Complex Bodies

Complex Bodies ist die erste Ausstellung der neuen programmatischen Reihe 120%-Optimierung vs. Entropie des *Kurator – Programms der Gebert Stiftung für Kultur.
Die Schau setzt sich mit den Berührungspunkten des Körpers mit der Aussenwelt, den körperlichen und psychischen Reaktion auf äussere Einflüsse auseinander.
Wie reagiert der Körper wenn er mit ungewohnten Kontexten konfrontiert wird? Was lösen Ansprüche, die man an sich selbst stellt, oder von aussen auferlegte kompetitive Herausforderungen aus? Wie beeinflussen diese den Körper? Was passiert auf psychologischer Ebene, wenn der Körper bestimmten äusseren Situationen ausgesetzt ist oder genügen muss? Die eingeladenen Künstlerinnen Alicia Frankovich (*1980 in Tauranga, Neuseeland) und Klara Lidén (*1979 in Stockholm) widmen sich in performativen, filmischen und skulpturalen Arbeiten der Wechselwirkung zwischen Willen und Erwartung, dem Aussen und dem Innen, Gesellschaft und Individuum sowie (Um-)Raum und Körper.
Complex Bodies ist die Umkehrung der Wörter „Body Complex“ – Körperkomplex. Damit werden im Titel die Doppeldeutigkeit des Begriffs „komplex“ betont: Komplex als das Psychologische, das im Unterbewusstsein liegend unser Handeln und Empfinden beeinflusst, sowie das Adjektiv, das etwas miteinander verwobenes Vielschichtiges beschreibt.
Complex Bodies nimmt die Vielschichtigkeit in den Blick, die jedem Subjekt zu Eigen ist, das Ringen mit sich selbst auf psychologischer Ebene, das in einer körperlichen Reaktion zum Ausdruck kommt.

In der 2014 für die Manifesta in St. Petersburg entstandenen Filmarbeit Warm Up: Heremitage State, zeigt sich die Künstlerin Klara Lidén, wie sie an den Aufwärmübungen des St. Petersburger Staatsballetts teilnimmt. Inmitten einer Reihe von nahezu marionettenhaften Ballerinas steht die Künstlerin selbst auf der Bühne und versucht der einstudierten Choreografie der Tänzerinnen zu folgen, was ihr sichtlich schwer fällt. Die Weite der Bühne und das harte Scheinwerferlicht exponieren das Dilettantische in Lidéns Bewegungsabläufen, wodurch die Künstlerin dem prüfenden Blick des Zuschauers umso mehr schutzlos ausgeliefert zu sein scheint.
Complex Bodies legt erstmals den Fokus auf das skulpturale Schaffen der Künstlerin Alicia Frankovich. Ihre Arbeiten handeln genau wie ihre performative künstlerische Praxis von dem Körper und seiner Bewegung im öffentlichen, von der Gesellschaft geformten Raum. Viele der zwischen 2007 und 2015 entstandenen Arbeiten sind kinetische Skulpturen in bewegtem oder in einem scheinbar erstarrten Zustand. Andere sind einem beinah unmerkbaren biologischen Zerfallsprozess ausgesetzt. Die Arbeiten baumeln, sie sind im Fallen begriffen oder bereits zerbeult. Sie leben durch die Vielfältigkeit der sie konstituierenden Materialien und sind oft
unterschiedlichen Geschwindigkeiten ausgesetzt, welche das Gefühl für die körperliche Präsenz der Arbeiten beeinflussen.
Während sich Klara Lidén in ihren Videoarbeiten neuen Kontexten stellt, sich wechselnden Szenerien aussetzt und sich mit diesen konfrontiert, analysiert Alicia Frankovich verschiedene Aspekte der Prägung sozialen Verhaltens und kulturell geprägter Gesten, adaptiert und kontrastiert dies in ihren Arbeiten.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Christina Lehnert.

 

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Installation view

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Alicia Frankovich, Soft Water, 2015, 110 x 119 x 133 cm, Holz, Plastik, polierte Muscheln

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Alicia Frankovich, Soft Water, 2015, 110 x 119 x 133 cm, Holz, Plastik, polierte Muscheln

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Alicia Frankovich The Blush, 2015 161 x 8 cm, Stahl, Glas, Folie

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Alicia Frankovich, The Female has Undergone Several Manifestations III, 2015 Vorhang, Stoffband, Ventilator, Kabel, Grösse variabel

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Alicia Frankovich, Revolution (Martini Fountain), 2010, Martini Rosso und Martini Bianco Flaschen, Wasser, Lebensmittelfarbe, Teichfolie, Stahlbecken, Pumpe 255 x 350 x 250 cm, Chartwell Collection, Auckland Art Gallery Toi o Tamaki, New Zealand

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Alicia Frankovich, Chair with Eggs, 2011, Gefundener Stuhl, Eierschalen, Eierschachtel 93.3 x 43.2 x 45 cm

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Klara Lidén, Warm Up: Hermitage State Theater, 2014, 4.20 min, HDV, Klara Lidén und Reena Spaulings Fine Art, NY

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Klara Lidén, Warm Up: Hermitage State Theater, 2014, 4.20 min, HDV, Klara Lidén und Reena Spaulings Fine Art, NY

Klara Lidén: Courtesy Klara Lidén; Galerie Neu, Berlin

Alicia Frankovich: Courtesy Alicia Frankovich; Starkwhite, Auckland

Fotos: Flavio Karrer

 

WEITERE VERANSTALTUNGEN

Performance: New Organisations von Alicia Frankovich, Freitag, 18. September, 19 Uhr

Talk: To Begin with the Beginnings. Eine Gesprächsrunde über Anfänge und das Anfangen mit der Künstlerin Jessica Pooch und der Judith Welter, Direktorin Kunsthaus Glarus, Donnerstag, 8. Oktober, 19 Uhr

Artist Talk: Ein Gespräch mit Alicia Frankovich über ihre Performances und Filmarbeiten, Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr

Kinder Kunst Labor
Mit Rilana Schmid Mittwoch, 30 September, und Samstag, 24. Oktober 14 – 16 Uhr, Anmeldung unter kunstvermittlung@alte-fabrik.ch

Alte Fabrik
Klaus-Gebert-Str. 5
8640 Rapperswil-Jona