 10. Juli 2014, 19 Uhr

Der Badische Kunstverein zeigt die Künstlerin Annette Wehrmann (1961–2010) in einer umfassenden Einzelausstellung. Wehrmanns Arbeiten sind Teil einer Politisierung der Kunst in den 1990er-Jahren. Ihre Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Performances, Videos und Texte finden eine zugängliche Sprache, die sich den vermeintlich unverrückbaren Normen offensiv entgegenstellt. In einer eigenwilligen Mischung aus anarchistischer Prosa, intellektuellem Diskurs und trockenem Humor äußerte Wehrmann ihr Unbehagen an der Welt und stärkte eine autonome Haltung, der sie sich nicht nur in ihrer Kunst, sondern in ihrem gesamten Leben verschrieben hatte.

Die Ausstellung versammelt verschiedene Arbeiten und Werkkomplexe der Künstlerin. Einen zentralen Raum nehmen Wehrmanns UFO-Architekturen ein. Diese von feministischer Science-Fiction-Literatur, dem Jazzmusiker Sun Ra und der Architektengruppe Archigram beeinflussten Objekte aus billigen Materialien bezeichnete die Künstlerin als „Rückzug auf sich selbst“ und als „Wunsch nach einem besseren, anderen Leben“. Die für den Kunstverein rekonstruierte Installation S.C.U.M. – ein UFO für V. Solanas (2007) bezieht sich beispielsweise auf das gleichnamige Manifest der radikal-feministischen Autorin Valerie Solanas.

Der öffentliche Raum, insbesondere dessen zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung, ist ein weiteres Thema in Wehrmanns Kunst. Für die Fotoserie Blumensprengungen (1991–95) brachte die Künstlerin verschiedene im Stadtraum arrangierte Blumenanlagen zur Explosion. Eine frühe skulpturale Arbeit sind die aus Backsteinen gemauerten Fußbälle/Kugeln (1991), mit denen die Künstlerin in einer Performance Fußball spielte. Für die Installation DSB für die Zukunft (1993–96) schuf Wehrmann eine neue Währung und somit einen alternativen ökonomischen Raum. Annette Wehrmanns textbasierte und performative Arbeitsweise zeigt sich in ihren auf Luftschlangen getippten Texte, die sie in Lesungen vortrug und im Raum installierte.

Kuratiert von Ort des Gegen e.V. und Anja Casser, Badischer Kunstverein.

Der Ort des Gegen e.V. gründete sich 2011 in Hamburg zur Erhaltung des künstlerischen Nachlasses von Annette Wehrmann. Die Mitglieder des Vereins sind Erzsébet Ambrus, Hans- Christian Dany, Sabine Falk, Katharina Gerszewski, Jochen Möhle, Christoph Rauch, Holger Steen, Inga-Svala Thorsdottir, Laila Unger, Brigitte Wehrmann, Monika Wucher und Ina Wudtke.

Weitere Informationen zum Ort des Gegen e.V. unter www.annettewehrmann.de

Badischer Kunstverein

Annette Wehrmann (1961–2010) lebte und arbeitete in Hamburg. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt. Einzelausstellungen (Auswahl): 2012 Gehirn und Geld / Hamburger Kunsthalle / 2011 Absolut der richtige Sport für mich, Dorothea Schlüter Galerie, Hamburg / 2003 raus! – ein Umbau, Verein 88 im Elektrohaus Hamburg / 2002 Gegn, SÍM Reykjavik, Island / 2001 UFOrama, plattform, Berlin / 1992 Künstlerhaus Weidenallee, Hamburg / 1991 Spielfelder, Produzentengalerie Kassel.

Gruppenaustellungen (Auswahl): 2014 SOURCE AMNESIA, OSLO10, Basel, future history, D21 Kunstraum, Leipzig / 2013 Feminist UFOs – Domestic Utopias in Berlin, NGBK Berlin / 2012 The City That Doesn’t Exist, Images of Global Spaces, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, Test Run, Kunsthaus Dresden / 2010 Hacking the City, Museum Folkwang, Essen / 2007 Skulptur Projekte Münster, Work Fiction, Kunstverein Wolfsburg / 2003 Ort des Gegen, Künstlerhaus Stuttgart, Mothers of Invention – where is performance coming from, MUMOK, Wien / 2001 DER TURM, Künstlerhaus Weidenallee, Hamburg / 1999 mondo immaginario, Shedhalle, Zürich.

2013 erschien das Buch Annette Wehrmann: Luftschlangentexte im Starship Verlag, Berlin. www.starship-magazine.org

Öffnungszeiten der Ausstellung: Di bis Fr 11–19 Uhr, Sa, So u. Feiertage 11–17 Uhr Adresse: Badischer Kunstverein, Waldstraße 3, 76133 Karlsruhe

www.badischer-kunstverein.de