Another Artist. Another exhibition. Another gallery

Another Artist. Another exhibition. Another gallery… die 49. Art Cologne

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Barbara Kruger, Sprueth Magers, © Leonie Pfennig

Art Cologne Woche in Köln hat immer etwas von Klassentreffen und da Köln so überschaubar ist und alle Wege über die Hohenzollernbrücke zu den Messehallen und in die andere Richtung am Ende des Tages meist in die Bar Salon Schmitz führen – dazwischen liegen praktischer Weise das Museum Ludwig und der Kölnische Kunstverein – trifft man alle paar Meter auf bekannte Gesichter und abends wird bei ein zwei drei Kölsch das Gesehene verarbeitet, in diesem Jahr noch dazu sonnenverwöhnt auf Bürgersteigen und draußen vor Kneipen. Die äußeren Bedingungen stimmten also.

Anders als in großen Messemetropolen wie London oder New York und dem mit Galerien gepflasterten Berlin ist es in Köln in den 3-5 Tagen tatsächlich möglich, nicht nur die Messehallen, sondern auch die gleichzeitig eröffnenden Ausstellungen in den Galerien und Institutionen drumherum zu sehen, ohne an völliger Überforderung, Reizüberflutung oder FOMO zu leiden.

Die Art Cologne
Zur 49. Ausgabe der Messe hat man die gute Entscheidung getroffen, die bisherigen zwei Hallen auf drei Etagen zu verteilen und so zu entzerren. Während in der unteren Ebene vor allem klassische Moderne und Nachkriegskunst zu sehen waren, gehörte die mittlere Ebene der zeitgenössischen Kunst. Am vielversprechendsten stellte sich aber die dritte Etage dar, auf der junge Galerien, die NEW CONTEMPORARIES mit den sogenannten COLLABORATIONS (gemeinsamen Ständen von je zwei Galerien) viel neues, unbekanntes und sogar erschwingliches vorstellten. Auch die kuratierte Präsentation der Kunsthochschule für Medien mit Arbeiten von Studenten und jüngsten Absolventen hatte hier einen festen Platz.

Stand: Kraupa-Tuskany, Zeidler, Halle 11.3

Kraupa-Tuskany, Zeidler, Halle 11.3, © Art Cologne

PSM aus Berlin überspitzt das Prinzip des durchgestalteten Messestands und zeigt ausschließlich weiße Arbeiten, aber die Präsentation ist nicht nur schön sondern auch stimmig: es geht um das Motiv der Verschleierung. Die rumänische Künstlerin Anca Munteanu Rimnic greift die Struktur und das Muster von traditionellen bunten Webteppichen aus ihrer Heimat auf, entzieht ihnen in ihrer Bodenarbeit aber nicht nur jede Farbe, sondern auch die Stofflichkeit, in dem sie die einzelnen Muster des Teppichs aus weißglasierten, spiegelnden Keramikstücken wie ein Puzzle zusammensteckt und damit seine (und auch ihre) bekannte Herkunft gleichzeitig verschleiert und reflektiert. Auch die Muster in den abstrakten Gemälden von Daniel Jackson sind von jeder Farbigkeit bereinigt, ihre grafischen, flächigen Formen gehen auf Camouflage-Muster für Kriegsschiffe aus dem 2. Weltkrieg, sogenannte razzle-dazzles zurück und sind im weißen Messestand bestens getarnt.

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PSM, © Leonie Pfennig

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PSM, © Leonie Pfennig

Stand: PSM, Halle 11.3

PSM, © Art Cologne

Mehr Keramik gibt es bei der COLLABORATION der New Yorker Galerien The Hole und V1, wo Rose Eken das Inventar eines Werkzeugkoffers und dazugehörende Maschinen nebst Farbrollen und Pinsel fein säuberlich arrangiert, dazwischen eine angebrochene Tüte HARIBO – alles nachgebildet aus glasiertem Ton. Als hätte sie die Überbleibsel des Aufbautags, die normalerweise spätestens, wenn der erste Previewbesucher die Messe betritt unsichtbar werden, festhalten wollen, bis zum letzten verbogenen Nagel.

