Claudia Kugler – „grrrrr“

Claudia Kugler begann bereits in den frühen 2000er Jahren – in einer Phase, in der lauthals der Malereiboom ausgerufen wurde – sich mit den Möglichkeiten digitaler Bildproduktion zu beschäftigen, die sie wiederum mit den spezifischen Eigenschaften der unterschiedlichsten Ausgabemedien und druckgrafischen Techniken kurzschließt. So dienten seitdem Poster, Tapeten, im Diasec-Verfahren produzierte C-Prints, Vorhänge und Teppiche sowie Dia- und Filmprojektionen oder schließlich die Bildschirmoberfläche selbst als Bildträger für ihre präzise gesetzten Motive.
Ihre Arbeitspraxis unterscheidet sich insofern von dem Gros der seit den mittleren 2010er Jahren im Bereich Digitalität gängigen bildkünstlerischen Ansätze, als ihr Interesse weder dem collagierenden Prinzip gilt, das die sogenannte Post-Internet Art letztlich definiert, noch der spektakelaffinen Theatralität, die dem immersiven Prinzip der aktuell auch im Kunstbetrieb nach und nach präsenteren Virtual Reality zugrunde liegt. Kugler konstruiert ihre Bildgegenstände in der Regel in der Dreidimensionalität des
digitalen Raums, die sie – entweder in ein und demselben Bild oder im Neben- und Miteinander innerhalb einer Präsentation – mit dem Zweidimensionalen des Layouts kontert. Beim Ausgangsmaterial dafür kann es sich sowohl um Fundstücke aus dem World Wide Web handeln, die sie häufig in isolierter, dezent und doch wirkungsvoll überarbeiteter Form präsentiert, als auch um selbst Fotografiertes, das sie nun gleichsam ein zweites Mal in den Fokus rückt. Daneben ‚erfindet’ sie Bildgegenstände – wie etwa die in der aktuellen Ausstellung sehr präsenten Fangzähne – und vergegenwärtigt sie in Form exakter Renderings.
Häufig beschränkt sie sich bei diesem, im wahrsten Sinne des Wortes, Ausstellen digitaler Objekte auf einzelne Motive, auf zwei oder drei Komponenten, die allerdings – vor allem in den Arbeiten der letzten Jahre – regelmäßig vielfach, in stark rhythmisierter und repetitiver Weise abgebildet sind. Gerade in dem bisweilen explizit grafischen Aspekt ihrer Arbeit macht sich bemerkbar, dass Claudia Kugler sowohl als bildende Künstlerin als auch als Kommunikationsdesignerin tätig ist, wobei sie gleichzeitig die Grenzgebiete zwischen beiden Bereichen immer wieder auf geradezu genüssliche Weise dehnt und streckt, und deren Eigentümlichkeiten ihrerseits zum Thema macht – sei es durch die konstante Verwendung unterschiedlichster Bildträger oder die fast schon programmatische Variabilität in puncto Auflagenhöhe und Preisgestaltung.
Dies gilt auch für die Ausstellung „grrrrr“, durch die sich jene angesichts der allgegenwärtigen digitalen Bilderflut regelrecht beharrliche Lust an der fokussierten und spezifischen Bildfindung, aber auch an der Herausforderung popkulturell hochgradig besetzte Images wie Zunge oder Vampirzähne zu verarbeiten, wie ein roter Faden zieht. Einmal mehr verzichtet Claudia Kugler darauf dem Ganzen ein allzu enges thematisches Korsett anzulegen, wobei sich der lautsprachliche, unterschwellige Wut – oder, soviel
Ambivalenz muss sein, sexuelle Erregung – repräsentierende Titel wie ein statischer Hintergrundsound über die Bilder legt, die als Bedeutungsträger in mehrerlei Hinsicht das Thema „Gegenwart“ aufgreifen. Der Idee eines geschlossenen Werkzyklus trotzend, ergeben sie ein erst auf den zweiten Blick atmo-
sphärisches Ganzes und bieten genügend Raum um kunst- und medienhistorische Schneisen zu schlagen, und gerade darin – in den Andeutungen, Brüchen und Umschreibungen – dem Drang nach vorschneller Identitätsstiftung entgegenzuwirken – bedächtig aber entschieden.

Wolfgang Brauneis

all pictures by Simon Vogel

Natalia Hug
Jülicher Straße 14
50674 Köln, Germany

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