Avery Singer

Avery Singer in der Kunsthalle Zürich (22. November 2014 bis 25. Januar 2015)

Die schwarz-grau-weißen Leinwände, mit Stahlrohren an Decke und Boden befestigt, fungieren als Raumteiler, verdecken sich dabei gegenseitig. Am Ende des Ausstellungsraumes angekommen, wirft man einen Blick zurück, ordnen sich die Rückseiten der Leinwände zu einer Art dreidimensionalem Tableau. Die zehn für die Ausstellung in der Kunsthalle Zürich entstandenen Gemälde Avery Singers, ihre Ausstellung „Pictures Punish Words“, von hinten zu betrachten macht das Gemachtsein der Gemälde deutlich: ein Gemachtsein, mit dem die Vorderseite der Arbeiten spielt. Direkt im Anschluss an die Ausstellung von Jana Euler wird in Zürich mit Avery Singer eine weitere malerische Position gezeigt, die über die Bedingungen, Möglichkeiten und Prozesse der Herstellung von Malerei nachdenkt.

Auch wenn Singer in ihren Motiven sowohl formal als auch thematisch auf die Kunstgeschichte verweist, werden die kunsthistorischen Erzählungen in „Pictures Punish Words“ nicht bloß aufgerufen, um dann demontiert zu werden. Worauf Singer verweist – modernistische Formensprache, eine Performance von Vito Acconci, auf die Vignette und das Ornament, auf die Kunstpraktiken der 1960er Jahre, auf die Bedingungen Ihrer eigenen Kunstproduktion und auf Johanna Spyris „Heidi“ – ist bereits sedimentiert und verfügbar: tatsächlich – als im Internet auffindbares Bild oder Information – und damit auch in einem von Singer imaginierten Bilderbewusstsein.

Die Kunsthalle Zürich im 2012 eröffneten, aber immer noch etwas fabrikneu wirkenden Löwenbräu-Areal, ist ein architektonisch vorteilhafter Wahrnehmungsraum für Singers Arbeiten: die im Raum eingespannten Gemälde werden Objekte.
Singers Arbeiten verweisen nicht auf Kunst um sich epiphytisch an bereits bestehende Deutung und Diskurse aufzusetzen: Die Verweise werden nicht referiert, sondern sind selbstverständlich Teil der Arbeitswelt und Umwelt der Gemälde. Eine Umwelt, die Singer im Simulationsprogramm Sketch Up in ein dreidimensionales Modell übersetzt, das dann auf die Leinwand projiziert und mit Airbrush in mehreren Schichten und Arbeitsschritten auf der Leinwand fixiert wird.

Man muss sich die Oberflächen der Gemälde als eine Art Bildschirm denken – als eine Anzeige einer malerischen Praxis, als eine Art Medium im physikalischen Sinne. Die Stärke von Singers Arbeiten: dass sie in sich selbst auf Ihre Bildschirmhaftigkeit – auf den Prozess, die Performance ihrer Herstellung – verweisen, ohne sich dabei in einer hermetischen Selbstreflexion über den eigenen Entstehungszusammenhang zu verlieren.

Text: Ann-Kathrin Eickhoff

 

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Installationsansicht Avery Singer «Pictures Punish Words» Kunsthalle Zürich, 2014 © Annik Wetter

 

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Installationsansicht Avery Singer «Pictures Punish Words» Kunsthalle Zürich, 2014 © Annik Wetter

 

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Installationsansicht Avery Singer «Pictures Punish Words» Kunsthalle Zürich, 2014 © Annik Wetter

 

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Installationsansicht Avery Singer «Pictures Punish Words» Kunsthalle Zürich, 2014 © Annik Wetter

 

http://www.kunsthallezurich.ch