Camillo Grewe – Loss of Memory at 8am

Pictures by Arisa P. und Daindiefront

Letztens, abends, ich war zuhause und unruhig, habe ich eine Freundin am Telefon gefragt, ob sie mit mir irgendwo tanzen gehen würde. Sie meinte, sie hätte Lust aber wäre schlapp und befürchte, dass ihr das Tanzen die letzte Kraft nehmen würde, auf dem Heimweg den Knopf in der Straßenbahn zu drücken um auszusteigen. Deswegen kam sie dann nicht mit und ich bin auch zu Hause geblieben.
Wenn man eine Geschichte erzählt, dann fängt man meistens damit an, grob die Situation zu umreißen, zB. den Ort und die ungefähre Tageszeit zu benennen; und man würde wahrscheinlich alle wichtigen Personen benennen, also die Protagonisten der Geschichte vorstellen. Dadurch ist für den/die Zuhörer/in erstmal der Grundriss klar, auf dem die Geschichte aufbauen kann. 

Anschließend würde man erklären, aus welchem Grund man dort um die Uhrzeit mit den Personen war, um eine weitere Grundlage für das weitere Verständnis der Geschichte auf dem Weg zur Pointe zu legen. Den Part würde man vielleicht sprachlich schon etwas mehr ausbauen. Auf Grundlage dieser Vorbereitung ist es jetzt für Erzähler/in und Zuhörer/in leicht, sich dem Ende der Geschichte zu nähern. Der dritte, letzte Part, entspringt direkt aus den vorangegangenen Erzählungen und kann sprachlich sehr detailliert ausfallen, mit vielen Nebensätzen, Verzweigungen, spontanen Einfällen, tausend gedachten Kommata, vielleicht auch Informationen, die für die Geschichte gar nicht wichtig sind. Die Sprache könnte sich im Vergleich zu den ersten beiden Parts blumiger und aufregender entwickeln; was aber dafür sorgen könnte, dass Satzbau und Wortfindung darunter leiden. Der letzte Part funktioniert in den meisten Fällen nur in Zusammenhang mit Part 1+2 und das Ende der Geschichte klärt auf, warum man zuvor den einführenden Anfang geschildert hat.

Wenn man etwas erlebt, über das man später eine Geschichte erzählt, erlebt man es  nicht in dieser Chronologie. Im unmittelbaren Erleben funktionieren die Parts ganz anders und ich glaube, da gibt es viel mehr Parts und alle Parts vermischen sich. Erst in der Rückschau ordnet man das Erlebnis ganz selbstverständlich in Einheiten und bringt es in eine Form. Das hat damit zu tun, dass man selber erst nachträglich einen Überblick über den erlebten Moment bekommt und Informationen zusammen zieht oder Unwichtiges weg lässt. Dieses Filtern kann allerdings dazu führen, dass der/die Zuhörer/in sich über die Nähe zur Wahrheit nicht mehr sichern sein kann. Wichtig ist, dass man seinem/r Zuhörer/in die Relevanz der Geschichte versichert und ihm/ihr eine vage Vorstellung davon gibt, warum man die Story erzählen wollte.

Camillo Grewe

Was ist Statue? In sechs aufeinanderfolgenden Ausstellungen lädt Da in die Front sieben Künstler*innen ein, das Erscheinungsbild der Statue zu erweitern.

Das Thema dieser Ausstellungsreihe entspringt meiner eigenen Arbeit. Der Titel bezieht sich jedoch auf einen Text von Christian Klemm über die Büsten von Alberto Giacometti. Die Büste, als Fragment der Statue verstanden, war das Thema der vorangegangenen Gruppenausstellung, „Da instinktiv die Frontalansicht dominiert,…“. In dieser Ausstellung waren 2017 Arbeiten von Nina Nowak, Philipp Röcker, Thomas Schütte und mir selbst zu sehen.
In der Ausstellungsreihe Da in die Front führe ich diese Auseinandersetzung fort und lade sieben Künstler*innen zur Teilnahme ein. Das Wort Statue – als Klammer meiner Arbeit – ermöglicht mir einen Raum zu (er)öffnen mit welchem ich den genannten Begriff erweitern möchte. Daher verfolgt diese Einladung kein illustratives Interesse sondern sucht vielmehr nach möglichen Verbindungen in unterschiedlichen Medien und in verschiedenen künstlerischen Ansätzen.

Matthias Grotevent

Da in die Front/ Künstlerliste
Peter Ewig, Camillo Grewe, Christine Moldrickx, Angela Fette, Christoph Westermeier/ Jurgen Ots, Rene Spitzer