Stand: The Hole, Halle 11.3

The Hole, Halle 11.3, © Art Cologne

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Rose Eken, © Leonie Pfennig

Bei CHERT aus Berlin sieht man Robinson Crusoe 2.0 als Bildergeschichte in einer Diaprojektion von David Horvitz. Nachdem der Künstler den Sonnenuntergang auf einer Insel, dem westlichsten Punkt vor Hong Kong fotografiert hatte, fand er sich schlagartig völlig allein in kompletter Dunkelheit wieder, einziges Instrument zur Rettung: Seine Kamera, mit der er sich, das Meer im Rücken wie beim perfekten Touri-Selfie so lange selbst fotografierte und anblitze, bis ein Schiff auf ihn aufmerksam wurde und ihn in den sicheren Hafen zurückbrachte.

Bei WENTRUP eine Etage tiefer geht es in der Installation von PELES EMPIRE um das Kopieren von kopierter Geschichte: Die beiden Künstlerinnen Barbara Wolff und Katharina Stöver haben eine Innenansicht aus dem Peles Schloss in Siebenbürgen auf die Wand tapeziert, das in typischer 19. Jahrhundert-Manier möglichst viele architektonische Stile imitiert und vereint. Einzelne Ausschnitte aus dem Foto werden wiederum gerahmt auf der Wand verdoppelt, das flächige Bild, das auf einem dreidimensionalen Raum beruht, wird so wieder zum räumlichen Objekt. PELES EMPIRE ist Teil des messeeigenen Förderprogramms NEW POSITIONS, das früher Förderkoje hieß und bedeutet, dass ausgewählte junge Künstler in einer Einzelpräsentation auf einer vorgegebenen Fläche neben dem Stand einer Galerie gezeigt werden. Diese 25 qm hat PELES EMPIRE bestmöglich ausgenutzt.

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PELES EMPIRE, © Galerie Wentrup

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PELES EMPIRE, © Galerie Wentrup

 

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PELES EMPIRE, © Galerie Wentrup

Unter den NEW POSITIONS vergibt die Jury (u.a. Oriane Durand, Yilmaz Dziewior und Moritz Wesseler) einen Kunstpreis, der mit einer Einzelausstellung in der Kölner artothek verbunden ist. In diesem Jahr geht er an die Düsseldorfer Künstlerin Sabrina Fritsch, die in ihren großformatigen abstrakten Gemälden mit Oberflächen und Texturen und der Darstellbarkeit von Materialität in der Fläche arbeitet.

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Sabrina Fritsch, © Leonie Pfennig

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Sabrina Fritsch, © Leonie Pfennig

Materialität und Texturen sind auch bei Anna Virnich bei DREI Thema, hier kommen allerdings Tüll statt Leinwand und gefundene Stoffe statt Farbe zum Einsatz. Die auf den ersten Blick schönen, wertvollen Stoffe tragen Spuren und Geschichten in sich, die sich in Flecken, Nähten oder Fehlstellen im Material äußern wie Narben auf der Haut, Rückstände von Erlebnissen.

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Anna Virnich, © Galerie Drei

Stand: DREI, Halle 11.3

DREI, Halle 11.3, © Art Cologne

Stand: DREI, Halle 11.3

DREI, Halle 11.3, © Art Cologne

Auffällig viele Papierarbeiten finden sich an den über 200 Ständen, ganze Grafikstände, viele Collagen, Drucke und Zeichnungen. Ein Trend oder ein Angebot an bodenständige Sammler, die nicht über fünf- oder sechsstellige Ankaufsbudgets verfügen? Auf jeden Fall war für jeden etwas dabei, die Stimmung froh, Kölle Alaaf.

Text: Leonie Pfennig

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