Gruppenausstellung MOOS EISLEY @ URGIZZY

Ein Kupferrohr entleiht sich einen Teil des Wasserflusses der Dachrinne. Das Wasser wird von der lauten Strassenseite des Gebäudes quer durch den Raum den Deckenbalken entlang auf die ruhige Dorfseite geleitet, wobei das Rohr einige Umwege und Abkürzungen vornimmt.
Das Wasserrohr führt vorbei an zwei Mother Warrior Houses. Diese Laternen sind Hommagen an die Kriegerin, die Dichterin und die Mutter. Gedichte und Zeichnungen wurden in die Gläser graviert.
Ein Klang dringt aus dem Ofen und rhytmisiert das Geschehen.
Ein lackiertes Metallschild präsentiert sich an der Mittelsäule, eine gemalte Flüsterpost: Das OPEN HOUSE-Schild signalisiert den Tag der offenen Tür im Hausverkauf in den USA, und wurde zu einem Symbold der US-Immobilienkrise um 2008. Der Tag der offenen Tür markiert einen abstrakten Status, wo Wohnfantasien und Struktur aneinander angeglichen werden, wo angeblich für kurze Zeit parallel von den Kaufinteressierten die Zukunft ausgemalt werden soll. Ich brachte ein solches Schild aus Denver in 2012, und seither hatte ich es eingelagert, zuletzt hier im Raum, wo Ivan es fand und weiterstrickte.
Ein Yoga-Kalender aus dem letzten Jahr bewirbt Bademode.

Gut 50 Jahre nach dem letzten Pferd kehrte Lizzy ein, um sich auf der Werkbank auszuruhen. Das Salamanderwesen ist eine Voyagerin, eine Beobachterin und Beobachtete zugleich. Sie geht auf ihrer Reise den Fragen um diese Doppelperspektive nach.
The tricky part with truth is that every lie creates a parallel world. The world namely, in which it is true.

Gegenüber an der Steinwandlandschaft offenbart sich die Aussicht auf die Szenerie den Sabrina & Gaia, zwei blinkende LED-Figürchen. Die Dimensionswechsel relativieren die Perspektiven und kehren die Platzierung des OPEN HOUSE, des Kalenders und des Salamanders in eine Pragmatik, die dem Raum als Hufschmitte und später als Lagerraum immer vertraut war.

Der Aargau sei ein Zweck-Kanton. Hier gibt es mehr temperierte Lagerräume als temporäre Kunsträume.
Es ist an der Zeit, neue Wege in einander verschlingen zu lassen. Durch das enthusiastische Engagement von Pia Tschupp mit dem Schlüssel entstand diese Taverne, dieses fantastische Zwischenlager.

Bei der Überlagerung und teilweisen Verschmelzung von Erinnerungen, Wünschen, Realitäten und Fantasien entstehen neue Brücken und Abzweigungen, neue Peripherien und neue Zentren. Die Infrastruktur wird zur Szenerie. Plötzlich liegt Densbüren im Death Valley, wo der Anfang der Mos Eisley-Szene in Star Wars: A New Hope 1979 gedreht wurde.

Thomas Moor

Das Urgizzy wird unterstützt vom Aargauer Kuratorium.

 

Ausstellungsansicht

Kevin Aeschbacher, Ms Jackson, 2017 Kupferrohre, Stahl

Ivan Mitrovic, Open House, 2017 Lack, Metall

Mia Sanchez, One thing and not another, 2017 Stoff, Füllung

Mia Sanchez, One thing and not another, 2017 Stoff, Füllung

Detail

Ausstellungsansicht

Sabrina Röthlisberger, Sabrina & Gaia, 2014, Plastik, Perlen, LEDs, Batterien

Sabrina Röthlisberger, Sabrina & Gaia, 2014, Plastik, Perlen, LEDs, Batterien

Sabrina Röthlisberger, Mother Warrior Houses, 2017, Metall, Glas, LEDs

Sabrina Röthlisberger, Mother Warrior Houses, 2017, Metall, Glas, LEDs

Sabrina Röthlisberger, Yoko Ono, 1988, 2012, Audio loop, 8:17 min

Kevin Aeschbacher, Ms Jackson, 2017, Kupferrohre, Stahl

Kevin Aeschbacher, Ms Jackson, 2017, Kupferrohre, Stahl

Kevin Aeschbacher, Ms Jackson, 2017, Kupferrohre, Stahl

Nelly Haliti, Yoga Calendar, 2016 Inkjetprint A4

Fotos: © Claude Barault

URGIZZY
MOOS EISLEY
KEVIN AESCHBACHER NELLY HALITI
IVAN MITROVIC
SABRINA RÖTHLISBERGER MIA SANCHEZ
HAUPTSTRASSE 45
5026 DENSBÜREN AG