Inside Out: Folkwang Universität der Künste – Ruth Magers & Luzie Marquardt #4

Anlässlich des zweiten Rundgangs an der Folkwang Universität der Künste in Essen stellen wir einige künstlerische Positionen vor, deren fotografische und materialbezogene Ansätze für die Entstehung einer repräsentativen visuellen Identität des Standortes beispielhaft sind.
von Damian Rosellen und Lulu Mayer

Ruth Magers

In zwei völlig voneinander unabhängigen Räumen zeigst du jeweils eine großformatige Fotografie. Gibt es nichtsdestotrotz ein verbindendes Element zwischen Ihnen oder stehen sie tatsächlich als Einzelbilder?

R: Letztendlich handelt es sich bei den beiden präsentierten Arbeiten um eine gedankliche Erweiterung einer Arbeit mit dem Titel In Another Time aus dem vergangenen Jahr, dessen Auseinandersetzung gleichsam als Suche nach Strategien zur Offenlegung des fotografischen Prozesses beschrieben werden kann. Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzung bildet mein Interesse sowohl an analogen als auch an digitalen fotografischen Prozessen, sowie deren Mischformen. Die beiden Arbeiten, die während des diesjährigen Rundgangs zu sehen waren, sind rein visuell betrachtet von einem ganz unterschiedlichen Interesse geprägt. Allerdings ist eine gedankliche Stringenz diejenige, die beide Fotografien für mich zu Teilen ein und derselben Auseinandersetzung macht, dessen Ausformulierung in Form einer geschlossenen Serie ich an dieser Stelle aber bewusst vermied. Die vorgenommene Hängung setzt diese mit den von anderen Studierenden gehängten Arbeiten in einen jeweils neuen Kontext.

Wohin führten Dich diese Gedanken nun bei den neueren Arbeiten?

R: Während In Another Time eben jene Zeitlichkeit der Fotografie beschreibt, die es uns gewährt, vergangene Momente erneut zu betrachten und die zugleich die Unfähigkeit der Zeit in Erscheinung zu treten überwindet, entfernen sich die beiden gezeigten Arbeiten vom Interesse an der Zeitlichkeit der Fotografie. Vielmehr zielen diese darauf ab, mit der Eigenschaft von Fotografie – einen Augenblick mittels einer technischen Apparatur festzuhalten – umzugehen, um diese im Hinblick auf ihre eigene Medialität zu hinterfragen. Die Verwendung von Scannern, Folien und dadurch entstehende Druckraster oder Staub auf den Fotografien liefern Rückschlüsse auf deren Entstehungsprozesse. Es dreht sich weniger um technische Perfektion, als darum, das fotografische Material als solches zu enttarnen.

Luzie Marquardt

Du zeigst hier zwei großformatige Portraits aus der vorläufig so genannten Serie the great never und auch so fällt immer wieder auf, dass du dich in diesem Genre bewegst. Wie lässt sich dieses fotografische Interesse am Menschen beschreiben?

L: Obwohl mein Bildnerisches Interesse ziemlich weit reicht, kehre ich immer wieder zurück zum Motiv des Menschen und den Beziehungen, die er zu seiner Umwelt eingeht. Dabei zieht es mich immer wieder Schwebezuständen und den undurchdringbaren Beziehungen entgegen, in denen Menschen sich befinden. Weniger als die äußere Hülle des Menschen interessiert mich dabei das, was durch eine Fotografie mindestens genauso intensiv transportiert werden kann: sein verletzliches Inneres, Blicke und Gesten, die in der Regel mehr erzählen als  das Äußere und eine sanfte Brutalität, die jedem Gefühl innewohnt. Dabei bewege ich mich nicht nur im mir vertrauten Bereich des auf Mittelformat fotografierten Studioportraits, sondern fange auch seit vielen Jahren schnappschussartige Szenen und  Situationen und meine eigene Lust am Schauen und Sehen ein, die so ein für mich realistisches Gesamtbild zeichnen und gleichzeitig einen ästhetischen Kontrast bilden. Ein gutes Gleichgewicht zwischen schnell entschiedenen, oft auch pseudo-dok umentarischen Fotografien und technisch sauberen, in langen Sitzungen ausgearbeiteten Bildern ist das, was meine Bildsprache ausmacht und mich an der Fotografie fasziniert.