Inside Out: Folkwang Universität der Künste – Katharina Ley & Jacob Lambert + Jimu Kobayashi & Claudius Dorner #6

Anlässlich des zweiten Rundgangs an der Folkwang Universität der Künste in Essen stellen wir einige künstlerische Positionen vor, deren fotografische und materialbezogene Ansätze für die Entstehung einer repräsentativen visuellen Identität des Standortes beispielhaft sind.
von Damian Rosellen und Lulu Mayer

Katharina Ley

Was ist der Gegenstand deiner fotografischen Auseinandersetzung?

K: Ich beschäftige mich mit den Fragen, wann eine Fotografie zum Bild wird, sie über das Zeigende hinaus geht, das Abgebildete selbst an Bedeutung verliert. Was passiert zwischen Bild und Betrachter*in? Mein Interesse gilt diesem Zwischenraum. Meine Bilder sind für sich selbst nicht fertig, bilden bewusst keine abgeschlossene Narration, finden erst im Wechselspiel der Betrachtung ihre Intention. Auf der Suche nach dem Zwischenraum, der beim Betrachten entsteht, wird Vorstellung real, der/die Betrachter*in auf sich selbst und das eigene Schauen zurückgeworfen.

Zum Rundgang zeigst du neben den Farbfotografien auch zwei Silbergelatineprints, die soweit ich weiß ein aktuelleres Projekt von Dir sind.

K: Die zwei Prints sind ein erster Auszug einer Sammlung von Bildern, bei der Jedes für sich stehen, aber auch in immer neuen Kombinationen und Sequenzen auftauchen kann. Die Motive begegnen mir in meinem täglichen Umfeld, hauptsächlich im öffentlichen Raum. Ob Kiosk am Eck, Park oder Bahnhofsklo. Der konkrete Ort ist nicht wichtig. Meist verweile ich lange an einer Stelle oder bin schon oft an dieser vorbeigelaufen, bis ich meine Kamera auspacke.

Jacob Lambert & Jimu Kobayashi

Ihr zeigt beim diesjährigen Rundgang verschiedene Gefäße aus Keramik – wie seid ihr auf diese Technik gestoßen und was interessiert euch daran?

J&J: Wir haben beide unabhängig von unserem Studium vor etwa eineinhalb Jahren angefangen, mit Ton zu arbeiten. Zufällig sind wir auf ein Kursangebot einer städtischen Einrichtung in Düsseldorf gestoßen. Dort hatten wir die Chance, komplett frei mit dem Material zu experimentieren. Diese Arbeitsweise versuchen wir nach wie vor beizubehalten. Auch im universitären Kontext, in dem der Fokus eher darauf liegt in Serie zu produzieren, schaffen wir die Varianz durch verschiedene Formen und Glasuren. Wir kombinieren die Möglichkeiten aus beiden Bereichen. Einerseits dem Drehen an der Scheibe und andererseits das Abgießen mit flüssigem Ton. Genau das ist für uns das Spannende an der Arbeit – die verschiedenen Zustände und das meistens ungewisse Ergebnis nach dem finalen Brand.

Claudius Dorner

Claudius, was kannst Du zu deiner Serie Konstruktionen sagen?

C: Sie zeigt die ästhetische Begegnung mit den Wirrungen und dem Mäandern eines kanalisierten Baches. Graues Wasser fließt gemächlich in eine Richtung, manchmal treiben Stofffetzen auf der Oberfläche. Es stinkt nach einer ekligen Mischung aus Fäkalien und Seife. Es ist paradox, einem Bach zu sagen, wo er langzufließen hat und so plätschert er widerwillig aufwärts bis zum nächsten Pumpensystem. Der Wind stülpt meinen Regenschirm um und ich stolpere, wenn es mir auffällt. So versuche ich weiterhin, mich vom Abstoßenden anziehen zu lassen.

Spiegelt sich dieses Stolpern auch in der Art des Zeigens deiner Arbeit auf dem Boden wieder?

C: Die Präsentation ist so gewählt, um die Bewegung entlang der Bilder möglichst müßig zu gestalten. Man muss sich ein wenig verrenken, um die Bilder zu sehen, teilweise liegen sie auf dem Kopf. Die Bauplatten als Trägerinnen weisen auf den provisorischen und konstruierten Charakter des Baches hin.