Inside Out: Folkwang Universität der Künste – Julia Jaksch & Hendrik Hinkelmann #3

Anlässlich des zweiten Rundgangs an der Folkwang Universität der Künste in Essen stellen wir einige künstlerische Positionen vor, deren fotografische und materialbezogene Ansätze für die Entstehung einer repräsentativen visuellen Identität des Standortes beispielhaft sind.
von Damian Rosellen und Lulu Mayer

Julia Jaksch

Zwar studierst Du Fotografie, doch zeigst Du meist freie Arbeiten, die mit Fotografie auf den ersten Blick nichts zu tun haben. Stellt sie trotzdem noch einen Faktor in deinem Schaffen dar?
J: Die Fotografie ist ein wichtiger Teil meines Arbeitsprozesses, durch sie beobachte ich besser, sammele Material, sie wird oft zum Ausgangspunkt anderer Arbeiten. Sichtbar wird das z.B. in meinen kleinen malerischen Arbeiten, die von Fotografien ausgehen. In einigen zeigt sich deutlich der fotografische Blick in Komposition und Bildausschnitt, in anderen verliert sich dieser. Die Motive sind intuitiv ausgewählt und ebenso ist es auch der Prozess des Malens. Durch die sehr schnelle Arbeitsweise – ein Bild entsteht in wenigen Minuten – greift der Duktus oft die Bewegung des Bildinhaltes auf, verstärkt das Gefühl des Momenthaften und Flüchtigen eines Augenblickes; Bildteile bleiben nur angedeutet, verlieren sich in Teilen ins Ungegenständliche.

Wie mündet das in die jetzt ausgestellten Arbeiten und worum handelt es sich?
J: Ich zeige neben einer kleinen Malerei und zwei Zeichnungen ein Modell, das während der Aufbauphase vor Ort entstanden ist und Hinweise auf andere Arbeiten im Raum gibt. Zwischen echten und unechten Pflanzen in einer etwas merkwürdigen, lehmigen und groben Miniatur-Landschaft finden sich bei genauerer Betrachtung u.a. kleine Objekte, Höhlen und Höllendarstellungen aus der Kunstgeschichte. Mich fasziniert die Idee des Modells als ein Abbild von Wirklichkeit. Das Vereinfachen, das Illusionistische und die Entstehung einer Szenerie auf so kleinem Raum; der Blick eines Kindes in ein Puppenhaus, der Blick von oben, durch kleine Luken, etwas das lediglich Fassade ist. Wie eine andere Maßstäblichkeit die Betrachtung verändert. Mein Umgang mit dem Material ist dabei spielerisch und intuitiv.

 

Hendrik Hinkelmann

Deine großangelegte fotografische Arbeit offenbart nicht direkt einen konkreten thematischen Hintergrund, sondern erinnert mehr an eine Art Mindmap dessen, was du gesehen hast…
H: Ich verstehe meine Arbeit als offene Auseinandersetzung mit unserem Verständnis und Gebrauch von Bildern. Dabei bildet das Medium die Plattform für einen Umgang mit nur schwerlich zu greifenden Thematiken. Ich suche selbst immer weiter nach einer Erklärung. Bisher formuliere ich sie als Suche nach einer spürbaren Fremdheit im Aufeinandertreffen aller Existenzen. Das Umfeld, in das wir uns als Menschen hineingeschaffen haben, kommt mir oftmals absurd vor.

Wo liegt die offene Stelle, durch die auch Außenstehende den Zugang finden können?
H: Weil meine größten Einflüsse Literatur und Musik sind, sollte man meiner Installation ähnlich entgegentreten. Es braucht keine Verständniskompetenz innerhalb gewisser kunstbezogener Hermeneutiken. Man muss sich also nichts erklären oder erschließen. Ich denke, selbst wenn man keine Ahnung von der Theorie hinter der Musik hat, so vereinnahmt sie einen oft genug trotzdem. Deshalb entsteht meine Hängung auch erst dann, wenn ich mit den Prints vor der Wand stehe. Dann mische und sortiere ich. Ich suche nach einem bestimmten Rhythmus innerhalb der Bilder und lasse mich von dem, was ich gesehen habe, nochmals leiten.