Submission
Lukas Schmenger

Ghost Touch


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Unter dem Titel »Ghost Touch« zeigt Lukas Schmenger großformatige,
figurative Bilder und Reliefs, die im Ausstellungsraum »Made in Balmoral« zu
einer ortsspezifischen Präsentation inszeniert werden. Schmengers
menschenähnliche Kreaturen wirken geisterhaft, vielleicht außerirdisch, sie
umweht ein kalter Hauch kosmischen Staubs. Aus welcher Zukunft blicken sie
zu uns? In welcher Dimension befinden sie sich? Zwischen den Figuren seiner
Bilder scheint eine eigenartige erotische Spannung zu bestehen, die Fragen
nach dem oft konstatierten Ende der Liebe im Zeitalter von Dating-Apps
aufwirft, wo Swipen Beziehungen austauschbar erscheinen lässt und Liebe in
der neoliberalen Gesellschaft “zu einer Genussformel positiviert” wird, wie
es der Philosoph Byung-Chul Han im Essay Agonie des Eros (2012) formuliert.
Der Gegensatz von Nähe und Distanz wird durch Technologien aufgehoben, wir
erweitern uns und tragen ‘smarte’ Kommunikationsprothesen, die Verbindungen
zu Geräten in Händen von anderen herstellen und dabei nicht immer planmäßig
funktionieren müssen. ‘Ghost Touch’ nennt man den technischen Defekt, wenn
Touchscreen-Smartphones Aktionen und Interaktionen durchführen, ohne dass
dies von der menschlichen Hand durch Berührung gesteuert wurde. Nach diesem
Phänomen ist eine Porträtserie des Künstlers mit psychedelischen
Alien-artigen Köpfen benannt, die titelgebend für die Ausstellung in Bad Ems
ist.
In der Radierungsserie Twist treffen sich Figuren durch mehrfaches
Übereinanderdrucken auf einem Blatt: die Linien ihrer Körperteile überlappen
sich, ausgestreckte Zungen scheinen sich gleich zu treffen, dennoch ist
klar, dass es hier keine physische Begegnung, geschweige denn Berührung
geben kann. Sie schweben ephemer in unterschiedlichen Sphären.
Einzelne Profile aus dieser Serie wurden in eine greifbarere Materialität in
Form von Aluminiumgüssen überführt. Reliefs, die üblicherweise ähnlich wie
Tafelbilder auf Wände angewiesen sind, werden von Lukas Schmenger quasi
prothetisch erweitert: als ‘enhancement’ bekommen sie eigene Ständer und
Träger, auf denen sie autonom stehen können – im Atelier des Künstlers, in
Bad Ems oder auf Planet Neun, dem schwarzen Himmelskörper.
Text: Olga Vostretsova