Inside Out: Folkwang Universität der Künste – Michael Paul Romstöck & Killa Schütze #1

Anlässlich des zweiten Rundgangs an der Folkwang Universität der Künste in Essen stellen wir einige künstlerische Positionen vor, deren fotografische und materialbezogene Ansätze für die Entstehung einer repräsentativen visuellen Identität des Standortes beispielhaft sind.
von Damian Rosellen und Lulu Mayer

Michael Paul Romstöck

Du stellst beim Rundgang sechs Fotografien aus, die allesamt Bäume in ihrer meist urbanen Umgebung zeigen. Was ist in thematischer Hinsicht das verbindende Element?

M: Mich interessieren Fragen rund um unsere Erinnerungskultur, das (Natur-) Denkmal, Folklore und wie sich diese Instanzen über die Zeit entwickeln. Vor ein paar Monaten bin ich auf den Lindenbaum als kulturelles Objekt gestoßen und habe dann von einer ersten Faszination ausgehend diese Fragestellungen entwickelt. Ich habe mich gefragt, wie wir als Gesellschaft mit so einem kulturellen Erbe umgehen. Das äußert sich z.B. in kuriosen Traditionen oder eben Folklore. Aber auch in ideologisch geprägten Denkmälern oder politischen Entscheidungen. Ich habe angefangen, parallel zur Recherchearbeit einige Orte zu besuchen und Testaufnahmen zu erstellen. Dieses Recherchieren und Bilder-Sammeln zieht sich durchaus durch meine Arbeitsweise der letzten Jahre. Inwiefern steht die Technik des handgefertigten Barytabzugs dazu in Verbindung? M: Die tradierte Bildsprache der Großformat-Fotografie mit dem Barytabzug kann man einerseits als Referenz an das Baumportrait im Piktorialismus sehen, andererseits aber auch mit jüngeren dokumentarischen Strategien in Verbindung bringen. Die Schwarzweiß Ästhetik mit der hohen Abbildungsqualität lockert die zeitliche Verortung ein wenig auf.

http://michaelpaulromstoeck.cargo.site

Killa Schütze

In deiner Arbeit HANAQ EARTH treffen augenscheinlich digitale Methoden und Medien auf ursprüngliche Materialien wie z.B. Steine. Was hat es mit diesem kombinatorischen Ansatz auf sich?

K: Mich interessieren die Überlagerungen verschiedener stofflicher Sphären in unserer Realität und die Störungen und Reibungen, die in unserer westlichen Wahrnehmung entstehen. In meinen transmedialen Arbeiten befrage ich das Verhältnis von materieller Realität und entstofflichter Sphäre, indem ich mich einerseits auf die Spuren meiner peruanischen Herkunft begebe und andererseits eine Perspektive auf die Rolle digitaler Medien in zeitgenössischen westlichen Gesellschaften entwickle. Im Rahmen eines erweiterten Technologie Begriffes treffen auf diese Weise mystische Elemente aus Prä-Kolumbianischen Ritualen auf zeitgenössische Verfahren digitaler Entstofflichung. Aus diesem großangelegten Interesse resultieren demnach immer wieder neue Arbeiten? K: HANAQ EARTH ist die Zusammenführung verschiedener interdisziplinärer und künstlerischer Forschungsansätze, die ich seit etwa einem Jahr verfolge. Hierbei steht die “geschundene” Erde als Material im Fokus. Konkret benutze ich dazu die Mineralien und Gesteine der Zeche Zollverein in Essen und einer Mine für seltene Erden in Peru. Auf der handwerklichen Ebene geht es mir in meinem Fotografischen Ansatz nicht um die reine Dokumentation beziehungsweise Abbildung von Dingen, sondern um die Infragestellung und Erweiterung eines westlichen Realitätskonsenses. Dabei bewege ich mich im Grenzbereich zwischen Fotografie, Objekt, Performance und Klang im Raum.

http://www.farawaystudio.com