Galerie Barbara Weiss

Galerie Barbara Weiss

Pressetext

No Games Inside the Labyrinth

2. September – 31. Oktober 2014 Eröffnung Samstag, 30. August, 18–20 Uhr Öffnungszeiten Di-Sa, 11–18 Uhr

No Games Inside the Labyrinth bringt Werke von fünf KünstlerInnen zusammen, die bisher kaum in Berlin gezeigt wurden. Antoine Catala, Melanie Gilligan, Karin Schneider mit Abraham Adams, Josh Tonsfeldt und Matt Keegan leben und arbeiten alle in New York. In der von John Miller organisierten Ausstellung wird die Galerie als ein topologischer Schauplatz behandelt, in dem sich die Möglichkeit eines Spiels entfalten kann; anstatt von den Künstlern bestimmte Arbeiten anzufragen, lud Miller diese dazu ein, auf die Vorschläge der anderen Teilnehmer zu reagieren.

Antoine Catalas kinetische Skulptur eines über den Boden krabbelnden Emoticons führt buchstäblich eine topologische Erkundung durch, angetrieben von einer dreidimensionalen Version des Wackelaugen-Symbols. Dieses rotiert auf einer elektrisch angetriebenen Achse, stößt sich vom Boden ab und treibt die ganze Konstruktion vorwärts. Welchen Weg die Skulptur dabei einschlagen wird ist nicht vorhersehbar, ähnelt aber dem eines automatischen Staubsaugers – mit der Besonderheit, dass eine Zimmerecke für das Emoticon ein unüberwindliches Hindernis darstellen könnte. Aber das Werk verspricht eine andere Funktion zu erfüllen; Catala beschreibt seine Emoticons als „Sprache, die der Sprache beraubt wurde, ein Sprachskelett, dazu da, eine Emotion zu transportieren.“ Bringt ein Piktogramm Bedeutung besser zum Ausdruck? Was passiert, wenn Symbole über einen eigenen Raum verfügen, scheinbar mit eigenen Absichten? Catalas zweites Werk ist ein aufblasbares Logo aus einer Serie von Logos für „jeden Moment des Lebens“, wie „ein Eis kaufen“ oder „eine Dusche nehmen“.

In Melanie Gilligans dreiteiliger Videoarbeit Self-Capital tauchen ökonomische Faktoren als körperliche Symptome im Leben einer Frau mittleren Alters auf. Im Laufe der Erzählung wird klar, dass – in einer David Lynch-artigen Multiplikation der Person – eine Schauspielerin alle Rollen innehat: Analytikerin und Patientin, Kundin und Verkäuferin, etc. Gilligan weist darauf hin, dass die politische Ökonomie innerhalb und außerhalb des Körpers operiert. „Als Patientin in einer Therapie repräsentiert die Protagonistin sowohl das kapitalistische System als ganzes als auch eine Person, die von einer ökonomischen Krise betroffen ist. Das Werk folgt der Global Economy bzw. dem kapitalistischen sozialen Körper durch eine Reihe von ‚unorthodoxen körperbezogenen Techniken’ und zeigt, wie sich die Krise durch Verlust des Arbeitsplatzes und staatliche Sparmaßnahmen auf einer materiellen und körperlichen Ebene auswirkt, aber auch, wie heutige psychologische und politische Subjekte auf beunruhigende Weise auf ihre körperliche Materialität reduziert und entsprechend behandelt werden.“

