Felix Oehmann – ELEPHANTS IN THE BEDROOM

Die Götter Griechenlands sind Erscheinungen des Seins und nicht der Macht. So aber, wie die Mythen von den Göttern künden, ist klar ersichtlich, dass sie spielerisch ein Sein bekunden, das aus der Sicht der Griechen selbst ein Spiel ist. Und umgekehrt: Wenn das Sein selbst als ein Spiel gesehen wird, dann müssen wohl auch die Götter Spieler sein.

Es wird die Geschichte erzählt, dass einst Zeus mit dem von seiner Amme Adrasteia gefertigtem Weltball jonglierte, der sphaira. „Überall atmet in solchen Mythen die Ahnung, dass die Welt nicht aus Zwang, nicht als kosmisch notwendiger Entfaltungsprozess aus dem Göttlichen hervorgegangen ist“, kommentiert Hugo Rahner in seinem Buch „Der spielende Mensch“ diese Geschichte, „sondern aus einer weisen Freiheit, aus dem heiteren Nichtmüssen des göttlichen genius aus der Hand eines Kindes.“
Oehmann: „kurzgesagt ist die Skulptur spontan entstanden: „Schere Stein Papier“ war der Arbeitstitel. Also habe ich eine Schere in Handform aus Pappmaschee gemacht, sie sieht jedoch eher aus wie ein Victory Zeichen, was im Spiel natürlich eine Rolle spielt. Wer gewinnt, wer verliert.

Die Ausgangslage des Spiels ist für alle gleich. Das Spiel ist verbreitet in allen Kulturen der Welt. Im Spiel der Kunst gibt es jedoch keine Gewinner oder Verlier auszumachen. Dadurch, dass ich die Skulptur falsch herum an die Wand gestellt habe verkehrt sich Victory ins Gegenteil. Also eher zum Loser. Die durchaus liebevolle Geste der Skulptur eine Schnellfckerhose zu verpassen, ist eine Geste des Schutzes, der Akzeptanz ihres eigenen Schicksals. Eine Art Schulterklopfer, sprich ALLES WIRD GUT. Du bist gut so wie du bist. Jeff Koons „It’s all about acceptance“ ist in seiner wahnsinnigen Polemik, trotz allem und gerade deshalb ein großartiger und grundsätzlicher Satz eines Künstlers mit Weltwirkung. Jeff Koons halte ich für den Künstler der in der Rückschau einmal die Spitze des Kapitalismus symbolisieren wird. Der Höhepunkt eines Systems- sowie dies Michelangelo für die Epoche der Renaissance repräsentiert.

Letzten Endes nimmt die Skulptur Gefühle wie Angst und Schwäche mit offenen Armen entgegen und zeigt sie in humorvoller Weise im Zwielicht der „Sauna“ zwischen Privatem und Öffentlichen. Inneren und Äußerem.

Planet Liebe

Diese Skulptur kam zu mir als ich das Spiel, was ich zu dieser Ausstellung angefangen habe, verinnerlicht habe und keine Angst mehr hatte, vor dem was reinfiegt und sich mit dazu gesellt. Als klarer Scherenschnitt fndet die Skulptur ihren autonomen Stand in ihrer Zwei-seitigkeit. Die Skulptur steht also durch ihre Doppelung zum Robbenpaar. Der zusammengeknüllte Papierballen, ist wie die feierliche Erklärung, dass die Ideen (der Welt) hinter sich gelassen werden und dass das Prinzip der Liebe regiert. Das Robbenpaar teilt das Geheimnis seiner Liebe. Man kann das Rezept nicht nachlesen, aber man kann es sehen und für sich selbst erfnden: Planet Liebe.

Felix Oehmann 90 Grad 2018 cardboard, epoxy resin pigment 102 x 150 x 80 cm

Felix Oehmann 90 Grad 2018 cardboard, epoxy resin pigment 102 x 150 x 80 cm

Felix Oehmann Frühlingsgefühle 2018 textiles 160 x 90 x 10 cm

Felix Oehmann ok let’s go 2018_felt­tip­ pen on aluminum 85 x 60 x 10 cm

Felix Oehmann Planet Liebe 2018 cardboard, epoxy resin, pigment, paper_ 32 x 70 x 110 cm

Felix Oehmann Play Time 2018 papier mâché, textiles_70 x 45 x 10 cm

FELIX OEHMANN installationview 2018

FELIX OEHMANN installationview 2018

FELIX OEHMANN installationview 2018

Courtesy: The artist and Philipp Haverkampf Galerie
Photos: artefact1.net

Philipp Haverkampf Galerie
Mommsenstraße 67
10629 Berlin

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