Alexandra Leykauf – cliché verre

KM freut sich sehr, die erste Einzelausstellung mit der Künstlerin Alexandra Leykauf zu zeigen. Ihre jüngsten fotografischen und installativen Werke setzen sich mit Perspektive, Wahrnehmung, Verwandlung und Illusion auseinander und schaffen eine Verbindung zwischen dem Blick nach innen und dem Blick nach außen. Die Dokumentation von Landschaft und die Auseinandersetzung mit diesem Genre in Kunst, Literatur und Wissenschaft bilden den Ausgangspunkt für Leykaufs Werke in der Ausstellung. Wie wird die Landschaft zum Ausdruck und Teil des menschlichen Seins, im besonderen des menschlichen Körpers? Es vollzieht sich eine Rückkehr zur Malerei mit fotografischen Mitteln.

Das bemalte Schaufenster der Galerie dient der Künstlerin als Grundlage für die mehrteilige Arbeit cliché verre – Mehringplatz, 2018. Die im 19. Jahrhundert entwickelte Technik des Fotogramms wurde im 20. Jahrhundert vor allem durch László Moholy-Nagy bekannt, der in den 1920er Jahren gemeinsam mit seiner Frau Lucia Moholy die theoretische wie experimentelle Grundlage für diese damals neue Kunstrichtung schuf. Die in der Galerie gehängten Fotogramme wurden direkt an der Scheibe durch die Beleuchtung des Mehringplatzes belichtet und bilden den Raum unmittelbar ab. In der Dunkelkammer wird die durch Substraktion entstandene, „negative“ Malerei in ihr Positiv verwandelt. Eine neue Landschaft entsteht, gleichzeitig sind der Körper der Künstlerin und ihre Gesten in dieses Bild eingeschrieben.

Die Abbildung eines Gemäldes in einem Buch dient der Künstlerin als Ausgangspunkt für ein neues künstlerisches Werk. Zum einen wechselt das Medium von Öl auf Leinwand zu Papierdruck, zum anderen vollzieht sich eine Maßstabsverschiebung, die im Werk von Alexandra Leykauf immer wieder eine tragende Rolle spielt. Die beiden Fotografien Zwei Pflanzen (Lucian Freud) – Dessauer Str. (2016) und Cumberland Farm (Ben Nicholson) – Dessauer Str. (2018) bilden diese Verschiebung ab. Mit ihrem Telefon vermisst sie ihre persönliche Umgebung und stellt sie in direkten Zusammenhang mit der Abbildung des Gemäldes. Die jeweilige Katalogseite wird so vergrößert, bis das Werk in seiner Originalgröße erscheint. Das Smartphone zeigt die Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und Abbildung und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, sich dazu in Beziehung zu setzen.

Der Blick des Entdeckers, einer der klassischen heteronormativ besetzten Blickwinkel, die man vor allem in der Landschaftsmalerei findet, wird mit dem Interieur, das klassischerweise der Frau und Mutter vorbehalten war, verbunden. Rollenmuster werden sichtbar gemacht und zeigen, wie der Betrachter mit seiner eigenen Biografie kulturell geprägte Bilder liest.

Alexandra Leykauf lebt und arbeitet in Berlin.  Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (1996–2002), an der Gerrit Rietveld Akademie (1998-2002) und an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten (2003–2004) in Amsterdam. Zuletzt erhielt sie 2017 ein Recherchestipendium des Artists Research Center in Southend-at-Sea (GB). In den vergangenen Jahren nahm sie an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, u.a. Focal Point Gallery, Southend-at-Sea (Solo, 2018), Les Rencontres de la photographie in Arles (2016), Villa Du Parc, Annemasse (2015), Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen (2015), Städt. Galerie Wolfsburg (2014), Stedelijk Museum Amsterdam (2014), Kunstverein Langenhagen (2013), III. Moscow Biennale, Moskau (2012). Ihre Werke sind u.a. in den Sammlungen des Centre Pompidou (F), Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (F), der Royal Dutch KPN Collection (NL) vertreten.