Cynthia Talmadge „Leaves of Absence“ – Review by Amelie Meyer

Cynthia Talmadge’s Installation „Leaves of Absence” ist ein Traum in Pastell. Den Besucher erwarten farblich sorgfältig aufeinander abgestimmte Räume, wie man sie sonst nur aus Hollywood Filmen kennt. Für ihre Ausstellung bei 56 Henry hat die Künstlerin vier nahezu identische Zimmer entworfen. Auf den ersten Blick glaubt man sich in den dormitories amerikanischer Universitäten wiederzufinden.

Cynthia Talmadge – Leaves of Absence (Promises) (1)

Alle Räume sind mit einer Reihe von geläufigen Merchandise-Artikeln ausgestattet. Tasse, Sweater, Tasche und Fähnchen sind perfekt neben dem Bett platziert. Jedes der vier Zimmer scheint so einer anderen Institution gewidmet zu sein, doch die vermeidliche Harmonie und Vertrautheit wird bei genauerem Betrachten schnell von einem Gefühl der Beklemmung abgelöst. Es wirkt ein bisschen zu steril, zu harmonisch, fast zwanghaft konzipiert. Abgehängte Decken und PVC Böden erinnern eher an einen Krankenhaussaal als ein wohnliches Zuhause. Auf den Betten drapierte Bücher, tragen Titel wie “Hope, Faith & Courage”.

Cynthia Talmadge – Leaves of Absence (Sierra Tucson)

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Die vier Zimmerecken, welche Talmadge in ihrem Studio in Brooklyn entworfen hat, sollen die Schlafräume von Amerikas berühmtesten Rehab-Kliniken nachstellen: McLean, Hazeldon, Sierra Tucson, und Promises. Der erste Raum, McLean, repräsentiert die Klinik der Harvard Medical School, welche für ihre berühmten Absolventen bekannt ist. Autoren wie Sylvia Plath und David Foster Wallace haben hier einst Genesung gesucht.

Jeder der vier Räume repräsentiert in seinem Farbspektrum eine andere Jahreszeit. Wirft man einen Blick nach draußen, entdeckt man mal ein kitschiges Herbstpanorama, mal ein romantisches Schneetreiben. Ein Kalender schmückt die sonst kahlen Wände über den Betten. In ihrer Gesamtheit lassen einen die Räume so über die oft monatelange Odyssee der gesundheitlichen Genesung nachdenken.

Cynthia Talmadge – Leaves of Absence (Hazelden)

Cynthia Talmadge – Leaves of Absence (McLean Hospital) (1)

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Die Arbeit von Cynthia Talmadge überzeugt durch ihre Doppeldeutigkeit. Sie stiftet Verwirrung, denn nichts ist so wie es scheint, und somit verschwimmen auch für den Betrachter die Grenzen zwischen gesundem Verstand und Wahnsinn. Nach dem Besuch der Ausstellung, kann man folglich dann noch schnell die passende Tasse im Gift Shop erwerben.

Text: Amelie Meyer

 

All images: „Courtesy of 56 Henry“.
56Henry
Cynthia Talmadge
„Leaves of Absence“
(13 January – 19 February, 2017) 56 Henry St
New York 10002