Sophie Thun – Zwischen Galerie und Dunkelkammer

Mit festem Blick begegnet uns die Künstlerin Sophie Thun auf einem Foto an der gläsernen Eingangstür der Wiener Galerie Sophie Tappeiner. Sie hat sich für dieses Selbstporträt wie eine Art Torwächterin inszeniert, die vor Betreten des Raumes dazu auffordert, angelernte Sehgewohnheiten zu hinterfragen.
Das lebensgroße Bild täuscht trotz des opaken Trägerpapiers zunächst Transparenz vor. Thun positionierte sich für die Aufnahme an jener Stelle, an der das Foto nun angebracht ist und scheint damit den Blick in einen Raum zu öffnen, der sich erst bei genauerer Betrachtung als Illusion entpuppt. Die Galerie ist damit nicht nur Schauplatz der Fotografien, sondern auch ihrer Entstehung. Diese Doppelrolle reizt Thun noch weiter aus, indem sie sich vor Ort aufnimmt und dann mit diesem Abzug in Händen erneut dort ablichtet, wo das Endprodukt in riesigen Bahnen aus Fotopapier von der Decke hängt.
Einzig ihr Körper in Form eines Fotogramms gebietet dem verwirrenden Vexierspiel Einhalt, denn diese Leerstelle unterbricht die fotorealistische Täuschung. Dabei stellt sich Thun im Belichtungsprozess direkt vor das lichtempfindliche Papier. Die so entstandene vage Silhouette erinnert erneut an die physische Präsenz der Künstlerin, sodass unmissverständlich klar wird, dass sie dagewesen ist, aber nicht nur vor Ort, in dem von ihr kreierten Illusionsraum der Galerie, sondern auch in der Dunkelkammer.

Wie kamst Du von der Malerei zur Arbeit in der Dunkelkammer?
Sophie Thun: Während meiner Studienzeit war ich viel im Fotolabor, weil mich das Medium an sich interessiert. Früher habe ich gemalt und ich bin daher gewöhnt, dass man die Arbeit selbst produziert. Viele Leute gehen mit Fotografie um, wie man es aus der Kodak-Werbung kennt: „You press the button, we do the rest!“. Beim Malen hingegen oder bei der Arbeit in der Dunkelkammer oder mit der Technik des Fotogramms entsteht das Bild während du es machst. Die Praxis beeinflusst sozusagen das Ergebnis.

Dich faszinieren offensichtlich die Grenzen zwischen Bildraum und realem Raum…
Ja, da man dann das Schauen hinterfragen muss. Mich interessiert alles, wo das Handeln nicht automatisch verläuft. Wie hat man damals geschaut, wie schaut man heute.
Meine Eltern sind katholisch, ich bin in Warschau aufgewachsen, einer Stadt, die im Krieg stark zerstört wurde. Ich habe aber auch Familie in Bayern, wo wir einmal im Jahr hinfuhren. In Bayern ist der Barock weit verbreitet und mein erster Kontakt zu Kunst fand in der Kirche statt. Dort sieht man, dass die Bilder für einen bestimmten Ort gemacht wurden. Sie haben ein bestimmtes Format und es ist ganz klar, wo sie hängen werden. Die Perspektive im Bild ist nur von einem Ort aus richtig zu sehen, dann sind sie aber erstaunlich realistisch. Die Verbindung von Architektur und Kunst fasziniert mich, im sakralen Raum, wie bei den Asam Brüdern, aber auch beispielsweise in den Fresken Peruzzis in der Villa Farnesina in Rom.

Magdalena Vukovic

www.sophietappeiner.com