Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe #1 – Anna Schmidt

Anna Schmidt studiert derzeit Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe mit einem Schwerpunkt in Malerei bei Prof. Franz Ackermann, zuvor bei Prof. Gustav Kluge und Prof. Marcel van Eeden. Ihre Werke wurden bereits mehrfach in Ausstellungen in Karlsruhe gezeigt. Derzeit bereitet sie, die im Frühjahr 2019 stattfindende, Ausstellung TEENAGE FEVER in Toulouse vor. 

Was hat dich zum Kunstschaffen gebracht?

Also wenn ich bei meiner Kindheit anfange, dann war mein Vater Ivan Ivanowitsch der Initiator der Kunst. Geboren bin ich in Sibirien, Russland. Im Jahr 1993 ist unsere Familie nach Deutschland ausgewandert. Mein Vater hat zu Hause große Bilder geschnitzt, meistens abends. Oft habe ich ihm dabei zugesehen. Somit war Kunst ein selbstverständlicher Begleiter unserer Familie.

Zu meinem eigenen Weg zur Kunst, hat mich meine große Liebe gebracht.

Worin liegt deine persönliche Faszination?

Mich fasziniert die Unzufriedenheit des Menschen und welche Großartigkeit daraus hervorgehen kann. Ich empfinde die Zufriedenheit als einen sehr schönen, kurzen Gefühlszustand. Die Unzufriedenheit löst Bewegung aus und die kommende Zufriedenheit belohnt das Handeln… ich sehe das Ganze als einen Kreislauf, vielleicht als einen Teufelskreislauf.

Ist es das was dich morgens aufstehen lässt?

Ja, die Unzufriedenheit oder der warme Geruch eines geliebten Menschen. Letzteres ist angenehmer!

Wovor fürchtest du dich?

Ich habe Angst vor Krokodilen in meinen Träumen und der Haustürklingel.

Wer Peter Pan gelesen hat, kann das mit Sicherheit verstehen, zumindest das mit den Krokodilen. ☺Deine Gemälde zeigen oft Teenagergruppen, was hat es damit auf sich?

Ich male nur Jungs oder Männergruppen. Die Entscheidung ist bewusst gewählt. Ich finde Jungs, vor allem Gruppen in Interaktion faszinierend. Die Erlebnisse, das Verhalten und das Auftreten der Gruppe empfinde ich als ein Schauspiel und bin dabei gerne die Beobachterin. Das kindhafte Verhalten: die Übergänge zwischen intimer Nähe und kämpferischem Raufen, oder auch der Übergänge zu Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe, sind oft fließend, gleich einem Spiel. Ich sehe darin eine Ästhetik, die ich malerisch umsetzte.

In den Bildern sind Situationen abgebildet, in denen Jungs in einer Szene dargestellt werden. Oft ist nicht schlüssig, ob es eine liebevolle oder bedrohliche Situation ist. Durch Gegenstände, wie Bekleidung oder das Inventar eines Nachtclubs oder Wohnzimmers wird die Szenerie aufgeladen und beginnt eine Geschichte zu erzählen.

Somit spinnen deine Werke spannungsgeladene Narrative, die der Betrachter zu entschlüsseln ersucht.

Ja, die Malereien sind als Geschichten zu verstehen. Manchmal ist es ein Einblick in eine Szene die gerade passiert oder noch passieren wird. Das ist dem Betrachter überlassen, wie genau die Szene wahrgenommen und interpretiert wird. Gegensätze spielen dabei eine große Rolle: wie beispielsweise hart und weich. Dadurch könnte die Szene auch immer eine bedrohliche Situation sein.  Auch die Farbauswahl schwingt zum Beispiel zwischen zartem Rosa und strengen Rot.

Woran arbeitest du derzeit?

Ich arbeite an einer neuen Geschichte, diesmal ist das Meer jedoch der Regisseur.

Ich danke dir für deine Zeit Anna. 

Interview Luisa Schlotterbeck
Pictures Neven Allgeier