Can I be your Avatar? @ basis Projektraum

Fotografien von Yeonho Jang

Mit Arbeiten von

Aneta Kajzer
HyunJin Kim
Paul Schuseil
Marcel Friedrich Weber

„Can I be your Avatar?“ Wer spricht? Fragt ein ‚echter Mensch’ oder ein Bot? Was ist der Unterschied zwischen Robotern und Bots? Was sind Avatare? Können echte Menschen auch Avatare sein? Haben Avatare Agency, also Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit? Die Frage platziert Bots, Menschen und Avatare nebeneinander und eröffnet einen Post- Körper-Diskurs, der die Relevanz von Echtheit marginal werden lässt.

Angesichts der gesteigerten Leistungsfähigkeit von Maschinen und Bots kann man nicht mehr von einer selbstverständlichen Überlegenheit echter Menschen ausgehen. Massenmediale Verarbeitungen des Problems zielen auf eine Romantisierung menschlicher Emotionsfähigkeit, mit der die Überlegenheit über Roboter und Maschinen begründet wird. Darin lassen sich essentialistische und puristische Vorstellungen eines Menschen mit Seele erkennen, der durch seine ‘guten’ Emotionen als vollkommen begriffen wird. Aber sind Gefühle wirklich so etwas Magisches, wie es in Filmen dargestellt wird? Kann man Biochemie nicht auch in Bots einbauen? Was ist mit kulturell negativ konnotierten Gefühlen? Ist Emotionsfähigkeit eine notwendige Eigenschaft, um jemandem Agency zuzuschreiben und demjenigen auf Augenhöhe zu begegnen? Und subjektiv gefragt: Mögen wir Gefühle?

Während früher mit großer Faszination über Roboter nachgedacht wurde, geht es heute mehr um Bots und Avatare. Der Unterschied liegt darin, dass Bots keinen Körper haben. Bots sind digitale Nachahmungen von Agency, die von Menschen programmiert sind. Während Bots echte Menschen imitieren, tun Avatare das nicht. Avatare sind Masken, die sich Menschen digital aufsetzen können, und es ist erlaubt und möglich, Avatare zu tauschen und zu verändern. Es gibt das Phänomen, dass die Erstversion eines Avatars noch stark an das eigene Aussehen angelehnt ist, und sich darauffolgende Versionen vom realen Aussehen wegentwickeln können. Werden wir online langsam post-Körper? Wird die digitale Welt vielleicht immer unabhängiger von der IRL-Welt? Gesetze zum Datenschutz oder digitaler Sicherheit streben die Integration oder Unterordnung der digitalen Welt unter die IRL-Welt an. Aber entspricht das Modell überhaupt der Vorstellung vieler zeitgenössischer User*innen? Wenn Körper in der digitalen Welt plötzlich auf ganz andere Art handhabbar sind, inwiefern machen dann Gesetze Sinn, die vor Allem von Menschen als Körper ausgehen?

In den Malereien von Aneta Kajzer sind Wesen zu erkennen, die zwischen Menschen und etwas anderem oszillieren. Einzelne Körperteile eröffnen im Zoom einen anderen Blick auf Körper und das Selbst. Der grobe Farbauftrag deutet auf einen mehr oder weniger feinen Umgang damit hin. HyunJin Kims Arbeiten sind Drucke auf Acrylplatten, die an Stangen und Gestellen angebracht sind. Ihre Rauminstallation zeigt realistische und ambivalente Bilder. Dass es sich um Vitamin C, einen Kuchen und ein Chemotherapiemedikament handelt, erkennt man nicht. Eine leuchtende Schnur erinnert an die Einbindung von Technik in körperliche Wandlungsprozesse. Paul Schuseil arbeitet bildhauerisch und stellt Quasi-Prothesen her. Die DIY-Optik seiner ‘Korsette’ spricht dabei einen selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Körper an, der sich aber auch mit dessen Züchtigung beschäftigt. In diesen Formen sind Körper nur noch als etwas Fehlendes vorhanden. Die Objekte von Marcel Friedrich Weber sind Güsse aus Beton und Bauschaum, für die er Strumpfhosen, Unterhosen und andere intime Kleidungsstücke als Formen verwendet. Es entstehen Abdrücke von Körpern, deren Härte in starkem Kontrast zu der Assoziation von Weichheit steht, die in den Spuren ihrer Herstellung zu erkennen ist.

Eva Hess

basis projektraum 
Elbestraße 10
60329 Frankfurt/Main

 

 

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