Stefan Marx „The Sanest Days are Mad“

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Foto: SSZ Sued

 

Amelie und Saskia (KubaParis)
Wir freuen uns anlässlich deiner Ausstellung „The Sanest Days are Mad“ in der Kölner Galerie SSZ SUED mit dir zu sprechen. Die Eröffnung ist heute Abend. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Alexander Basile und seiner Galerie gekommen und was zeigst du dort?

Stefan Marx
Alexander Basile und seine Arbeit kenne und schätze ich schon seit einer langen Zeit. Wir sind uns immer mal wieder begegnet und haben uns ausgetauscht. Seinen Schritt, im Jahr 2011, einen Ausstellungsraum am Kölner Südbahnhof zu eröffnen und zu kuratieren, fand ich fantastisch. Ich verfolgte sein Programm über die SSZ SUED Website und fand viele Projekte und Ausstellungen im Raum spannend und wichtig für Köln. Bei einer der letzten Begegnungen fragte mich Alexander, ob ich nicht meine Arbeit im SSZ SUED zeigen möchte. Heute eröffnet nun meine Ausstellung „The Sanest Days are Mad“. Ich zeige sechs große Arbeiten, meist Schriftbilder. Eine der Arbeiten nimmt Bezug auf ein Wandbild, welches im Wohnhaus über dem SSZ SUED in einer privaten Wohnung einer Nachbarin realisiert wird und dem Besucher nur durch Führungen zugänglich ist. Das Wandbild und die Arbeit wird von Zeichnungen abgeleitet, die ich während einer Südsee Reise im letzten Jahr gezeichnet habe.

Amelie
Diese Sehnsucht nach fernen Orten von der du sprichst, kenne ich als leidenschaftliche Surferin sehr gut. Kannst du dieses Gefühl in Worte fassen? Wie schlägt sich das Reisen in deinen Arbeiten nieder und was können wir uns unter dem Begriff „travel zine“ vorstellen?

Stefan Marx
Das Gefühl von Reisen kennt man, ferne Orte sind ganz natürlich spannend und neu. Im Vorfeld hat man Vorstellungen, nach dem Besuch Erinnerungen. Ich zeichne meist auf Reisen. Die Zeichnungen sind ein grosser Bestandteil meiner Arbeit und werden nach der Reise oft in einer Publikation verlegt. Ich habe eine Serie mit dem Schweizer Verlag Nieves über die letzten Jahre wachsen lassen. Ich nenne die Hefte „Travel Zines“. Diese zeigen meist Portrait-Zeichnungen oder Aufzeichnungen von Orten.

Saskia
Neben dem Nieves Verlag hast du auch mit Rollo Press zusammengearbeitet. Arbeitest du direkt für die Bücher oder veröffentlichen sie die Arbeiten, die sowieso entstehen?

Stefan Marx
Ich veröffentliche nur Arbeiten, die sowieso entstehen. Die Publikation ist eine Möglichkeit meine Arbeiten in Zusammenhang zu bringen, ihnen eine Abfolge zu geben und als Sammlung, als Buch wieder auf Reise zu senden. Bücher haben eine sehr langsame Geschwindigkeit. Benjamin Sommerhalder von Nieves und Urs Lehni, der Macher hinter Rollo Press, sind die tollsten Verleger und Freunde und verstehen meine Arbeit. Ich bin sehr dankbar mit ihnen an Büchern zu arbeiten.

Amelie
Du bist einen ganz eigenen Weg gegangen. Du liebst das Skateboard fahren und warst früher in der Graffiti-Szene aktiv. Die Zeichnung war von Beginn an Dein Element. Du kreierst T-Shirts, Skateboards, Kataloge, Poster, Plattencover und realisierst viele andere Projekte in der Mode- und Musikszene. Du hast dein Diplom an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg absolviert. Heute hast du dich als freier Künstler etabliert und in renommierten Ausstellungshäusern ausgestellt. War das ein schleichender Prozess oder gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Stefan Marx
Ich bin mir nicht richtig sicher. Ich denke es ist prozesshaft…

