THE MUSEUM OF TRANCE

Henrike Naumann / Bastian Hagedorn
THE MUSEUM OF TRANCE

Im Dezember 2015 öffnet das „Museum of Trance“ im Rahmen der vierten Ghetto Biennale in Port-au-Prince, Haiti seine Tore. Die Video- und Installationskünstlerin Henrike Naumann und der Musiker Bastian Hagedorn präsentieren die Geschichte und Praxis der deutschen Trance-Kultur. Damit das Museum im Dezember als Trance-Laboratorium für die lokale Bevölkerung und Kunstszene nutzbar wird, starten die Künstler*innen vom 11. Oktober bis zum 9. November 2015 eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Diese dient zur Finanzierung der technischen Ausstattung des Museums und der Bezahlung der haitianischen Mitarbeiter*innen. Bei einem exklusiven Warm-up Event am 23. Oktober 2015 werden alle Unterstützer*innen feierlich in die Community des „Museum of Trance“ aufgenommen und damit fortlaufend über die Entwicklung des Projektes informiert.

Seit 2009 heißt das haitianische Kunstkollektiv Atis Rezistans internationale Künstler*innen, Musiker*innen und Kuratoren*innen in Port-au-Prince bei der Ghetto Biennale willkommen. Alle zwei Jahre treten auf diese Weise Künstler*innen mit radikal verschiedenen Hintergründen in Dialog, Kollaborationen entstehen. Ausgangspunkt des Konzeptes des Museums ist die in zahlreichen europäischen ethnologischen Museen verbreitete Ausstellungspraxis, andere Kulturen zu exotisieren; sie als andersartig auszustellen. Eine koloniale Sichtweise auf scheinbar „Fremdes“ wird museal zementiert.

Das „Museum of Trance“ versucht damit zu brechen, indem es sich rituellen Praktiken, die auf das Erreichen von Trance-Zuständen abzielen, widmet. Während diese in der haitianischen Kultur mittels Vodou-Religion und dem Vodou-Drumming einen festen gesellschaftlichen Ort einnehmen, scheinen sie der deutschen Kultur eher fremd zu sein. Nicht so dem in den 1990ern entstandenen Techno-Genre Trance. Naumann und Hagedorn drehen den Spieß um: Sie präsentieren die deutsche Trance-Kultur als ein exotisches rituelles Element moderner, westeuropäischer Kultur. Scheinbar authentische und fremd anmutende selbstproduzierte und selbstkomponierte Artefakte werden mit Hilfe ethnologischer Ausstellungsmethoden zur Schau gestellt. Das Museum strebt danach, die Grenzen zwischen Ausgestelltem und Betrachtenden zu durchbrechen, um die eigenen Betrachtungsroutinen fundamental in Frage zu stellen. Im Club-Ambiente mit Lasern, Nebelmaschine und Original-Instrumenten wird das Museum während der Biennale mit haitianischen Künstler*innen und Musiker*innen weiterentwickelt. Elemente deutscher Subkultur liegen im offenen künstlerischen Austausch zur kulturellen Aneignung, Vermischung und Übernahme bereit. Die Künstler*innen laden damit zur Dekonstruktion des ethnologischen Museums ein.

Durch die politische, soziale und gesundheitliche Instabilität Haitis gilt eine finanzielle Unterstützung zumeist eher Projekten im humanitären als im kulturellen Bereich. Trotz einer pulsierenden Kunstszene herrscht ein akuter Mangel an finanzieller Unterstützung für kulturelle Projekte. Um einen Beteiligung haitianischer Künstler*innen und Musiker*innen am „Museum of Trance“ zu gewährleisten sind professionelle Honorare unabdingbar. Finanzielle Unterstützung der Crowdfunding-Kampagne wird in Trance-Manier belohnt: vom 3D-Poster, über einen Mp3-Trance-Track direkt aus Port-au-Prince bis hin zu einer führenden Position in dem virtuellen Beratungsausschuss des Museums und einer Einladung zu einem geheimen Event in Berlin. Die Geschichte des Trance hat ihr Ende noch nicht gefunden.

Text: Johanna Ekenhorst

THE MUSEUM OF TRANCE
Bastian Hagedorn / Henrike Naumann
23.10. Warm-up-Event in Berlin, Deutschland (Secret Location, Details werden im Rahmen der Kickstarter-Kampagne bekanntgegeben)
14.12.-20.12. Ausstellung und Events in Port-au-Prince, Haiti als Teil der 4. Ghetto Biennale
www.museumoftrance.com
mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Botschaft Port-au-Prince, Haiti

CROWDFUNDING-Kampagne ’THE MUSEUM OF TRANCE‘
auf Kickstarter zur Finanzierung der technischen Ausrüstung des Museum of Trance und die Honorare für die Mitarbeiter in Hait
Laufzeit 11.10.-09.11.2015

GHETTO BIENNALE
27.11.-20.12.2015
Port-au-Prince, Haiti
Program:
27.12. Beginn Ankunft der Künstler*innen
14.-20.12. Screenings und Performances
18.-21.12. Ausstellung
20.12. Kongress
Kurator*innen: Leah Gordon (UK) und André Eugène (Haiti)
Teilnehmende Künstler*innen: Liste
www.ghettobiennale.org

HENRIKE NAUMANN
Henrike Naumann, 1984 in Zwickau geboren, absolvierte 2012 ihr Diplom an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg. In ihren Arbeiten reflektiert die Video- und Installationskünstlerin Mechanismen der Radikalisierung, auf politischer und privater Ebene, sowie deren Zusammenhang mit Jugendkulturen und ihrer eigenen Erfahrung. Aktuelle Arbeiten erweitern ihren Fokus auf den Prozess des Othering und dessen Umkehrung. Naumann lebt und arbeitet in Berlin.

BASTIAN HAGEDORN
Der Komponist, Schlagzeuger, Produzent und Sozialarbeiter Bastian Hagedorn, 1984 in Flensburg geboren, entdeckte schon im Kindesalter seine Leidenschaft für das Schlagzeug. Stets auf der Suche nach neuen Sounds, kam er zum schnell zum Komponieren elektronischer Musik und kollaborierte mehrmals mit der Künstlerin Naumann. Immer wieder die Grenzen sprengend experimentiert er mit zahlreichen Genres, sodass sich die Ergebnisse keinem so richtig unterwerfen mögen.

 

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German raver in trance, 2000, Foto: Archive Museum of Trance

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The artists Bastian Hagedorn and Henrike Naumann, Foto: Tea Palmelund

 

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