ALEXANDER RUTHNER – Amygdala Ikebana

Alexander Ruthner
Gabriele Senn Galerie
25.01. – 02.03.2019

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25.01. – 02.03.2019

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25.01. – 02.03.2019

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25.01. – 02.03.2019

Die Amygdala (altgriechisch ἀµυγδάλη, deutsch ‚Mandelkern‘) sitzt im Kerngebiet des Gehirns und ist maßgeblich an der Konditionierung von Angst oder Furcht beteiligt. Sie verknüpft Ereignisse mit Emotionen, was sie für das akkurate und oft überlebenswichtige Bewerten von Alltagssituationen unabdingbar macht. Die Amygdala verarbeitet externe Impulse nicht nur, sondern speichert auch Gefahrensituationen ab und ruft einmal erlebte somatische Reaktionen wie Panik, Apathie und Ohnmacht unter ähnlichen Gegebenheiten wieder auf – diese Situationen werden als Trigger bezeichnet.
Alexander Ruthners Arbeiten können als eine Art unbestimmte Trigger verstanden werden. Sie sind Fragmente eines vom Künstler zusammengetragenen Bildschatzes, die vermeintlich „schon-einmal-Erlebtes“ aus digitalen Räumen wie Film, Computer-Gaming und Social Media aufrufen. Dennoch reproduzieren die Arbeiten keine klar zu umreißenden Zeichen aus dem kollektiven Gedächtnis, die durch bloße Identifikation erschlossen werden könnten. Naturlandschaften und figurativ, realistisch anmutende Arbeiten stehen sich als zwei Werkgruppen in Amygdala Ikebana gegenüber. Wilde Gräser verdichten sich reflexmäßig zu einer poetischen Konzeption. Wiesen-Tableaus sind eine Konstante in Ruthners Praxis, die als Sujet immer wieder recycled und vertieft werden. Sie könnten in einem paranoiden Urzustand des Menschen angesiedelt sein, ähnlich der Phase zwischen Schlafen und Wachen, aus der man jedes Mal aufs Neue an die Oberfläche zurückfinden muss. Ein achtlos dahingeworfenes Angebot an die BetrachterIn: Lache, Weine, sei irritiert, habe Angst. Der dekorativ malerische Gestus maskiert die psychologische Komplexität, die Ruthners Figuren und Abstraktionen zugrunde liegt. In Vor dem Brunch spielen die manieriert gekünstelten Figuren mit Verhaltensmustern. Gender-Attribute und Autorität werden anhand der steifen Zusammenkunft verhandelt, wobei die psychedelische Farbwahl und die maskenhaften Gesichtszüge das Gewohnte dissoziieren und in eine Welt des Unbewussten verschieben. Die scheinbar realistische Situation befragt unsere Fähigkeit zum
‚wahrheitsgetreuen‘ Reproduzieren von Bildern. Die Ausstellung ergänzt die Serie der Wiesen-Tableaus mit dem ursprünglich aus Asien stammenden Format des Paravents. Die natürliche Umgebung eines Paravents sind der Mythos und das Geheimnis. So bietet auch Byobu 1/ Flex die Möglichkeit, sich unerwünschten Blicken zu entziehen und markiert als (Scham-)Grenze einen abgeschirmten, privaten Bereich, der in der westlichen Geschichte klassischerweise dem Weiblichen zugedacht ist. Landschaften, die einen Eskapismus weg von urbanisierten Räumen hinein in eine völlige Verwilderung anbieten, bilden eine Brücke zur digitalen Wirklichkeit, in der sich ein großer Teil unseres Lebens abspielt. Die Ausstellung wirft die Frage auf, wohin sich Räume für Selbstbestimmung verschieben: Von der Natur in den Innenraum, von der Gemeinschaft zum Individuum, vom Körper auf das Display?

Nicole Damblon

www.galeriesenn.at