Wieland Schönfelder – in What is known as the Realms of the Unreal

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Wieland Schönfelder „Das Dumme Ding“, 2014

Eine makellose, am Computer generierte Oberfläche führt in ein „Universum der technischen Bilder“. Dieser Cyperspace ist jedoch, entegegen der einfachen Dichotomie zwischen Wirklichkeit und durch einen Binärcode generierten virtuellen Raum kein unbelebter. Weder gänzlich Oberfläche noch unbevölkert eröffnet sich ein Ort der durchaus ein Eigenleben hat. In ihm begegnen uns rätselhafte Symbole und Zeichensysteme.
Die mehrteilige und medienübergreifende Installation Das Dumme Ding von Wieland Schönfelder bietet dabei mit in hellem grün und weiß gehaltenen einfachen Skulpturen, dreidimensionalen Schriftzeichen, unterschiedlichen Displayelementen sowie einem Videoscreen mehrere Lesarten an. Ein System aus Referenzen die scheinbar auf etwas verweisen, den Akt des Verweisens aber auch selbst thematisieren und zur Ausstellung bringen.
Ist es die grell grüne Farbe vor welcher der Protagonist im Video geschäftig malt, formt, innehält, vertieft weiter produziert, der Hinweis durch Schriftelemente auf „Chroma Key“ oder die Dopplung der Elemente im Film und ihre materielle Überführung in den realen Ausstellungsraum?
Als Praxis imaginiert das Greenscreen Verfahren eine noch zu entstehende Realität die sich aber im jetzt der Produktion durch ihre Abwesenheit konstituiert.

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Wieland Schönfelder „Das Dumme Ding“, Installationsansicht, 2014

Das die Videoarbeit umgebende Displayformat erinnert dabei mit konventionellen Elementen des White Cube sowie auch den unterschiedlichen Medien – Skulptur, Zeichnung, Video, Malerei bis zu dynamischen Installationen wie der sich drehenden Scheibe an die Darstellung einer historischen Entwicklung. Mit dem technischen Bild hat der Mensch die abstrakteste Stufe der Kulturgeschichte erreicht, die Nulldimensionalität des computergenerierten Bildes.
Die Geschichte der Kunst lässt sich auch so denken, als Abstraktionsleistungen die sich von einem konkreten Gegenstand- der Skulptur und dreidimensionaler Bedingtheit hin zum zweidimensionalen Bild bis zum Computerbild entwickelt. Dieses jedoch verweist als letztes- oder vorübergehendes Medium- nicht mehr auf eine außerbildliche Realität sondern ist referenzloser Pixel, selbst generiert und zur Form verdichtet. In der medienübergreifenden Installation von Wieland Schönfelder zeigt sich jedoch das „Universum der technischen Bilder“ (Flusser), nicht als die Oberfläche einer am Computer generierten Form sondern als real gewordener Raum. In diesem bevölkern symbolische Objekte, sich drehende Schriftzeichen und kryptische Zeichnungen den Ausstellungsraum.

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Wieland Schönfelder „Das Dumme Ding“, 2014

Skulpturen, aus einfachem Sperrholz gefertigt, erinnern durch ihren einfachen formalen Aufbau an tribale Symbole. Sie strukturieren, ordnen und durchziehen den Raum.
Dabei bieten diese Lesbarkeiten an, setzen sich schon räumlich und durch ihre Anordnung in eine Beziehung zueinander und lassen es dennoch offen ob ihnen eine übergeordnete Narration innewohnt. Der Status des symbolischen ist dabei durchaus ein ambivalenter, umfasst er einen- durch die Psychologie als kindlich definierten Gestus – die äußeren Dinge zu beseelen und ihnen eine, über ihre bloß sachliche Qualität hinausreichende Fähigkeit zuzuschreiben.
Von der geheimnisvollen Atmosphäre des Symbolischen – die noch dem ursprünglichen physiognomischen Erleben nahesteht – bis hin zur Festlegung einer rationalen Bedeutung zeichnet sich eine Entwicklung ab, so Leo Navratil, Psychiater, der seine Beschäftigung mit künstlerischen Ausdrucksformen von Patienten in seinem Buch „Schizophrenie und Dichtkunst“ festhält.
Dabei setzt rationale Bedeutung, so Navratil in seinen Beobachtungen, einen Bedeutungsträger und damit ein gut funktionierendes Gegenstandsbewusstsein voraus. Subjekt und Objekt müssen bereits klar getrennt sein und ihre bleibende Identität besitzen.

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Wieland Schönfelder „Das Dumme Ding“, Installationsansicht, 2014

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Wieland Schönfelder „Das Dumme Ding“, Installationsansicht, 2014

Der Arbeitstitel Das Dumme Ding lässt an stumpfe Form denken, reines Diesda- bloßes Ding- nichts ihm übergeordnetes was im Kontext zu einer Narration steht die sich durchaus im Displayformat einstellt. Eine besondere Stellung nimmt hierbei die Videoarbeit ein. Hinterlegt mit stetig lauter werdender Musik setzen sich vor dem hellgrünen Hintergrund langsam die Konturen eines abstrakten Objektes ab.
Wir sehen einen Mann der vertieft in die Lektüre eines Buches ist. In der nächsten Szene werden wir Zeugen eines mühsamen Übersetzungsprozesses. Malend vor der zweidimensionalen Leinwand unternimmt der anonyme Protagonist den Versuch, die sich vor ihm unaufhaltsam drehende Scheibe mit der sich darauf befindenden Objekten abzubilden. Dazu werden zeitgleich Schriftfragmente darüber geblendet, die das Verhältnis von Verlust, Mangel und der dumpfen Neigung schöpferisch zu werden, zum Gegenstand haben. Sein eigenes Abbild mit den Händen formend, drückt der Protagonist in der sich daran anschließenden Szene mit ganzer Kraft die Hände in den hellbraunen Ton.
Dabei zeigt die Narration über die verschiedenen medialen Ausdrucksformen im Video den Prozess, vom bloßen Ding, dem Zeichen und die sich daran anschließende Festlegung einer Bedeutung auf und ist zugleich ein polemisches Kommentar auf den geschäftigen Versuch zu Formen und auf die eigenen Gründe der künstlerischen Produktion.
Das computergenerierte Bild am Anfangt steht dabei eigentlich am Ende des Prozesses.
Der physische Raum der Ausstellung steht der entmaterialisierten Zirkulation von Bildern zeitlich vor, widersetzt sich den neuen Formen der Distribution insofern als das nicht am Anfang der Gedanke an die späteren Rezeptionsbedingungen steht. Die Arbeit von Wieland Schönfelder zeigt sich gegenüber eines neuen ästhetischen Paradigmas, welches mit Schlagwörtern wie „Post-Internet Art“ scheinbar absolut veränderten Produktions und Rezeptionsbedingungen umfasst, widerständig. Das künstlerische Subjekt arbeitet sich trotzdem noch an den Objekten der Welt ab.
Wieland Schönfelders Arbeit Das Dumme Ding ist dabei verdichteter Abstraktionsprozess an dessen Ende das „Unding“ steht, Ein physisch anwesendes Objekt, Materie und Gegenstand welches das anscheinend so feste Gefüge zwischen Subjekt- Objekt in Frage stellt und auf eine gegenseitige Bedingtheit verweist.

 

Das Dumme Ding (excerpts) from wxxxxxx on Vimeo.

Text: Maurin Dietrich