Ani Schulze – Artothek – Raum für junge Kunst, Köln

Von Limbo tanzenden Versprechen 

Die von Ani Schulze für die Artothek – Raum für junge Kunst  entworfene Installation „7 Follies“ integriert sich spielerisch in die Ebenen der 1950er-Jahre Architektur und entfaltet einen weitläufigen, ineinandergreifenden Parcours. Auf der umlaufenden Empore liegt ein großes, ausgestopftes Objekt, das in seiner Farbigkeit und Form an ein Organ erinnert. Die Tentakel des Objekts kriechen langsam zwischen dem Geländer der Empore hervor und hängen bis zum Boden des Hauptraums. Dort winden sie sich entlang eines demontierten Hundezwingers, dessen Seitenteile flach auf jeweils vier Korbflaschen balancieren. Auf und unter den Gittern finden sich Skulpturen von Schulze, die sie in dieser Form 2017 in ihr Werk einführte. Hierbei handelt es sich um animalische Wesen die auf ihrem Rücken liegend einen Einblick in ihr leeres Innere geben. Die erste Gruppe, die von den Tentakeln umrankt wird, ist eine Gruppe von zwei Keramiken, die eine Parabel der in Mexiko (Querétaro) geplanten Datenzentren der Santander-Bank darstellen. Schulze erwähnt hierzu, dass sie der Umstand angesprochen hat, dass diese speichernden Architekturen sich als autark und jeglichem Desaster standhaltend proklamieren und deshalb zum größten Teil unterirdisch gebaut werden. So werden diese von ihren Architekten auch oft als „apocalypse proof“ bezeichnet.

Der Teil, der an der Oberfläche zu sehen ist, stellt nur einen Zuspruch an das Image der Bank und ihre Kunden dar. Der sich in Querétaro im Bau befindende Gebäudekomplex erinnert dabei an einen Schutzwall, der einen wichtigen Kern beschützt. Diese Form spiegelt sich auch in den zwei Keramiken wieder. Wie eine Wand, aus der sich Arme in die Luft recken, umgibt diese Struktur einen kleinen Nukleus, der sich in der Mitte der Skulptur auftut und etwas Verletzliches an sich hat. Auch die am anderen Ende der Installation auftauchenden, Röhren-ähnlichen Keramiken, die hier humorvoll die Türme eines Datenzenters in Solares (Spanien) aufgreifen, spielen mit Fragilität und Vergänglichkeit. Schulzes Türme sind in einem Spiel vertieft, das jederzeit dazu führen kann, dass eine der Skulpturen umfällt oder zerbricht. 
Die Interaktion aus metallischer Gitterarchitektur des Hundezwingers, der Keramiken sowie der textilen Arbeiten führt zu einer Verwebung dieser sehr unterschiedlichen Materialien, die im direkten Vergleich zu ihrem Umgang mit den Datenzentren steht. Das handwerkliche, natürliche und organische Objekt trifft auf das produzierte, kühle und artifizielle Produkt, jedoch schaffen sie gemeinsam eine anregende Atmosphäre, die sich in eine abstrakte Erzählstruktur ergiesst. Vielleicht eine Geschichte von absurden Geschöpfen, die allesamt auf ihrem Rücken liegen und ihr Ende erwarten, sich diesem aber nicht sträuben, sondern es natürlich empfangen. Die Skizzenhaftigkeit der Objekte unterstreicht diesen Eindruck und in ihrem Material ihre Fragilität. Die von der Künstlerin aufgeführten Referenzen – in Verbindung mit dieser inhärenten Verletzlichkeit – reflektieren auf materieller und poetischer Ebene die Brüchigkeit, die der von ihr beobachteten Technologie innewohnt. Die Assimilation unserer Daten und ihr Horden in Katastrophen sicheren Einrichtungen fordert die Natur heraus, sich dieser anzupassen auf die ein oder andere Weise. 
Ani Schulzes Ausstellung „7 Follies“ erfüllt ihr Versprechen, die Betrachter an ein absurdes Szenario heranzuführen, dem wir möglicherweise nicht mehr entkommen können. Mit viel Humor, der sich aus den Handlungen ihrer Skulpturen ergibt, wie beispielsweise die Limbo tanzenden Keramik-Versionen eines data centers, sind erfrischend, wie der kleine Brunnen der mit seinem Plätschern den Raum erfüllt
Patrick C. Haas