Klasse Gursky #6 – Alexander Romey 

Wie wichtig war/ist für Dich als Künstler Deine Ausbildung an einer Kunstakademie?

Für mich war der Schritt an die Kunstakademie zu gehen sehr wichtig. Bis zu diesem Zeitpunkt war institutionelles Lernen für mich eher mit Missverständnissen verbunden. Es war das erste mal das ich mich als Person ernstgenommen fühlte in dem was ich tue und mir ein lernen ermöglicht wurde das aus den eigenen Interessen und der eigenen Arbeit entsteht.
Ich finde es dabei schwer von Ausbildung zu sprechen und habe es eher als ein Vertrauen wahrgenommen das einem entgegengebracht wird. Die Akademie bietet dabei den Raum in dem die Möglichkeit besteht sich zu entwickeln. Wobei es stark auf einzelne Personen ankommt die diesen Raum mitgestalten. Gursky fand dabei für mich das richtige Maß zwischen einer Klasse die eine soziale Struktur und eine kritische Auseinandersetzung bietet, dabei aber jedem seinen Freiraum lässt.

Was hat Deine Entscheidung in der Gursky Klasse zu studieren beeinflusst?

Die Klasse war für mich interessant da es eine offene Auseinandersetzung gab die nicht auf einem Medium oder einer bestimmten Vorstellung von Kunst beruhte sondern aus den Interessen der einzelnen entsteht. Der Professor schafft dabei natürlich die Grundlage in welchem Rahmen das ganze stattfindet.

Wie ist der Aufnahmeprozess in diese Klasse geregelt? 

Den Prozess kann man nicht verallgemeinern. Zu meiner Zeit gab es mehrere Besuche von  dem Professor und Studenten aus der Klasse im Orientierungsbereich bei dem sich nach und nach herauskristallisierte ob man in die Klasse passt. Später haben wir die Leute gebeten Portfolios zu schicken und anschließend zu Gesprächen in die Klasse eingeladen. Danach wurde dann gemeinschaftlich entschieden wer in die Klasse passt.

Kannst Du Dir vorstellen als Künstler in der Lehre tätig zu werden? Wenn ja, was wäre Dir dabei – aufgrund deiner Erfahrungen an der Düsseldorfer Akademie – besonders wichtig?

Da ich grade erst meinen Abschluss gemacht habe liegt das noch zu weit in der Zukunft.

Du hast Kommunikationsdesign studiert, bevor Du an die Düsseldorfer Kunstakademie gewechselt bist. Wie hat die anwendungsorientierte Verwendung von Fotografie aus dem Designbereich deinen Arbeitsprozess geprägt?

Das Studium an der FH Düsseldorf war nicht grundsätzlich auf den angewandten Bereich der Fotografie ausgerichtet. Mit Gerhard Vormwald hatte ich einen Professor für Fotografie der zwar aus der Werbung kam, seine Lehre aber sehr frei ausrichtete. Der Austausch mit ihm hat mich letztendlich auch dazu gebracht mich an der Akademie zu bewerben. Was mir allerdings später sehr geholfen hat war die Möglichkeit die technischen Grundlagen der Fotografie zu lernen. Ich habe neben meinem Studium auch immer selbst angewandt mit Fotografie gearbeitet, sowie Werbefotografen und Künstlern die mit Fotografie arbeiten assistiert. Was mich dabei am meisten beeinflusste war die Mischung der verschiedenen fotografischen Genres und bildgebenden Prozesse. Dadurch entstand ein Bewusstsein für die vielen verschiedenen Bildtypen und deren Machart. Ich glaube das daher auch mein ständiges Interesse kommt, zu fragen aus was für Bestandteilen Bilder heutzutage gemacht sind und wie sie uns beeinflussen. Ich differenziere dabei nicht nach Kategorien, sondern untersuche die verschiedenen Bildtypen auf ihre Parameter und eigne mir diese an.

Du arbeitest auch mit vorgefunden Bildmaterial, auf welche Archive greifst Du dabei zurück? Kannst du uns deinen Arbeitsprozess beschreiben?

Mein Prozess bildet oft meine Interessen zu einer bestimmten Zeit ab, dabei ist der Weg zu einem Bild aber jedes mal neu, ergebnisoffen, und in sich eigen. Am Ende steht allerdings meistens eine Umsetzung der Idee mit fotografischen Mitteln. Ich verstehe dabei die eingesetzte Technik als Stilmittel die dem Bild seinen Körper verleiht und seine Erscheinung maßgeblich beeinflusst. Sie wird für jedes Bild speziell ausgewählt um Idee und Materialität zusammenzuführen. Manchmal kommt es vor das sich die Idee besser mit vorgefundenen Bildmaterial und all den Spuren die es in sich trägt verwirklichen lässt. Die Quellen der Bilder sind dabei vielfältig, ich schließe da nichts aus. Mich interessiert es, mich auf einen Prozess mit z.B. Bürostühlen oder Autotüren einzulassen an dessen Ende die Dinge für mich eine neue Lesbarkeit bekommen. Die Fotografie erlaubt es mir meine Umwelt auf eine gewisse Art wahrzunehmen, mir das Abgebildete anzueignen und in seiner Struktur/Materialität einen Raum für Manöver zu schaffen die ein Potential für Störung und Modifikation bieten. Wobei die Fotografie an sich nicht im Vordergrund steht, sondern welche Verbindung die Bilder zur Wirklichkeit bekommen, wie sie diese nachahmen und beeinflussen. Die Vorstellung des es ist so gewesen soll dem so kann es sein weichen.

Wie wichtig ist die Ausstellung im Raum für deine Arbeit? Wie siehst Du deine Arbeit im Verhältnis zu Projekten wie Malraux Musée imaginaire oder Warburgs Mnemosyne Atlas?

Bei meiner Form zu arbeiten besteht das Bild ja meistens erst einmal als Datei, die noch eine Physis bekommen muss. Dieser letzte Schritt ist mir immer wichtiger geworden, da mir bewusst wurde das die Verkörperung des Bildes auch immer ein Spiel zwischen Bildraum und physischen Raum ist. Dabei gilt es die richtige Dosis zwischen der Eigenständigkeit des Bildes sowie der Situation in der es sich entfaltet zu finden. Mein Begriff von Raum ist dabei sehr weit gefasst, ich nehme z.B. die Kommunikation über eine Ausstellung als eigenen Raum war und finde es spannend zu beobachten wie die Bilder durch die verschiedenen Darstellungsweisen migrieren können. Diese Bilder befinden sich in einer ständigen Entwicklung und entziehen sich einer endgültigen Identität. Ihre Parameter, materiellen Eigenschaften, sowie Ihre Migration durch verschiedene Kanäle und Medien, lassen aus dem Bild etwas werden das weit über das abgebildete hinaus geht und nicht ohne seinen Bezug zu sozialen Strukturen und der Umwelt in der sie entstehen gedacht werden kann. In diesem Verständnis sehe ich viele Parallelen zu Projekten wie Malraux Musée imaginaire oder Warburgs Mnemosyne Atlas. Eines meiner Hauptinteressen war auch immer die Infrastruktur hinter den Bildern, das Netz der Informationen das es ihnen erst erlaubt verstanden zu werden. Gerade das Zusammenstellen von Bildern ist ja auch immer ein greifbar machen, welches sich nicht versprachlichen lässt.

Was sind aktuelle und kommende Projekte an denen Du arbeitest?

Mein Fokus lag gerade auf meinem Abschluss und auf meiner frisch geborenen Tochter. Alles weitere entwickelt sich.

Interview Leon Jankowiak

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