Klasse Gursky #4 – Jens Kothe

Wie wichtig ist für Dich als Künstler Deine künstlerische Ausbildung an einer Kunstakademie?

Die Akademie sehe ich als Schutzraum und Ort des Austausches und des sich Vernetzens und des sich Ausprobierens, mit der Möglichkeit in allen Bereichen der künstlerischen Entwicklung Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem ist die Sozialisation ein wichtiger Aspekt, den die Institution möglich macht. Das Phänomen Kunst ist ja zu einem großen Teil auch ein soziales.

Was hat Deine Entscheidung in der Gursky Klasse weiter zu studieren beeinflusst?

Ich fand es bereichernd, in einer freien Klasse zu arbeiten und zu erleben, womit sich die anderen Klassenmitglieder auseinandersetzen. Dazu kam die gute Struktur in der Klasse, das Klassenequipment, das traditionelle Schweizer Raclette zur Weihnachtsfeier und die überschaubare Größe der Klasse, sowie die Möglichkeit jederzeit auch Einzelgespräche führen zu können.

Ich weiß leider nicht mehr wer es gesagt hat aber es ging in die Richtung: was hier betrieben wird sei moderne Bildforschung. Dieses Feld verbindet irgendwie alle Positionen…

Wie ist der Aufnahmeprozess in dieser Klasse geregelt? 

Basisdemokratisch – die ganze Klasse entscheidet im Plenum, wer aufgenommen wird.

Kannst Du Dir vorstellen als Künstler in der Lehre tätig zu werden? Wenn ja, was wäre Dir dabei – aufgrund deiner Erfahrungen an der Düsseldorfer Akademie – besonders wichtig?

Ich habe ja selbst erst meine Akademielaufzeit beendet – das Ungebunden sein von einer Institution finde ich gerade ganz reizend!

Grundsätzlich fände ich es aber bestimmt irgendwann schön, meine Erfahrungen teilen zu können… Kunst tatsächlich zu lehren, halte ich auch nicht für möglich!

In deinen Arbeiten verwendest Du eine Vielzahl von Materialien, Welche Rolle spielt in Deinen Arbeiten der Bezug zwischen Idee und Material?

Die Vielzahl an Materialien ist bei mir eigentlich recht übersichtlich. Die Materialien haben alle etwas ganz persönliches mit mir zu tun. Idee und Material bedingen sich.

Wie würdest Du deine Wandobjekte Bezeichnen, Relief, Skulptur, Bilder oder Objekte? 

Die Frage beinhaltet ja in gewisser Weise schon die Antwort: Ich bezeichne sie als Wandobjekte. Allerdings ist eine flache, dreidimensionale Arbeit an der Wand streng genommen natürlich erstmal ein Relief. Weil sich meine Arbeiten sehr stark an die haptische Wahrnehmung richtet, wäre die Einordnung als haptisches Bild noch denkbar…

Am spannendsten finde ich allerdings die Bezeichnung als Objekt ohne Titel, um die Lesart möglichst offen zu halten aber trotzdem einen bestimmten konfrontativen Moment in der Arbeit selbst zu schaffen, der ohne Worte auskommt. Ich will aber nicht ausschließen, dass sich das in Zukunft auch mal ändern könnte.

Daran anschließend, welche Rolle spielen für dich solche Gattungszuweisungen überhaupt? 

Indem ich eher daran interessiert bin Räume oder Raumsituationen zu setzen, ist mir, wie gesagt, die Offenheit wichtiger als die Gattung.

Entwickelt hat sich meine Arbeit aus tatsächlich benutzbaren Objekten, die eben aus dem Grund der Benutzbarkeit als solches eingeordnet wurden und auch dem unbewussten Umgang mit ihnen offenstanden.

Was sind aktuelle und kommende Projekte an denen Du arbeitest?

Gerade arbeite ich an Ausstellungskonzepten. Ich habe in meiner Werkstatt eine mobile Wand, die eigentlich aus rein praktischen Gründen genauso geworden ist, wie sie nun ist… die Wand hat aber jetzt nach fast zwei Jahren eine so starke Wirkung auf mich, dass ich gerade dabei bin, ein Ausstellungsformat auf dieser Grundlage zu entwickeln, in dem die mobile Wand thematisiert wird. Weiteres ist noch nicht spruchreif – aber könnte spannend werden!

Interview Leon Jankowiak

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