Naama Arad
 – LOVE HANDLES

Naama Arad (*1985, lebt und arbeitet in Tel Aviv) widmet sich in ihren skulpturalen, meist installativen Arbeiten dem Verhältnis von Menschen und Objekten und verfolgt dabei Fragestellungen zu Geschlecht, Sexualität, Macht und Sprache. Mit subtilem Sinn für Humor offenbaren ihre aus alltäglichen Massenprodukten gefertigten Skulpturen eine nahezu symbiotische Beziehung zwischen dem Individuum und den es umgebenden Dingen.

Ob beim Gang zum Bäcker, ins Bastelgeschäft, zum Bau- oder Büromarkt, für Arad eröffnen sich beim Anblick von Konsumgütern zahlreiche Assoziationsketten, die auf formalen, ästhetischen oder sprachlichen Aspekten beruhen. Die massenproduzierten, mehrdeutigen Waren dienen ihr als Material für surreal anmutende Vexierbilder: Eine Fliegenklatsche ist zugleich weiblicher Intimbereich und Phallus (Master and Servant), Telefonkabel und Duftbäumchen imitieren Schambehaarung (Legally Blonde, Black Ice), ein Stutenkerl ist hinter einem Netzstrumpfgitter gefangen (XX), aus einem Darm regnen  Minibrezeln (Feed Your Head). Die einzelnen Gegenstände formieren sich zu Figuren mit eigener Identität sowie Geschlecht und fungieren über die jeweils inhärente Symbolik sowie assoziativen Implikationen hinaus als syntaktische Glieder eines räumlichen Arrangements. Durch die jeweilige Konstellation sowie Interferenz der Objekte entstehen komplementäre Kodierungen, die zu neuen Bedeutungsinhalten führen und aufgrund der Konnotationen des Betrachters eine Art Eigenleben entwickeln können.

Ein Eigenleben, das die Assemblagen zudem durch ihre Bezüge zum Fetischismus und zum Animismus erhalten. Während bei ersterem unbelebte Dinge, ohne objektiv einen erotischen Bezug aufzuweisen, sexuell aufgeladen werden, wird bei letzterem tote Materie verlebendigt. Die derart besetzten Gegenstände wie das Kehrblech (Bossy Bottom), die Schubkarre (Doggy Style) oder das Rankgitter (Hounds of Love) regen weiterhin dazu an, das Design uns täglich umgebender Objekte neu zu befragen; schließlich flossen bei der Gestaltung eines jeden Konsumartikels die Dispositionen und Haltungen des jeweiligen Designers bzw. der jeweiligen Designerin ein.

Arads Arbeiten lassen einen großen Spielraum für persönliche Projektionen und stehen in einem irritierenden Gegensatz zum meist funktionellen Gebrauch der Dinge, die uns im Alltag begegnen. Zudem wird die Frage der Identifikation von Kunst und Nichtkunst aufgeworfen: Referenzen zum klassischen Readymade und die Deutlichkeit einer losen, wenngleich raffinierten, zur Nachahmung einladenden Kombination von Alltagsgegenständen, diskutieren daher auch die Regeln und den Wert von Kunst. Die Arbeiten Arads laden den Betrachter zu einer Begegnung und zum Dialog mit dem Unbewussten sowie zur Entdeckung der eigenen Subjektivität.

Love Handles ist Naama Arads erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Zuletzt hatte sie Einzelausstellungen im Projektraum ACUD in Berlin (2017) und im Tel Aviv Museum of Art, Israel (2015).

Kuratiert von Linda Schröer

DORTMUNDER KUNSTVEREIN
Park der Partnerstädte 2
D-44137 Dortmund

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