Matt Keegans Father & Son setzt das Thema der Verdopplung fort, aber in ödipaler Konstellation. Die verwendeten Bilder entstammen einem Leitfaden für Kostümierung, in dem der Sohn den Vater nachzuahmen scheint. Beide tragen ausgewaschene Jeans und korallenfarbige T-Shirts. Der falsche Schnurbart des Sohnes eifert dem des Vaters nach – genau wie seine temporäre Tätowierung. Ein Text, der auf Deutsch und Englisch auftaucht, komplettiert die beiden: „Vater und Sohn. Wer ist alt und wer ist jung? Zwei stramme Kerle. Mutters Wahl wird nun eine schwierige sein.“ Wahrhaft schwierig! Die Fotografie in Keegans zweiter Arbeit, Baby, stammt aus einer Sammlung von Bildern, die seine Mutter für den Unterricht von Englisch als Zweitsprache verwendete. Keegan interessiert sich für den in diesen Karten eingebetteten ideologischen Überschuss; gleichermaßen didaktisch wie Stockfotografien, fehlt ihnen deren professionelle „Stromlinienförmigkeit“.

Josh Tonsfeldt wird eine ortsspezifische Arbeit entwickeln, die einerseits auf die Galerie als geografischen Ort mit einer spezifischen Geschichte und andererseits auf die Installationen der anderen KünstlerInnen eingeht. Seine Arbeit wird vor Ort zusammengetragene Materialien beinhalten, die er in seine anderen Fotografien und Skulpturen einfließen lässt. Die Bilder und Materialien werden eine Kette von Assoziationen auslösen, die ihrerseits dabei helfen werden, zwischen einem improvisierten Prozess und Möglichkeiten des Displays zu entscheiden. Tonsfeldts Fotografien lassen die Differenz zwischen dem physischen Fotomaterial und der sich darauf befindenden Abbildung erfahrbar werden. Seine Interventionen sind typischerweise subtil poetisch und weisen doch auf die ideologische Funktion der Galerie als institutioneller Rahmen hin.

Karin Schneider und Abraham Adams Beitrag ist als Hommage an Michael Asher, den kürzlich verstorbenen Konzeptkünstler aus Los Angeles, konzipiert. Unter den verschiedenen Teilen des Werks, das Schneiders Dialog mit Asher reflektiert, finden sich ein Druck von Andy Warhol, Malmaterialien Barnett Newmans, eine Dokumentation des Abbaus eines Pavillons von Dan Graham in der Galerie von Marion Goodman in New York, sowie Teile eines Werks von John Knight. Schneider und Abrahams merken an, dass Graham und Knight Ashers Kollegen waren und dass deren Praxis, genau wie seine, den Fokus vom „Werk“ zu der es umgebenden sozialen Architektur und Rahmungen verschob, d.h. zu Distributionssystemen hin. So gesehen ist das Format der Hommage phantasmatisch. Dementsprechend, so schreiben die Künstler, „wird die Affirmation der Negation eine der ‚Materialien’, und diese Spektralanalyse wird aus verstreuten Elementen angeordnet, gezeigt im Interieur der Galerie. Dabei werden historische Beziehungen und die vielfältigen Weisen, in denen diese operieren und unsere Denkprozesse kontrollieren, verortet… Bestimmte Werke, Derivate und Dokumentationen dieser künstlerischen Produktionen werden gezeigt werden und verknüpfen die in ihnen verkörperten Netzwerke sozialer Geometrie mit geometrischer Praxis.“ Die Konversation Homage to Michael Asher schafft auch einen Rahmen für eine von John Miller aufgenommene Fotografie. Diese Fotografie ist nur per Email zugänglich. Das gesamte Werk kann mit genauen Angaben zur Installation verkauft werden, mit Ausnahme des Warhols, dieser ist nicht verkäuflich. Nach der Präsentation kann der Warhol durch ein beliebiges Werk von Warhol ersetzt werden, jedoch unter der Bedingung, dass dieses immer mit dem Gesicht auf dem Boden liegend ausgestellt wird.

– John Miller

 

GBW No Games Inside the Labyrinth I

Courtesy the artists and Galerie Barbara Weiss, Berlin

 

GBW No Games Inside the Labyrinth III

Courtesy the artists and Galerie Barbara Weiss, Berlin

 

GBW No Games Inside the Labyrinth II

Courtesy the artists and Galerie Barbara Weiss, Berlin