Saskia
Ich habe das Gefühl, dass es für KünstlerInnen sehr schwierig ist den Spagat zwischen kommerziellen und dem freien, künstlerischen Arbeiten zu schaffen. Es ist eine unausgesprochene Tatsache, dass man als KünstlerIn unheimlich aufpassen muss, seinen Namen nicht für das „falsche Produkt“ herzugeben. Bei dir scheint das nicht so zu sein. Du bedienst das ganze Programm. Amelie hat es eben schon erwähnt T-Shirts, Designs, Plakate für bekannte Nachtclubs und Plattencover. Gleichzeitig stellst du mit Jonathan Meese und Daniel Richter aus. Wie vereinbarst Du Dein kommerzielles Wirken mit deinen künstlerischen Arbeiten? Nicht alle in der Szene schaffen diesen Balanceakt und den Sprung zu einem ernstzunehmenden Künstler / zu einer ernstzunehmenden Künstlerin.

Stefan Marx
Das Gefühl muss gut sein. Ein eigenes T-Shirt Label The Lousy Livincompany habe ich seit 1995, da war ich 16. Mit Postern und Plattencovern, T-Shirts und Skateboardgrafiken bebildere ich etwas mit und gebe etwas zurück zu den Nischen und Menschen, die mich bisher am meisten geprägt und persönlich beeindruckt haben. Alle diese Dinge (Labels, Musik, Clubs) sind zusammen weit unkommerzieller als der Kunstbetrieb – der diese unausgesprochenen Regeln vermittelt – jemals sein wird. Ernst nehmen sollte man diesen Betrieb zu Teilen nicht.

Amelie
Oder macht es für Dich keinen Unterschied, da alles aus einer inneren Überzeugung und Leidenschaft heraus entsteht?

Stefan Marx
Feeeeelings!

Saskia
Beni Bischof arbeitet auch kommerziell, aber bei ihm unterscheidet sich das künstlerische Werk von seiner illustrativen Arbeit. Außer vielleicht im Humor. Hast du jemals darüber nachgedacht beides auch visuell zu trennen?

Stefan Marx
Es kommt immer etwas darauf an, Benni hat da schon seine eigene Art und Weise.

Amelie
Im Zusammenhang mit dir ist immer wieder der Name Keith Haring gefallen. Ich schätze die Arbeiten des US-amerikanischen Künstlers sehr. Dieser Vergleich wird allerdings oft und gerne auf die Arbeiten von KünstlerInnen aus der Street-Art Szene angewendet. Wer hat dein künstlerisches Schaffen beeinflusst?

Stefan Marx
Generell Menschen, die tolle Dinge machen, sich engagieren, eine gute Energie vermitteln und Dinge wie Räume, Musik, Gedanken, Gefühle erschaffen.

Amelie
Anstehende Projekte?

Stefan Marx
Nach meinem SSZ Sued Aufenthalt freue ich mich auf die Eröffnung von der Ausstellung GIVE LOVE BACK — Ata Macias und Partner. Danach gehe ich etwas nach New York und nehme wieder an der New York Art Book Fair teil. In New York wird ein neues Nieves Zine vorgestellt. Es heisst SUNDAAYYYSSSS. Bei Nieves erscheint auch ein neues Buch mit Christoph Keller und mir, Rebel Without a Cause. Die Arbeiten im Buch habe ich bei meiner Galeristin Karin Günther im Januar diesen Jahres gezeigt. Mit Urs Lehni arbeite ich an einem neuen Buch über Notizen und Zeichnungen auf Flyerrückseiten, ein zweiter Teil von der Publikation 85 Zeichnungen bei Rollo Press. Und 2015 wird auch super.

Amelie
Hast Du vielleicht auch eine Frage an uns oder möchtest Du uns als junge Zeitschrift einen weisen Rat mit auf den Weg geben?

Stefan Marx
Könnt ihr heute Abend kommen? Könnt ihr mir eine Ausgabe zusenden? Und, Print is Not Dead.

Amelie und Saskia
Leider, leider stecken wir in Berlin fest. Die erste Ausgabe von KubaParis liegt Ende Oktober in Deinem Briefkasten. Print is Not Dead! So wahr!

Viel Spaß heute Abend!

 

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