Rückblick RENDL-WITTMANN & BUSCHMANN

Der für die Präsentation ‘RENDL-WITTMANN & BUSCHMANN’ augenscheinlich ungeeignete Ort einer Bürozelle im ehemaligen Zollamt, ist von den Künstlern als ein Ort der Reflektion zu einer raumübergreifenden Installation geworden. Eine Reflektion IT-basierter Arbeit, von Anonymität und moderner Arbeitsweisen- und welten.

Die Arbeit ‘My Best Friend’s Sadness’ des Malers Adrian Buschmann scheint auf den ersten Blick einfach zu dechiffrieren: In dem scheinbar abstrakten Gemälde finden sich Farbvariationen wieder, die bereits im Raum vorkommen – das Grün der Schrankwand und der Fußbodenleisten, das Rot und Orange der Steckdosenleisten. Der zweite Blick offenbart dem Betrachter weitere Dimensionen wie etwa Leerstellen, welche sich minimal voneinander abgrenzen und die Umrisse eines Computers in Perspektive und Ansicht zeigen. Die hellroten Farbflächen kann man als Dekonstruktion eines iMac-Standbeins lesen. Ohnedies sind Dekonstruktionen von essentiellen Malereielementen wie Signatur, Präsentations- und Rahmungsarten wichtige Bestandteile in Buschmanns Werken. So findet sich in der dunkelroten Fläche im unteren, rechten Bildrand etwas, dass Buschmann häufig in seine Bilder einbringt: Die Variation seiner Signatur. Das A für Adrian und das B für Buschmann lassen sich erst in der Textur und nach genauer Betrachtung erkennen.

Rosa Rendl ist Fotografin und präsentiert ihre Fotografien als Installation. Für ‘RENDL-WITTMANN & BUSCHMANN’ zeigt sie in den zwei Variationen von ‘IDesert’ eine im Bett liegende Frau. Obwohl der Laptop den sie vor sich hat kaum zu sehen ist, kann man ihn auf Grund ihrer Haltung erahnen. Beschwert werden die aus Papier bestehenden Arbeiten von dünnen, bedruckten Metallplatten welche aus Aluminium, Kupfer und Messing gefertigt sind. Die Platten haben verschiedene Größen und tragen Abbildungen von unter anderem einem Desktop-Screenshot, einem Feuerzeug, Zigaretten oder einer Tastatur. Der Screenshot birgt einen spannenden Moment, da er die Darstellung des Laptopbildschirms der liegenden Frau sein könnte: ein Einblick in ihre persönliche Ordnung, der Programme die sie benutzt. Die Anspielung auf eine Privatsphäre, die keine mehr ist. Auf subtile Art wird die Installation fast zur politischen Arbeit. Eine weitere Ebene ergibt sich auch durch die verwendeten Materialien: Aluminium, das für die Gehäuse von Computern verwendet wird und Kupfer, das als Leitermaterial ohnehin in jeder elektrischen Applikation verbaut ist. Bei einer der Arbeiten ist es schlussendlich auch das Kupfer, auf dem das Tableau mit der Fotografie auflagert.

Mit ihren in situ Arbeiten und deren Präsentationsweise gelingt den Künstlern ein Dialog mit dem außerbetrieblichen Büroraum; sich wandelnden Arbeitswelten und die Absenz vermeintlich anonymer Büroangestellter in der bespielten Office-Zelle, sowie Elemente wie das Tragwerk und Farbnuancen einer Funktionsarchitektur werden in den Arbeiten aufgenommen und reflektiert.

 

‚RENDL-WITTMANN & BUSCHMANN‘

mit Adrian Buschmann
und Rosa Rendl

CORNELIS VAN ALMSICK SATELLITE
in cooperation with PARALLEL
1030 Vienna, Schnirchgasse 9
1st of October to 5th of October, 2014

Kurator: Cornelis van Almsick

 

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© Simon Veres, 2014

 

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© Simon Veres, 2014

 

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© Simon Veres, 2014

 

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© Simon Veres, 2014

 

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© Simon Veres, 2014

 

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© Simon Veres, 2014