Klasse Gursky #2 – Louisa Clement

Wie wichtig war für Dich als Künstlerin Deine Ausbildung an einer Kunstakademie?

Sehr wichtig. An der Akademie lernt man eine gewisse Freiheit im Denken. Man lernt über Kunst zu sprechen und Kritik über das eigene Werk auszuhalten, was enorm wichtig ist.

Was hat Deine Entscheidung, in der Gursky Klasse zu studieren beeinflusst??

Für mich war wichtig, dass die Klasse an kein Medium gebunden war, Gursky hat freie Kunst gelehrt nicht Fotografie. Das hatte den Vorteil, dass die Klasse sich auch aus allen Medien zusammengesetzt hat. Das wiederum erleichterte den Blick über den Tellerrand sehr, Maler sehen eine Arbeit sehr anders als Fotografen, Bildhauer dann auch nochmal ganz anders. Das war unglaublich bereichernd und hat sicherlich auch in meinem Fall zu einer medialen Vielfalt beigetragen.

Wie ist der Aufnahmeprozess in diese Klasse geregelt?

Wir haben immer im Diskurs zusammen entschieden wer in die Klasse kam, natürlich lag die Hauptentscheidung bei Gursky aber unsere Meinung war ihm immer sehr wichtig. Es wurde drauf geachtet, dass bereits eine Eigenständigkeit im Werk sichtbar war und das Werk mit dem hier und jetzt in einer Verbindung stand. Aber auch das soziale war ein wichtiger Faktor, es ging auch viel darum miteinander reden zu können und den inhaltlichen Diskurs zu fokussieren.

Kannst Du dir vorstellen als Künstlerin in der Lehre tätig zu werden? Wenn ja, was wäre Dir dabei – aufgrund deiner Erfahrungen an der Düsseldorfer Akademie – besonders wichtig?

Das könnte ich mir durchaus vorstellen – in ein paar Jahren. Wichtig wäre mir die Studenten in Ihrer Eigenständigkeit stark zu machen, vertrauen ins eigene Werk und Kritik zwar anzunehmen, auch umzusetzen aber sich selbst dabei treu zu bleiben, aus dem Werk heraus handeln eben. Auch eine wichtige Frage die Gursky gestellt hat war die Frage der Bildwürdigkeit, was ist relevant für die Welt in der wir leben, diese Fragen würde ich ebenfalls aufwerfen und zur Diskussion stellen.

Von 2007 bis 2010 hast Du in Karlsruhe bei Leni Hoffmann Malerei studiert bevor Du an die Düsseldorfer Kunstakademie kamst. Seitdem arbeitest Du fotografisch, im digital Video, mit Skulptur und Hybriden, welchen Stellenwert misst Du kunsthistorischen Gattungen heute bei?

Ich habe eigentlich einen sehr klassischen Begriff der kunsthistorischen Gattungen, habe aber viel Spaß daran eben diese zu hinterfragen und dadurch auch mal zu neuen Entscheidungen zu kommen. Ich denke um ein Werk zu schaffen muss man sich immer der Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft, soweit dies einem möglich ist, bewusst sein. Ohne das einbeziehen eben dieser drei Zeitfaktoren läuft man oft Gefahr eben Gattungen und auch Medien nicht zu verstehen oder falsch einzusetzen. Von daher sind mir die kunsthistorischen Gattungen enorm wichtig.

Welche Rolle spielt in Deinen Arbeiten der Bezug zwischen Idee und Material?

Die inhaltliche Idee ist immer zu erst da. Die Umsetzung erfolgt dann aus dieser. Es sind immer Ideen, beziehungsweise Überlegungen die mich nicht mehr los lassen immer weiter beschäftigen, wenn sich diese Überlegungen im Kopf immer mehr setzten, wird Medium und Material entschieden, meist ergibt sich das. Erst formt sich vor dem inneren Auge eine Form und ein Medium, die dann durch Überlegungen, sich bestätigt oder nicht.

In deiner aktuellen Ausstellung Zwischenstände bei Konrad Fischer zeigst Du konvexe farbige Spiegelarbeiten aus der Werkserie Mirrors. Kann man sagen, dass in diesen Arbeiten auch eine Reflexion des fotografischen Bildprozesses stattfindet, in der das Roland Barthsche Es-ist-so-gewesen zu einem Es-ist-so in der ständigen Gegenwart wird?

Ja und nein, die Spiegel verzeihen ja bewusst das was um sie herum ist. Natürlich wird das es-ist-so in den arbeiten hinterfragt auf eine ähnliche Weise wie im Foto, die Verzerrung findet bei dem Foto nicht wirklich anders statt. Die Spiegel halten nichts fest, der Punkt des Stillstands ist nie gegeben.

Die Farbgebung dieser Spiegel entspricht verschieden Sonnenbrillenmodellen, auch in deinen Werkserien Mork, Heads, und Avatar arbeitest Du mit Material aus dem Bereich der Mode. Wie siehst Du den Bezug zwischen deiner Arbeit und Mode?

Der Bezug zur Mode ist natürlich da, ich nutze, Schaufensterpuppen und auch Kleidung für meine Arbeiten. Für mich ist der Dialog mit der Mode, genauso wichtig wie der mit Architektur, Design, zeitaktuellen Geschehnissen auf der Welt und in der Philosophie. Mode ist da oft visuell schnell im Vordergrund. Die Mode greift sehr schnell einen Zeitgeist auf, meist sehr schnell, arbeitet aber auch mit strengen Parametern die gehalten und gebrochen werden, diese Bewegungen finde ich spannend. Als Künstler kann ich langsamer arbeiten, bin nicht an Saison oder Deadlines gebunden. Ich kann die schnelleren Prozesse mit einer langen Zeitspanne beobachten und für mich rausfinden welche Bewegungen für mich eine lange Gültigkeit haben und mich eben auf diese beziehen.

Du arbeitest hauptsächlich in Serie. Inwiefern geht diese Positionierung der Serie gegen das Einzelwerk aus deinem Arbeitsprozess hervor?

Da die Fragen die ich in meiner Arbeit stelle oft soziale Strukturen befragen oder das Verhältnis von Menschen zueinander oder im Raum, macht es Sinn in Serie zu Arbeiten, im Grunde in einer Form Fallstudie, da jeder Moment nicht zu wiederholen ist und jedes Aufeinandertreffen einzigartig ist, ergibt sich die Frage erst durch die Serie und durch die verschiedenen Bilder. Ich schließe Serien ab sobald für mich die Frage ausreichend formuliert ist. Für mich ist ein wichtiger Punkt im seriellen Arbeiten das abschließen dieser Serien um in neuen dann auch neue Gedanken einfließen zu lassen.

Ich kann mir durchaus auch vorstellen im Einzelwerk zu arbeiten, allerdings macht das grade für mich vom Konzept nicht so viel Sinn, die Serie bietet mir die Möglichkeit meine Fragen in verschiedenen Wegen durchzuspielen.

Was sind aktuelle und kommende Projekte an denen Du arbeitest?

Momentan arbeite ich an verschiedenen neuen Serien und Werken und an unterschiedlichen Ausstellungsprojekten unter anderem im Kunsthaus Riehen oder bei WNTRP in Berlin, beides im Mai.

Vielen Dank für Deine Zeit.

Interview Leon Jankowiak

   

Pictures by Neven Allgeier
Creative direction preggnant agency

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