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Ich möchte Transparenz schaffen – ein Interview mit Maren Knapp Voith von Yvonne Scheja

Mit ihrer Online-Galerie Art Apart und ihrem NAILS projectroom e.V. unterstützt und fördert Maren Knapp Voith junge künstlerische Positionen und ihre Sichtbarkeit. In unserem Interview sprachen wir über die Entwicklung ihrer Online-Galerie, die Intransparenz im Kunsthandel und welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in der Gegenwart hat, um Dinge nachhaltig zu verändern.


Maren Knapp Voith. Foto: Jennifer Fey Photography

 

Magdalena Kita, Californication, 2015, Silkscreen print on beach towel, each 180 x 90 cm; Marleen Rothaus, Coven, 2020, Oil on canvas, 130 x 280 cm | Installation view BEUYS & GIRLS | Courtesy Curated Affairs x Nails projectroom | © Kai Werner Schmidt, Düsseldorf 2021

 

YS: Die Frage, die mich interessiert, vor allem im Hinblick auf die zunehmende Impfrate sowie die sinkenden Infektionszahlen und die Hoffnung, Corona weitestgehend zu überwinden: Wie ist die aktuelle Entwicklung von Art Apart und wo soll es mit deiner Online-Galerie perspektivisch hingehen? 

MKV: Seit ungefähr einem Jahr machen wir Art Apart mit der aktuellen Website und derzeit entwickelt sich zum Glück alles sehr positiv: Das Portfolio an Künstler:innen erweitert sich konstant und wir verkaufen auch. Es könnte natürlich immer besser sein, das ist gar keine Frage, aber wir sind auf einem guten Weg. Und jetzt ist genau der Punkt erreicht, wo wir uns fragen, wie viele Künstler:innen können wir aufnehmen oder wird es eine Obergrenze geben. Art Apart soll weiter wachsen sowohl bei der Anzahl der Positionen als auch dem generellen Angebot wie z.B. unserem Magazin. Hier sind noch mehr Inhalte geplant: (Video-)Porträts über unsere Künstler:innen, ausführliche Interviews sowie Vorstellung der Off Spaces, die es hier in Düsseldorf und im Rheinland gibt. Das Schöne an dem Online-Magazin ist, dass wir ausreichend Platz haben, um unsere Künstler:innen und ihre Positionen vorzustellen.

YS: Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Gründung deiner Online-Galerie?

MKV: Die größte Schwierigkeit war tatsächlich, die Website so zu gestalten, dass sie allen Beteiligten gefällt und gleichzeitig den funktionalen Ansprüchen gerecht wird. Anfangs mussten auch teilweise die Künstler:innen ihre Ressentiments überwinden, mit ihrer Kunst in einen Online-Handel zu gehen. Manche hatten gar kein Problem damit und manche hatten zunächst die Einstellung, das kommt für mich nicht in Frage. Und je länger der Lockdown dauerte, kamen sie dann zu mir und wollten doch gerne mitmachen. Darüber hinaus mussten die Kund:innen den Online-Kunsthandel annehmen, weil es ungewohnt ist, im Internet Kunst zu kaufen so wie es am Anfang auch ungewohnt war, Lebensmittel oder Kleidung online zu bestellen, was jetzt völlig normal ist. Es wird sicherlich noch etwas Zeit ins Land gehen, bis es bei der Kunst normal ist. 

 

Magdalena Kita, Californication, 2015, Silkscreen print on beach towel, each 180 x 90 cm; Johanna Reich, Resurface-Forgotten female artists of the 19./20. century, 2020, Polaroid pictures | Installation view BEUYS & GIRLS | Courtesy Curated Affairs x Nails projectroom | © Kai Werner Schmidt, Düsseldorf 2021

 

YS: Dein Programm ist sehr stark auf Düsseldorf sowie den deutschsprachigen Raum ausgerichtet. Wie lernst du das Werk der Künstler:innen kennen?

MKV: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Künstler:innen, die ich persönlich kenne. Dann gibt es welche, die habe ich bei Instagram entdeckt und deren Werk hat mir sofort gefallen. Und dann ist auch klar, wenn jemand seine Werke schon bei Instagram zeigt, ist seine Bereitschaft sehr groß, seine Arbeiten online zu zeigen und zu verkaufen. Es gibt aber auch welche, die mich anschreiben, weil sie Künstler:innen kennen, die bei Art Apart mitmachen. Oder es gibt wiederum Künstler:innen, die Art Apart sehen und eine Möglichkeit suchen, Aufmerksamkeit zu generieren. Nicht zuletzt gibt es auch welche, die meine Arbeit vom NAILS projectroom kennen und schätzen. Aufgrund meiner Arbeit dort kenne ich viele Künstler:innen – das ergibt sich einfach so. 

YS: Im Vorgespräch kamen wir auf die Demokratisierung der Kunstwelt. Wo siehst du da Handlungsbedarf?

