Josip Novosel stellt vor: Ea Stjernholm #03

„Why I wasn’t at the class meetings / My new friend“ von Ea Stjernholm

Wenn ich mein Internetverhalten in kurzen Sätzen beschreiben müsste, würde ich eine kurze Passage aus dem Batman-Film The Dark Knight frei rezitieren. Dort kommt es kurz zu der Sinnfrage, warum der Joker das tut, was er eben tut und dieser antwortet, dass da nicht viel dahinter stecke. Er sei lediglich ein Hund, der vorbeifahrenden Autos hinterher rennt. Der Joker rechtfertigt mit dieser Aussage, weshalb er ein Krankenhaus in die Luft gesprengt hat.
Mein Internetverhalten ist eher bescheiden und will nichts in die Luft sprengen. Da ich jedoch auch gerne in Selbstzweifeln bade, rechtfertige ich damit immer mein manchmal lautes Lachen, wenn ich allein in meinem Zimmer bin und stundenlang irgendwelche Memes im Factory Style durchlese bzw. -scrolle. Meine erste Interneterfahrung war im Hinterzimmer eines bayerischen Wirtshauses, wo ich mit den Kindern vom Chefkoch ins Internet ging. Es war wie ein erster Joint – es fühlte sich furchtbar verboten und cool an. Wir gingen natürlich sofort auf die Seite rotten.com. Und da wir eine Schnittstellen-Generation von „Wir haben keine Ahnung“ und „omg lol“ waren, hielten wir uns immer die Hände vor die Augen bevor wir auf einen dortigen Link zu schaudrigen Fotos von Unfallopfern, Sexunfällen und anderen moralisch grenzwertigen Fotos klickten und uns davor ekelten und schrien. Damals war das Internet noch unberechenbarer in seinem Ladevorgang und manchmal poppte ein Foto früher auf als gedacht. Danach sind wir Skaten gegangen oder haben uns anders beschäftigt. Wir haben das noch ein paar mal gemacht bis dann Promimugshots kamen – dann war das nicht mehr „cool“. Heute würde es mir nicht mal im Traum einfallen, Skaten zu gehen oder gar etwas anderes zu tun als zu scrollen. Facebook ist mein Tagging geworden und alles andere als Memes bleibt mir nicht mehr im Kopf hängen. Vielleicht ist es schon Kunst geworden, wenn jemand über fünf Fotos hochlädt und einen seriösen Titel darüber stehen hat. Weil es die Langweile hat, die man vom Texte Lesen bei Ausstellungen bekommt. Ein Meme muss sich nicht einmal vorstellen und es trifft manchmal tief. So tief wie keine Psychoanalyse.

 

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