Review
Ferdinand Dölberg

Bitte widersetzen!


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Bitte Widersetzen!, 2021, Kreide auf Tafel, 100 x 400 cm
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Apparat: zum Nachdenken keine Zeit, 2022, Mixed Media auf Leinwand, 160 x 240 cm
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work even less, 2022, Kreide auf Tafel, 85 x 120 cm
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Das machen wir schon immer so, 2022, Kreide auf Tafel, 200 x 100 cm
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Morgen kommen wir nicht wieder, 2022, Kreide auf Tafel, 200 x 100 cm
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Option 1, 2022, Kugelschreiber und Kreide auf Papier, 21 x 29 cm
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Option 5, 2022, Kugelschreiber und Kreide auf Papier, 21 x 29 cm

Das Säubern von Tafeln wird in der Schule üblicherweise mit einem pädagogischen Ansatz verknüpft: Tafeldienst! Im wöchentlichen Rhythmus rotierend, erlernen die Schüler:innen Verantwortungsbewusstsein sowohl sich selbst wie auch der Klasse gegenüber. Sie passen sich unmerklich einem gemeinschaftlich betriebenen System an, das sich für den Unterricht gewinnbringend äußert. Ist ein Klassenclown an der Reihe, kommt es auch mal zu einer besonders enthusiastischen Showeinlage, die sich wohl nur im Rücken der Lehrkraft austragen lässt. Bei einem solchen Systemausbruch deutet sich das gehemmte Bedürfnis nach individuellem Ausdruck an, für den es bei der geregelten Erziehung kaum einen Platz gibt.

Für seine erste Einzelausstellung in der Galerie Anton Janizewski macht sich Ferdinand Dölberg ausrangierte Kreidetafeln zu Gebrauch, die Wahrzeichen aus den Klassenzimmern von damals. Es ist gar nicht so lange her, da hat der 1998 geborene Künstler selbst noch die Schulbank gedrückt. Diesen Seitenhieb muss er des Öfteren an der Universität der Künste ertragen, wo er seit 2018 bei Thomas Zipp studiert. Nun nutzt er vorgefundene Wandtafeln als bedeutungsvolle Bildträger, indem er den dunkelgrün lackierten Holzuntergrund mit Pastellkreide bemalt. Drei Werke dieser Art werden in den Galerieräumen präsentiert und durch gerahmte Zeichnungen sowie Leinwände mit Acryl, Graphit und Drucktechnik ergänzt.

Menschliche Figuren stehen dabei stets im Zentrum. Sie sind oft androgyn, meist tatenlos oder wirken fremdgesteuert wie Puppen. Im Hauptwerk der Ausstellung, einer Pastellmalerei auf ausklappbarer Tafel, hat Dölberg die Körper in Fragmente zerlegt. Deformierte Köpfe, Hände und Füße verteilen sich über die gesamte Spannweite des Wandobjekts. Es beherrscht ob seiner alleinigen Präsenz wirkungsvoll die Raumatmosphäre und ruft wechselhafte Gefühle hervor. Dem gedanklichen Rückblick auf unbeschwerte Kindheitstage stehen Erinnerungen an beklemmende Momente aus dem Klassensaal gegenüber. Kombiniert mit zwei Kirchenbänken, die dem Publikum die Imagination in einen Gottesdienst ermöglichen, liest sich das Werk gleich einem Flügelaltar, dessen Innenseiten der Festansicht entsprechen. Ob Schule oder Kirche – das Triptychon verwandelt den Raum in einen einschüchternden Ort, aus dem die abgebildeten Körperteile scheinbar förmlich herausspringen und entfliehen wollen. Sie sind umgeben von umherschwirrenden Sprachrohren, bunten Kugeln und architektonischen Elementen wie Treppe oder Turm. Die vielen Farben und Formen trotzen der vorgegebenen Lineatur, die eigentlich der Beschriftung dient, und suchen die Emanzipation aus dem genormten Format. Doch der hintergründige Tafellack beruhigt das Chaos und erstickt es geradezu im Keim. Auch die gelben Hilfslinien leuchten unbeirrt hervor und halten den Ausbruch zurück. Die Sprechhörner sind wortlos, die Köpfe gesichtslos. Hände greifen ins Leere, die Treppe führt nirgendwohin. Kaum ist die Tafel zugeklappt, nimmt das Durcheinander ein jähes Ende.