MKV: Das ist gar nicht mein Bestreben, sondern ergibt sich aus diesen Formaten. Es gibt sehr viele Absolvent:innen und im Verhältnis dazu wenig Galerien. Und genau an dieser Stelle wollte ich einhaken mit Art Apart. Zudem soll sie eine Plattform sein, in der die Positionen vor allem auch inhaltlich vermittelt werden. Das versuche ich stetig auszuweiten sowohl auf unserer Website mit dem Magazin als auch den Video-Porträts und Formaten wie 7 Fragen an…. Ich möchte Transparenz schaffen, sodass die Künstler:innen wissen, worauf sie sich einlassen: Es gibt keine Nebenabsprachen mit Sammler:innen oder unerwartete Kosten. Alles wird von vornherein kommuniziert. Wir haben FAQs etabliert, die für die Kund:innen gelten. D.h. Interessenten können die FAQs der einzelnen Künstler:innen einsehen und nachvollziehen, zu welchen Konditionen die Werke verkauft werden. Das ist maximale Transparenz. 

 

Johanna Reich, RESURFACE, 2012-2021, Video loop | Installation view BEUYS & GIRLS | Courtesy Curated Affairs x Nails projectroom | © Kai Werner Schmidt, Düsseldorf 2021

 

YS: Und was ich gerne wissen würde: Wie verbinden oder unterscheiden sich denn der NAILS projectroom und Art Apart abgesehen von der kommerziellen Seite für dich?

MKV: Das NAILS ist sehr viel partizipativer und performativer angelegt, sodass die Besucher:innen stärker eingebunden werden und mitmachen können, wenn es denn möglich ist. Dort kann ich aber weitaus weniger Positionen als bei Art Apart zeigen. Letzteres gibt mir die Möglichkeit, ganze Entwicklungen von Künstler:innen anhand ihrer Werke abzubilden. Im NAILS zeigen die Künstler:innen meistens das, was aktuell von ihnen bearbeitet wird. Weil die Arbeiten fast immer für den Raum geschaffen werden, heißt das, dass sie im engen Zusammenhang mit dem Raum, seiner Wirkung, seinen Möglichkeiten oder seinen Begrenzungen stehen. Oft sind es im NAILS die ersten (Einzel-)Ausstellungen, die außerhalb des Akademie-Rahmens stattfinden. Auch wenn es ein Off Space ist, bekommen die Künstler:innen eine Sichtbarkeit mitten in der Galerie-Szene in Flingern, wo potentielle Sammler:innen vorbeigehen. 

YS: Im Kontext des 100-jährigen Geburtstags von Beuys gibt es auch im NAILS projectroom eine Ausstellung mit dem Titel BEUYS & GIRLS. Um was geht es in der Ausstellung?

MKV: Bei BEUYS & GIRLS geht es darum, dass sich der 100. Geburtstag Beuys jährt und gleichzeitig, dass Frauen seit 100 Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf zugelassen sind. Dort war Beuys Professor, was das Kuratorinnen-Duo Curated Affairs, also Kasia Lorenc und Angelika J. Trojnarski, zum Anlass genommen hat, ein Konzept zu entwickeln: Es geht darum, diese Künstlerinnen sichtbar zu machen, die vor 100 Jahren an der Kunstakademie studiert haben. Insgesamt findet wenig Archivarbeit an der Kunstakademie statt und diese Frauen sind bisher relativ unbekannt. Das wollten wir ändern. Wir haben dann gemeinsam überlegt, welche aktuellen Positionen wir für die Ausstellung auswählen könnten. Es war recht schnell klar, dass u.a. Johanna Reich dabei sein sollte. Sie arbeitet mit Polaroids zu diesen Künstlerinnen und hat ein Konzept entwickelt, für das sie Wikipedia-Artikel über diese ehemaligen Studentinnen verfasst hat, die von einem Sprechautomaten 24h am Stück vorgelesen werden. Es ist ein sehr spannendes Projekt, weil einem bewusst wird, was für eine Besonderheit das Studium von Frauen damals war und deckt zugleich auf, welche Problemfelder wir heute noch haben: Wie arbeiten Künstlerinnen? Wie werden sie unterstützt? Werden sie gefördert, ausgebremst oder sogar belästigt? Das sind alles Themen, die auch in meinen privaten Gesprächen mit jungen Künstlerinnen sowohl im NAILS als auch bei Art Apart sowie einer sich daran anschließenden Clubhouse Reihe – Kunst und Konsortien immer wieder aufkamen. Auf der einen Seite sind wir viel weiter als vor 100 Jahren, auf der anderen Seite gibt es Dinge, die wie festbetoniert zu sein scheinen. Ich bin keine klassische Feministin, aber ich bin doch überrascht, dass es bestimmte Strukturen noch immer gibt, die eigentlich geändert werden müssten. Sie sind einfach nicht zeitgemäß. Jedoch geht es in der Ausstellung nicht darum, Männer auszuschließen, sondern vielmehr darum, dass wir nochmals auf Vergangenes schauen sollten, um diese Probleme sichtbar zu machen.

 

www.art-apart.gallery 

 www.nails-room.com

Aktulle Ausstellung:

BEUYS & GIRLS
Magdalena Kita
Johanna Reich
Marleen Rothaus
05.06. – 10.07.2021

Kommende Ausstellungen:

I LIKE MY GUEST TO THINK THEY ARE EATING IN A CLEAN HOUSE
Rike Dröscher
Jake Madel
Theresa Volpp
15.07. – 25.07.2021

CREEPING PATTERNS
Malte Urban
3.09. – 18.09.2021