Parallel Borders 1 – Monuments & Shrines to Capitalism

Review
Parallel Borders 1 – Monuments & Shrines to Capitalism
Forum Stadtpark Graz

Wo mögen wir in aller Welt nur sein?
Der weltberühmten Luftstadt hoher Gründer!
In welcher Stadt denn wohntet ihr am liebsten?
Die Wolken und den Himmel!
Kein übler Aufenthalt!
Man braucht hier, um zu leben, keinen Beutel!
Nun schau hinauf!
Was sahst du nun?
Hup hup hup op op op, hup hup hup hup hup,
Juhu, Juhu! Heran, heran, heran!
Nichts ist schöner, nichts bequemer, glaubt mir, als geflügelt sein!
Hör, Freund, du mußt jetzt in die Luft hinauf!:[1]

Tobias Spichtig: Ein Bühnenbild – ein Abend in Zürich, die Oyster Politics Session, der auf das Private fokussiert war, fungiert nun als Hintergrund für den Dialog.
Angelo Plessas: Ein Ortsschild – eine Skulptur mit dem Verweis auf die URL AnotherSideOfTime.com eröffnet im Stadtpark einen virtuellen Raum der in Athen seinen Ursprung hat.
Silvia Giambrone: Eine Henkersschlinge – ein Strick, der als temporäre Intervention L’Appuntamento im öffentlichen Raum Roms installiert war, findet sich hier gestrandet am Boden wieder.
Franziska von Stenglin: Ein Stück Himmel  –  ein Dialog zwischen dem Himmel über Frankfurt und einer historischen Aufnahme der Stadt, wiederholt sich mit und in Graz.
Jürgen Ots: Eine Schere – eine Erweiterung der in Brüssel entstandenen Arbeit Periaqueductal Gray, einem Teppich, der über Wochen die Geschichten und den Schmutz seiner Umgebung aufgesaugt hat.
Mark Mangion: Eine Reise – ein Film über den Raum zwischen Athen und Reykjavik, auf dem Meer, im Zug und in der Luft.
Tom Dale: Eine Reise – das Filmmaterial von Athen nach London, projiziert in die Umgebung des Olympischen Parks in London, wie eine Art von Scanner, der Objekte sowie Geschichte abtastet.
Ingibjörg Magnadóttir: Eine Geschichte – eine Erzählung aufgeladen mit intensiven zwischenmenschlichen Momenten; vorgetragen als unzusammenhängende Ausschnitte in Leerräumen.
Sabine Bitter & Helmut Weber: Eine Stadt – ein Prozess, der die Verhältnisse der Bewohner, die der Rhetorik der Krise und der gescheiterten politischer und sozialer Konzepte von urbanen Utopien widersprechen, sichtbar macht.

Parallel Borders 1 stellt KünstlerInnen in Dialog, die sich im Laufe der letzten drei Jahre in Athen, Zürich, Frankfurt, Rom, Paris, Brüssel, London und Reykjavik trafen, beginnend als ein-Tag-eine-Stadt Projekt, wo jeweils eine/r von ihnen lebt und für deren/dessen Gäste ein „Stück“ inszenierte.

Das Forum Stadtpark in Graz fungiert nun als Bühne für dieses Projekt. In einer geographisch zeitlichen Überblendung verweisen die gezeigten Arbeiten auf die gemeinsame Zeit der KünstlerInnen. Die räumliche Aufstellung ähnelt einem Theaterstück – einer Bühne, wo sich Zeit und Raum überdecken, sich einander öffnen und verschließen, und dabei auch verschiedene zeitliche Ebenen gleichzeitig möglich zu sein scheinen. Trotz dieses Spiels bewahren die zu sehenden Objekte ihre Eigenständigkeit und Wesenhaftigkeit und agieren dabei wie Schauspieler, welche die Konstruktionsweisen und das Wechselverhältnis von Zeit und Raum hinterfragen.

Wenn Räume wie eine Theaterbühne sich selbst überdecken, sich öffnen und schließen, zusätzlich verschiedene Zeiten parallel ermöglichen, bilden sie einen Ort wo Performanz als ein mitunter skriptgeleitetes Herstellen von Dargestellten präsent wird. Auf der Bühne, in diesem unsichtbaren Theaterstück, wird das Versatzstück der Kollaboration erkennbar und das Wahrgenommene erscheint als vom Erkannten getrennt. Was sichtbar bleibt ist das Abbild der gemeinsamen Zeit, die Produkte aus immateriellen Gesprächen, die sich als Formen von menschlicher Interaktion äußern. So bleibt die Referenz zum Dialog als Erinnerung an die gemeinsame Zeit im Vordergrund wobei jede Beobachtung des Kunstwerks zu dessen Kollaps führen müsste, wenn man dieses Szenario mit Husserls Begriff der Abschattung betrachten möchte. Genau in diesem Kollaps realisiert sich das Kunstwerk selbst.

Die zweite Episode von Parallel BordersLandfall, beginnt 2015. Es handelt sich dabei um eine Reihe von parallel angelegten virtuellen Plattformen (mit visuellen sowie schriftlichen Beiträgen), ortspezifischen Projekten und Kooperationen von Künstlern, Architekten, Schriftstellern, Filmemachern, etc. aus dem und im Nahen Osten. Sie alle reflektieren über die Komplexität von Grenzen und Territorialität, verweisen auf die Vielzahl von reichen und vielfältigen historischen Kontexten. Die Ideen von physischen und metaphorischen Erzählungen über kollektive und diskursive Meditation der jeweiligen Tradition werden hinterfragt und versuchen neue Beziehungen zur Archivierung von historischen, visuellen und philosophischen Verbindungen zu Zeit, Ort und Kultur aufzubauen.

Text: Katharina Schendl

Parallel Borders 1 – Monuments & Shrines to Capitalism

29.09.2014 – 18.10.2014
Kuratiert von Mark Mangion
Eine Koproduktion von Forum Stadtpark Graz und steierischer herbst

[1] Auszüge aus Die Vögel von Aristophanes.

 

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Alle Fotos: Franziska von Stenglin