inside out – Städelschule

José Montealegre

Immanuel Birkert

Niwat Manatpiyalert

Pia Ferm

Bela Feldberg

Rahel Goetsch

Max Negrelli

Johanna Odersky

Louise Giovanelli

Lydia Ericson Wärn

Sóley Ragnarsdóttir

José Montealegre

José Montealegre

Stian Hansen

Immanuel Birkert

Hadas Auerbach

Institutionalized horror. Die Substanz der weißen Wände

Ich glaube, dass der Ort, an dem Kunst gelehrt und praktiziert wird, der Ort ist, an dem der zäh tropfende Inhalt der weißen Wände produziert wird. Wenn ich dort an die weißen Wände klopfe, höre ich das dumpfe Echo meines Schlags und bemerke versetzt eine leichte Vibration der Flüssigkeit. Sie hält an wie ein schwaches Beben, das unkontrolliert auftaucht: ein unsichtbarer Resonanzraum, der meinen Boden nicht halten will. Aus den Löchern der Wandhalterungen eines Kunstwerks fließt etwas dieser zähen Flüssigkeit heraus. Meine Finger fahren der hinterlassenen Spur nach. Sie glänzt in der Sonne. Die klebrige Textur benetzt meine Fingerspitzen und lässt sich nicht entfernen, wahrscheinlich bleibt sie für immer dort.   Die Flüssigkeit, die so zäh ist, und stinkt, und nur partiell erscheint, ist sowas wie ein Überrest einer Autonomie in diesem ganzen System. Die Kunsthochschule und deren Rundgänge sind ein beliebter Ort, um Connaisseur oder Entdecker zu mimen oder einfach direkt aus dem Trog zu fressen. Dort sind dann aber diese widerständigen, sperrigen, gespenstischen Momente, die aus den Wänden fließen, die meinen Kopf zäh benetzen und alle (Selbst-)Sicherheit und Arroganz festhalten und zerbrechen. Jede Konstante scheint dann unerreichbar, ich muss einfach dort bleiben, und die Dinge anschauen und den Wegfall meines Bodens akzeptieren. Das ist wohl das, was das Spannendste ist, die Flüssigkeit, die mich mit ihren klebrigen Fäden hier hält: die Unsicherheit von jenen auf Rundgängen gezeigten Kunstdingen, die sind und werden, noch nichts so wirklich waren, die ihren eigenen third-space beanspruchen, in dem ich verdammt nochmal nichts zu sagen habe und nur geduldet werde. Die Crux beginnt oder endet damit, dass die, die vorher Mimikry gespielt haben, beschließen, das Potential des zäh tropfenden Inhalts der weißen Wände subversiv konservieren und als Authentizität verkaufen. Das ist vielleicht nicht weit gedacht und uns allen auch klar – aber warum bewegen uns dann weiterhin willenlos in diesen Abläufen? Eigentlich ist die Geschichte der Institutionalisierung von Kunst nicht mehr als eine horror story, die mich in der Fiktion schaudern lässt und in der Realität vollkommen im Griff hat.

Fotografie Neven Allgeier
Text Seda Pesen