Butterflies Drink Turtle Tears – Ulrich Okujeni, Johanna Wagner und Jan Zöller

Jan Zöller

Jan Zöller

Jan Zöller

Jan Zöller

Ulrich Okujeni

Ulrich Okujeni

Ulrich Okujeni

Johanna Wagner

Johanna Wagner

Johanna Wagner

Installation View

Die drei Absolvent*innen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bieten uns mit ihrer Ausstellung jeweils eigenständige, sich aber durchaus ergänzende Einblicke aktueller, künstlerischer Überlegungen. Quer durch alle Medien. 

Johanna Wagner filmt, fotografiert, malt, schreibt, performed, musiziert, you name it. Sie erweitert unentwegt die Kampfzone. Ihr Film „The Adventures of Jaqueline“ bringt dabei einige ihrer Manöver zusammen. Er ist ein assoziativer Rundumschlag. Durch ständiges zersplittern, kollidieren und ineinander weben verschiedenster Sequenzen, werden hier nach und nach grundlegendste Parameter aus den Angeln gehoben. Zeit und Raum werden, genau wie Sinn und Unsinn, immer diffuser. Reale Landschaften wirken wie virtuelle Räume, wie Peripherien als natürliche Umgebung unkonventioneller Verhaltensweisen. Laut und leise, schrill und schlicht, gehen dabei immer Hand in Hand. Alles spielt irgendwo, zeitlich völlig verloren, zwischen Genlabor, skurrilem Roadmovie und nicht immer ernst gemeinter Seelenschau. 

Das einzig konstante ist der unermüdlich stete Blick der Künstlerin (aka Jaqueline) selbst. Kontemplativ, fordernd, suchend und teilnahmslos zugleich. Ein adäquater Blick auf diese collagierte Welt. 

Mit den Zeichnungen und Bildern von Ulrich Okujeni ist es ein bisschen so, als ob man einen mittelschwer angerockten Cool Jazz im Hintergrund hören würde. Ein völlig heterogenes, aber grundsätzlich integrales Ensemble an verschiedenen Techniken, Farben und Formen, die sich innerhalb des gesetzten Rahmens gegenseitig ausloten sollen. Die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit bleibt hierbei immer völlig offen. Man weiß nie recht, ob hier Gegenständliches abstrahiert wurde, oder sich eine konkrete Form aus dem Abstrakten heraus ergeben hat. Ganz im Kontrast zum eigentlich ausufernden, organisch expressiven Motiv, erscheint die Gesamtkompositionen dennoch aufgeräumt und klar. All diese diversen Strömungen scheinen sich entlang einer inneren Ordnung zu harmonisieren. Durch diese spielerische, undogmatische Einengung von Freiheit entsteht überhaupt erst ein hohes Maß an Freiwilligkeit auf Seiten des Betrachters. Lässt man sich also auf diesen Trip ein, wird schnell deutlich, dass er weitaus tiefer reicht, als es der an sich schon recht sinnliche und humorvolle Instant-Augenschmaus der ersten Betrachtung hätte vermuten lassen.

Bei Jan Zöller hingegen lodern Brandherde an dünnen, kaum noch stützenden Säulen. Fundamente beginnen zu bröseln, nur um an anderer Stelle als neu orientierendes Zitat wieder zu erscheinen. Wie Statusmeldungen breiten sich bei ihm mitunter grelle Primartöne gerne großflächig und monochrom, aber hauchdünn aufgetragen, auf Objekten und Leinwänden aus. Brunnen sprudeln, Vögel fliegen umher. Zigaretten, Tattoos und Marienkäfer. Über alles legen sich Muster und Verweise persönlicher Wichtigkeiten.

Aber nicht nur die Großwetterlage des eigenen Selbst, sondern auch ein Gespür für das erzählerische Potenzial in den Details der alltäglichen Jetztzeit ist allgegenwärtig. Blumenwiese und urbane Zerwürfnisse im wechselseitigen Breitbandrauschen. Bilder und Objekte als höchst subjektive, aber gerade deshalb wohl soziale Medien.

Wie fragmentierte Beat-Poetry in Echtzeit über Instagram. Der Schweiß des modernen Lebens, abgetrocknet mit einem Youtube-Link.

Stefan Jeske 

www.meyer-riegger.de

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