Carolin Eidner – Thousand Suns for a Lonely Man

Carolin Eidner

Thousand Suns for a Lonely Man

8. April – 20. August 2017

Im Mittelpunkt von Carolin Eidners (*1984 in Berlin, lebt in Düsseldorf) Werk, die ihr Studium in Düsseldorf bei Rosemarie Trockel abschloss, steht das Verhältnis von konzeptuellen und physischen Aspekten von Objekten und Materialien. Dabei zeichnet sich Eidners künstlerische Praxis durch ein breites Spektrum an Medien, Techniken und Vorgehensweisen so wie die ungewöhnliche Verwendung verschiedenster Materialien
aus. Die Ausstellung in der Langen Foundation umfasst rund 25 Arbeiten, von denen der Großteil eigens für die Ausstellung produziert wurde. Alle Arbeiten zählen zu den beiden jüngst entstandenen Werkgruppen: Wandobjekte aus pigmentiertem Gips werden in Beziehung gesetzt zu Bodenskulpturen aus farbigen Glas- und Glaskeramikplatten.

In Carolin Eidners Ausstellung treffen zwei Werkgruppen aufeinander, die in ihrer Unterschiedlichkeit zeigen, wie spezifisch die Künstlerin Materialien auswählt und sich aneignet. In ihrem Anliegen, sich die Offenheit eines „Anfänger-Geistes“, wie es im Zen-Buddhismus heißt, zu bewahren, schlägt Eidner immer wieder ihr nicht vertraute Wege ein und schafft sich Situationen, die sie auf bislang unbekanntes Terrain führen. Dabei
entwickelt sie teils aufwändige Verfahren, wie im Fall der Gipsarbeiten. Eidner verbindet in den Gipsarbeiten Gipspulver, Wasser und Pigmente zu einer schnell trocknenden Masse, die sie – ähnlich wie beim Malen nach Farben – in konturierte Felder einfüllt, aus denen sich das Motiv zusammensetzt. Auf andere Weise additiv ist Eidners Vorgehen bei den Bodenskulpturen. Hier schichtet sie Glas- und Glaskeramikplatten verschiedener Größe und Farben übereinander, so dass eine
konstruktive Einheit entsteht. Die intensive Farbigkeit dieser Skulpturen steht ebenso im Gegensatz zu den zurückgenommenen, pastelligen Farbtönen, die das Gipsweiss in den Wandarbeiten erzeugt wie die technische Ästhetik der Platten mit ihren reflektierenden glatten Oberflächen zur sichtbaren Gemachtheit der opaken Gipsobjekte.

Auseinandersetzung mit Werkstoffen und davon abgeleitete Arbeitsprozesse dienen Carolin Eidner als Mittel, Zeichen zu verrätseln, Materialien neu zu kodieren und damit auf Möglichkeitsräume jenseits bestehender Ordnungen zu verweisen. Daran angelehnt ruft die Künstlerin mit den Gipsarbeiten das Konzept der Singularität auf. Als technische Singularität wird in der Zukunftsforschung der Moment bezeichnet, ab dem sich der
Fortschritt derart beschleunigt, dass sich mit der künstlichen Intelligenz der Maschinen Erkenntnismöglichkeiten entwickeln, die den menschlichen Horizont übersteigen. Auf diese Potentiale jenseits unserer Vorstellungen und Denkkategorien öffnen sich die Leerstellen in Eidners Arbeiten.

Langen Foundation
Raketenstation Hombroich 1
41472 Neuss