Benedikt Bock – Das endlose Grinsen

„Robert Zweifel – Am Kanal“

(…) In der überfordernd wohligen Verfassung der Sattheit, schafften es viele Zeitgenossen noch regelmäßig auf die Toilette zu gehen, wenn sie gut waren, und wenn sie richtig gut waren, würden sie es in diesem dämmrigen, alle Umstände des Lebens vereinnahmenden Habitus auch noch irgendwie hinkriegen sich fortzupflanzen. Im fettigen Dämmermodus der Organe und der Bedürfnisse blieb eigentlich nur der Sexualtrieb als einziger Um- und Antrieb übrig, in Klammern als genetischer Zwang der Fortpflanzung und als Akt psychosomatischer Balance. Die Gewinner hatten Sex, aber für diejenigen, deren Dämmerorgane zu schwerfällig geworden waren, um einen Sexualpartner für sich zu gewinnen, weil erstens die Balz sehr anstrengend und nicht unbedingt immer von Erfolg gekrönt war, und zweitens die regelmäßige Kopulation unter dem Titel Liebe noch viel unmöglicher erschien, genau für diese satt geborene Gruppe von Traurigkeit gab es Drogen.

Er stand immer noch an dem Stadtflüsschen. Genau diese Denkschlaufen waren es, die ihn von der betonzufriedenen Ente unterschieden, Augen, Hirn – Kanal.

Benedikt Bock, 2019