Jan Hoeft – Heatkiller

In seiner künstlerischen Praxis untersucht der in Köln lebenden Künstler Jan Hoeft Strukturen, Mechanismen und ästhetische Codes subkultureller Gruppen präzise und adaptiert sie für seine Arbeiten. Für den NAK realisiert Hoeft eine neue Werkreihe als raumfüllende Installation. Dabei bedient er sich Techniken des Computertunings, die er aus der Gamingszene entliehen hat. Dort dient besagte Technik einzig der Kühlung der Rechner, welche während des Spiel längere Zeit in Betrieb bleiben und deren Prozessoren und Komponenten sich erhitzen. Um der Wärme entgegen zu wirken leitet ein geschlossenes System aus Pumpen, Schläuchen und Dichtungen Flüssigkeit an den aufgeheizten Elementen vorbei und kühlt diese damit ab. Diese feinteilige Technik wird von Hoeft zweckentfremdet und in den Kunstbetrieb überführt.

Zentral im Gefüge der Rauminstallation Heatkiller (2018) befindet sich ein skulpturales Element aus vier getönten Glasscheiben, welches quadratisch im Grundriss auf jeder Seite mit je einer Pumpe versehen ist. Von diesen Pumpen aus leiten Schläuche ein schwarze, silbrig glitzernde Flüssigkeit durch den Raum hin zu Bildträgern, welche an den Wänden des Ausstellungsraums montiert wurden. Diese bestehen aus Hohlkammerplatten, die im Bereich der Wahlwerbung im öffentlichen Raum oftmals Verwendung finden und mit Kabelbindern einfach befestigt werden können. Auf Details achtend übernimmt Hoeft nicht nur das Material, sondern auch die Art der Montage in seine Installation.

Die Motive der Bildträger entlehnt Hoeft der Stockfotografie. Stockfotos werden von Bildagenturen vorproduziert, bereitgestellt und verkauft. Die vor allem zu Werbezwecken gedachten Bilder isoliert Hoeft aus dieser Bestimmung und situiert auch sie in den Kunstkontext ein. Bei genauer Betrachtung wird die extreme Künstlichkeit der Stockfotos offensichtlich; sie wirken werbeästhetisch klinisch und steril, auch die in Hoefts Arbeit abgebildeten Personen gleichen Staffage in einem vermeintlich perfekt arrangierten Ensemble. Wertneutrale Titel wie Koffer (2018) oder Himmel (2018) lassen Rückschlüsse auf die Schlagwörter zu, mit denen Hoeft online operierte, um sein Material für die Ausstellungsanordnung zusammenzustellen. So versammelt Gruppe (2018)beispielsweise Menschen unterschiedlicher Herkunft, die allesamt in die Hände klatschen und lächeln, positiv vereint anlässlich eines unbekannten Ereignisses. Hoeft hinterfragt tatsächliche und vorgetäuschte Beziehungen und Relationen anhand der in den Bildern präsentierten Konstellationen, verstärkt durch das alle Elemente der Installation verbindende, sich durch den raumwindende Schlauchsystem. Dieses schafft mit technischen Mitteln kraftvolle als auch zugleich irritierende Verknüpfungen vormals loser Komponenten; die Protagonisten der Gruppe werden so konkret über die Augen miteinander untrennbar verbunden. Die Flüssigkeit rinnt von Person zu Person, Gedanken, Ideen und Emotionen sind unentwegt im kollektiven Austausch begriffen.

Zentral ist darüber hinaus das assoziative Potential, das alle Bildträger bergen, sprich die immer wieder vom Besucher neu zu entscheidende positive als auch negative Bewertung des Gezeigten. So verharrt Hoefts Arbeit zwar primär bewusst unentschlossen an der glatten Ober fläche, ihr wohnt aber gerade deshalb die unabdingliche und geradezu unbehagliche Aufforderung des tiefergehenden Blicks inne.

Neben den von technischen Systemen durchstossenen Bildelementen zeigt der KHM-Absolvent Hoeft eine Videoarbeit. In Ausbreitung (2018) umkreist eine Kamera eine computergenerierte Stadtansicht aus Versatzstücken sich wiederholender Architekturmodelle. Die Architekturen hat Jan Hoeft ebenfalls im Netz erstanden, eine deutliche Parallele zur Stockfotografie, die in den anderen Arbeiten Verwendung findet. Sauber gerenderte Häuser gemahnen an keine reale Existenz. Im Zentrum der fiktiven Stadt erscheint zum Klang eines meditativen Gongs eine goldgelbe Kuppel, die sich wie eine Blase langsam über die Stadt ausdehnt, Häuser geradezu verschluckt. Die Farbe changiert beizeiten, ein eher kränkliches Grün tritt dem positiv konnotierten strahlenden Leuchten entgegen. Abermals lässt die Uneindeutigkeit des Gezeigten latente Bewertungsmechanismen einsetzen, eine Evaluierung beginnt. Die entstandene Kuppel füllt letztlich den ganzen Bildschirm, verblast und verschwindet, nur um dann erneut aufzutauchen. Die Arbeit läuft im Loop, stellt somit treffend Fragen nach Inhalt und Konsequenzen des Gezeigten. Mit dem Satz Ich verstehe dich (2018) den Jan Hoeft in der Ausstellung auf Schlüsselb.ndern präsentiert und im Kontext der Arbeiten vereinzelt drapiert hat, wird einmal mehr im dichotomen Konzept von ersehnter und ungewollter Nähe die Dualität der Rauminstallation subtil auf den Punkt gebracht und als zur Interaktion einladendes Element in die Welt getragen.

NAK
Neuer Aachener Kunstverein
Passstraße 29
52070 Aachen