Angelehnt an unterschiedliche Stile der klassischen Kunstgeschichte erscheinen die Werke des jungen Künstlers merkwürdig aus der Zeit gefallen. Die Bilder erinnern etwa an die Ästhetik von DDR-Kunst, während sich einzelne Elemente surrealistisch verhalten. Mitunter dekonstruiert Dölberg seine Bildgegenstände in kubistischer Manier, die Zeichnungen wiederum ähneln aufgrund der schwungvollen Linienführung barockartigen Kompositionen. Und doch – oder gerade deswegen – wohnt den Arbeiten eine Zeitlosigkeit inne, die sich auch thematisch niederschlägt. Hierarchische Machtsysteme der Klassengesellschaft bilden dabei das Ausgangsmaterial, und die Schultafel fungiert als ein wirkmächtiges Symbol für Obrigkeit. Ganze Maschinerien, denen wir in kapitalistischen Strukturen unterworfen sind, werden ebenso verbildlicht, wenn auch in abstrahierter Form. In der großformatigen Malerei Apparat: zum Nachdenken keine Zeit (2022) betreiben emotionslose Charaktere ein technisches Gerät. Sie arbeiten synchron und sind isoliert voneinander in Blasen eingefangen. Gliedmaßen können sie darin wohl nicht ausbilden, und so scheint ihnen jegliche individuelle Handlungsmacht entzogen. In work less (2022) und work even less (2022) zerlaufen die Körper bis hin zur völligen Abstraktion. Im Kontrast dazu steht die quadratische Rasterung, die sich dominierend über die Motive legt. Die gekachelten Gemälde wecken die Assoziation an ein Schiebepuzzle, das als ablenkender Zeitvertreib oder als Zeichen für die Suche nach einer Problemlösung gedeutet werden kann.

Abgerundet wird die Ausstellung von zwei weiteren Tafelstücken, die über eine offene Tür hinweg miteinander korrespondieren. Auf dem einen thront ein Anzugträger im Bürostuhl. Selbstbewusst und mächtig nimmt er die Bildfläche ein. Dem gegenüber ist auf dem anderen eine Kasperle-Figur in schreitender Bewegung zu sehen. Ihr Kopf ist verdreifacht, vielleicht ließe sich damit jonglieren. Ob die Multiplizierung des eigenen Ichs die Figur in ihrer närrischen Rolle gefangen hält oder ihr ein stärkendes Gemeinschaftsgefühl vermittelt, bleibt offen. Beide Werke sind mit vergilbten Blättern beklebt, auf denen sich zwei Sätze in feinsäuberlicher Schreibschrift wiederholen: „Das machen wir schon immer so“ und „Morgen kommen wir nicht wieder“. Die ironische Komponente dieser an eine Strafarbeit erinnernde Repetition verdichtet sich im divergierenden Ausstellungstitel: Bitte widersetzen!

Ferdinand Dölberg hinterlässt nicht bloß ein Gefühl der Ohnmacht, wenn er das Spannungsfeld zwischen unterbundener Individualität und gesellschaftlicher Gleichschaltung zum Thema macht. Er artikuliert auch Widerstand, der in humorvoller, gar frecher Note oder zwischen den Zeilen auftritt. Das passt ebenso zur Kunst, die er gemeinsam mit seinem Bruder Milan Dölberg macht, letztjähriger Absolvent der Zipp-Klasse. In ihrem Film Ab 18! – Fehler und Irritation (2021), der unter der Regie von Elke Margarete Lehrenkrauss entstand, zeigt sich, dass so mancher Schabernack von äußerst hohem künstlerischen Gehalt ist. Das Ausbrechen aus gesellschaftlichen Normen hat das große Potenzial, sich in verschiedenster Weise ertragreich zu äußern. Glücklicherweise erkannte Ferdinand Dölberg das frühzeitig für sich und schlug nach dem Abitur den Weg an die Kunsthochschule ein, dem Experimentierfeld schlechthin. Nun führt es ihn im Rahmen eines Auslandssemesters an die Central Saint Martins in London. Bis dahin gibt er uns die Möglichkeit einer kritischen Systembetrachtung, die ihresgleichen sucht.

Die Ausstellung „Bitte widersetzen!“ läuft noch bis zum 11. März 2022 in der Galerie Anton Janizewski. Der Film „Ab 18! – Fehler und Irritation“ ist derzeit in den Mediatheken von 3sat und ZDF vorzufinden.