Klasse Gursky #3 – Rike Droescher

Wie wichtig war/ist für Dich als Künstlerin Deine Ausbildung an einer Kunstakademie?

Für mich war die Entscheidung an einer Kunstakademie zu studieren sehr wichtig. Zuvor habe ich in einem Bachelorstudiengang Modedesign studiert. Im Vergleich zu den Studienstrukturen dort, sind wir an Kunstakademien terminlich, thematisch und persönlich viel unabhängiger. Das hat den Vorteil, dass ich Arbeitsprozesse und -inhalte auf mich abstimmen kann und sich gleichzeitig durch das Umfeld der Klasse Strukturen entwickeln. Das Studium an der Kunstakademie fordert natürlich Eigeninitiative und Selbstdisziplin, ermöglicht aber unglaubliche Freiräume, die ich so aus der Mode nicht kenne.

Was hat Deine Entscheidung, in der Klasse Gursky zu studieren beeinflusst?

Die Klasse ist medial super breit aufgestellt. Wir haben Maler- und Bildhauerpositionen, Leute die sich mit Sound beschäftigen, Video und natürlich Fotografie. Ich genieße diese Multiperspektivität.

Wie ist der Aufnahmeprozess in die Klasse geregelt? 

Ich selbst bin nach dem Orientierungsbereich, dem ersten Jahr an der Akademie, in die Klasse gekommen. Zum Abschluss dieses ersten Jahres findet eine Abschlussprüfung statt, die erst die eigentliche Zulassung zum Studium an der Akademie ist. Alle bauen dafür eine kleine Präsentation ihrer Arbeiten auf. Die Klassen schauen sich diese Präsentationen an, überlegen welche Positionen spannend für die Klasse sein könnten und sprechen mit den Studierenden, die Interesse haben. Das läuft eigentlich in allen Klassen ähnlich. Ansonsten bitten wir darum uns ein Portfolio zu schicken und laden bei Interesse zum Gespräch über die Arbeiten ein. Bei uns werden die Entscheidungen über die Aufnahme in die Klasse demokratisch getroffen, d.h. alle sind beteiligt und haben eine Stimme.

Kannst Du Dir vorstellen als Künstlerin in der Lehre tätig zu werden? Wenn ja, was wäre Dir dabei – aufgrund deiner Erfahrungen an der Düsseldorfer Akademie – besonders wichtig?

Damit beschäftige ich mich bisher noch nicht, aber es ist natürlich spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Klassen aufgebaut sind und Lehraufträge wahrgenommen werden. Wenn man an Kolloquien anderer Klassen teilnimmt, merkt man ziemlich schnell, jede Klasse hat ihre eigene Gesprächskultur und Inhalte, auf denen im Austausch der Fokus liegt.

Welche Rolle spielt in Deinen Arbeiten der Bezug zwischen Idee und Material?

Idee und Material sind für mich eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Ich beschäftige mich viel mit Materialeigenschaften, die Beziehungen zum menschlichen Körper aufmachen. Taktilität, Aufnahmefähigkeit und Flexibilität sind also wichtige Parameter schon bei der Materialauswahl.

Im Arbeitsprozess greif ich immer wieder auf Erfahrungen mit dem eigenen Körper, als privatem und intimem Raum, zurück. Denn was ich Material entgegensetzen kann, ist zunächst mein Körper.

Wie sieht dein Werkprozess bezogen darauf aus? Arbeitest Du z.B. mit Skizzen, oder mit Materialproben?

Grundlage für meine Arbeiten sind meist industriell hergestellte Stoffe. Die Unterschiedlichkeit der Oberflächenstrukturen und Haptik fasziniert mich. Das heißt ich verbringe viel Zeit in Stoffläden und fasse alles mal an. Allerdings habe ich mittlerweile auch lange Erfahrung mit dem Material und eine recht große Sammlung an Stoffproben, an der ich mich immer wieder bediene.

Mit anderen Materialien arbeite ich viel im Kleinen. Oft sind das einfache Spielereien, bei denen es darum geht poetische Momente im Material zu finden. In ihnen liegen aber viele Qualitäten, was Form, Taktilität und Oberfläche angehen, die Einfluss haben auf die großen Objekte.

Darf man anfassen?

Das ist eine Frage, die sich mir selbst immer wieder stellt, weil von meinen Arbeiten ein stark haptischer Reiz ausgeht, der auf das sinnliche Erleben der Arbeiten abzielt. Bisher hab ich mich jedoch immer dagegen entschieden.

Deine Arbeiten aus Stoff rufen durch ihre organischen Formen Assoziationen zu Körperfragmenten hervor, wie siehst Du den Bezug zwischen deiner Arbeit und Mode/Kleidung?

Viele Grundlagen für meine heutigen Arbeiten kommen natürlich aus meinem Modestudium.

Ich habe mich damals aber von der Mode wegbewegt, weil ich mich in meinen Arbeiten nicht mehr auf den menschlichen Körper als Dimension und formgebendes Volumen beschränken wollte. Ich habe in meinen Arbeiten eigenständige Objekte gesehen, die keinen zusätzlichen Körper brauchen, um sich zeigen zu können.

Was sind aktuelle und kommende Projekte an denen Du arbeitest?

Zurzeit interessieren mich vor allem Kollaborationen. Da ist das ein oder andere in Planung.

Interview Leon Jankowiak

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