Julia Phillips: Fake Truth @ Kunstverein Braunschweig

Pictures by Stefan Stark

In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Julia Phillips im Kontext von Psychoanalyse, Gender- und Postkolonial-Diskursen mit komplexen Subjekt-Objekt-Relationen und herrschenden Machtverhältnissen. Ausgangspunkt ist dabei der eigene Körper, der metaphorisch für die Untersuchung zwischenmenschlicher intimer Beziehungen sowie gesamtgesellschaftlicher Missstände herangezogen wird. In Anlehnung an die seit der Antike bekannten Verfahren der Körperabformung, werden fragile Abdrücke von Körperfragmenten – Muskeln, Schultern oder Gesichtspartien – aus Keramik produziert, die im Zusammenspiel mit den entstehenden Hohlräumen anonyme Körper im Raum definieren. Julia Phillips hierzu: „Ich bin auf der Suche nach einer physischen Sprache und mechanischen Metaphern, um nicht-physische, emotionale Beziehungen auszudrücken.“

In der speziell für die Ausstellung im Kunstverein Braunschweig produzierten Installation Witness I-III zitiert Julia Phillips mit der Zeugenschaft eine (juristische) Wissenspraxis, in der nicht angeblich objektive Wahrheiten, sondern die Schilderung der individuellen sinnlichen Wahrnehmung essentiell ist. Von einer Kieslandschaft umgeben, treten die Besucher_innen skulpturalen Charakteren entgegen, die, von angedeuteten Hinterköpfen und fleischfarbenen Lungen umrissen, menschliche Proportionen aufweisen. Auf die sich nähernden Personen reagiert jeder Charakter mit einer eigenen Stimme und einer je eigenen Auslegung der Geschehnisse. Während sich bewegende, tanzende oder hadernde Körper in früheren Arbeiten von Julia Phillips explizit gezeigt wurden, rückt nun die Bewegung der Besucher_innen in den Vordergrund. Das individuelle Verhalten im Raum wird registriert und in Form sich wandelnder Soundtracks rückgespielt, wobei die Rollenverteilung und das Verhältnis zwischen Zeug_innen und Bezeugtem ungewiss bleiben.

Nach einem Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Columbia University New York City realisierte Julia Phillips (*1985 in Hamburg, lebt in Chicago und Berlin) eine Einzelausstellung am MoMA PS1, NYC (2018). 2018 wurden Phillips Arbeiten im Rahmen der Triennale des New Museum, NYC und der 10. Berlin Biennale gezeigt. Fake Truth ist Julia Phillips erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.

www.kunstvereinbraunschweig.de