Submission
Sophie Schmidt

Knieberge

Knieberge is Sophie Schmidts first solo show at Galerie Tobias Naehring, Leipzig. The show includes performances as well as an upcoming book release of "Über die Tragik des menschlichen Körpers – eine Oper in fünf Akten", a new artist book published by Hamman von Mier, Munich. The exhibition will be extended until the end of January.


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Sophie Schmidt, Knieberge (I), 2019, Charcoal on Canvas, 200 x 160 cm
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Sophie Schmidt, Knieberge, Installation View
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Sophie Schmidt, Knieberge, Installation View (San Gennaro mit Mathilde de la Mole, Vögel, Bett in Neapel, 2020, charcoal on canvas, 210 x 150 cm, 200 x 160 cm)
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Sophie Schmidt, Knieberge, Installation View (Knieberge (I), Die drei Truthäne aus Portici, Krumbiel mit Vulkaneiern, Trink hier einen Spremuta mit mir, 2019, 2020, charcoal on canvas, 200 x 160 cm)
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Sophie Schmidt, Knieberge, Installation View (Herr Dünkels, Hornisse und Grille, Setze Dich zu mir an den Tisch Gennaro, Ummantel mich mit Neapel Gennaro, 2020, charcoal on canvas, 210 x 150 cm, 200 x 160 cm)
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Sophie Schmidt, Knieberge, Installation View
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Sophie Schmidt, Kronleuchter, 2020, Sticks, plaster cast, rabbit wire, acrylic ink, candles, lamp, potato press, lipstick, teabags, mini whisk, nutmeg reive, cigarette, cotton swab, lemon press, egg, 700×230×260 cm
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Sophie Schmidt, Kronleuchter, Installation View
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Sophie Schmidt, Kronleuchter
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Sophie Schmidt, Kronleuchter
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Sophie Schmidt, Kronleuchter, Performance View
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Sophie Schmidt, Kronleuchter, Performance View
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Sophie Schmidt, Kerzenständer, Performance View
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Sophie Schmidt, Performance Still
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Sophie Schmidt, Kerzenständer mit Raucherhilfe, 2020, Glass, cigarette, cement, painted steel, sticks with leaves, matchbox, sieve, candle, wire, 43 x 15 x 15 cm
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Sophie Schmidt, Kerzenständer mit Gehstock mit Ei, 2020, Steel, gauze bandage, sticks, paint roller, matchbox, tin opener, painted steel, sieve, candle, acrylic ink, egg, cement, 80 x 30 x 40 cm
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Sophie Schmidt, Schutzmantel, 2020, Wire, sticks, gauze bandage, acrylic ink, 160 x 190 x 100 cm
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Sophie Schmidt, Schutzmantel, 2020, Wire, sticks, gauze bandage, acrylic ink, 160 x 190 x 100 cm
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Sophie Schmidt, Performance Still
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Sophie Schmidt, Bett in Neapel, 2020, Charcoal on canvas, 200 x 160 cm

San Gennaro, der italienische Schutzheilige der Androgynen, bewohnt in Sophie Schmidts neuen Arbeiten folgerichtig ein „Zimmer für sich allein“, so der beistehende Text. In dem gleichnamigen, für den Feminismus fundamentalen Essay konstatiert Virginia Woolf, ein vollkommener Autor müsse Männliches und Weibliches in sich vereinen, Kreativität sei also zweigeschlechtlich. Als femminiello verbindet der Heilige beide Geschlechter in sich, und tritt in Schmidts großformatiger Kohlezeichnung nun mit fast barocker Theatralik, segnend und in wallendem Mantel auf. Gleichzeitig trägt er die Gesichtszüge der Künstlerin. Eindeutige Geschlechtlichkeit, ohnehin als sozial konstruiert entlarvt, wird als Limitierung diskreditiert.

Grenzauflösungen und Körperlichkeit sind essenzielle Themen in Schmidts Werk, angefangen mit der Überwindung von Gattungen wie Gemälde, Zeichnung, Skulptur, Performance bis hin zur Transformation von Organen und Körperteilen. Füße atmen, mit Lungenflügeln wird geflogen, der Bauch ersetzt den Kopf. Ihre Arbeiten oszillieren oftmals zwischen Verschmelzung und Trennung, Hingabe und Abgrenzung, Vulnerabilität und Schutz.

So empfindet sie ihre Fortbewegungsmaschinen anfangs als zweite Haut oder schützenden Kokon und verschmilzt mit ihnen, doch beim Fahren offenbaren sie ihre Instabilität, zerbrechen und verletzen die Künstlerin sogar. Die Zerstörung indes ist ein Akt der Emanzipation: „Rein, befahren, kaputt machen, befreien. Und immer so weiter.“ Erst danach könne sie wieder frei atmen. Ihre fragilen Installationen, rein provisorisch aus Alltagsgegenständen wie Küchensiebe, Regenschirme, Strumpfhosen, Föhne und Gipsbinden zu Einheiten zusammengefügt, sind ohnehin zum Gebrauchen geschaffen, nichts für die Ewigkeit. Ihre aus den gleichen Materialien konstruierte künstliche Glieder, von Schmidt als Körperweitung und Trennungsüberwindungsprothesen bezeichneten, entgrenzen ihre Physis und bringen sie in Verbindung mit der Welt. Bis über ihre Schmerzgrenzen hinaus – und über die der Betrachter*innen gleich mit – geht sie auch in ihren Performances. Hingebungsvoll singt sie Opernarien zur Erläuterung ihrer Werke, um dann eingezwängt in einer ihrer Plastiken zu enden, in der sie Milch durch Schläuche mit der Nase ansaugt und die unsteuerbare Apparatur ihr den Genuss einer Zigarette, einst Symbol der Frauenemanzipation, verwehrt.

Symptomatisch ist ihr Faible für zerbrechliche Eier, die sie in ihre Installationen integriert, und für Insekten. Mit ihren schützende Chitin-Panzern, fragilen Beinchen und sensiblen Fühlern, deren direktes Abtasten die Künstlerin dem distanzierten Sehen vorzieht, bevölkern sie ihre Bildwelt, und verwandeln sich dort in fließendem Übergang in Geschlechtsorgane oder Vegetabiles. Exakte Naturbeobachtungen ebenso wie eine intensive Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte, mit Literatur, Philosophie und Psychoanalyse fließen hier erkennbar ein.

In ihren diesjährig entstandenen Arbeiten entwickelt Schmidt diesen ihr eigenen Kosmos weiter. Da findet sich ihre Faszination für Natur in den Fruchtständen und blütenähnlichen Gebilden, die aus botanischen Lehrbüchern zu stammen scheinen und aus der zerbrechlichen Schönheit eines venezianischen Kronleuchters wachsen. Als unheimlich und gewalttätig erweist sie sich, wenn eine Hornisse eine hilflos auf dem Rücken liegende Grille verspeist, ein Schwarm tiefschwarzer Vögel mit spitzen Schnäbeln reglos auf etwas zu warten scheint und zwei Truthähne mit prächtigem Gefieder eine Henne bedrängen. Und der Körper der Künstlerin wird in eine Landschaft bzw. in die titelgebenden „Knieberge“ metamorphosiert, betrachtet sie ihre angewinkelten Beine aus eigener Perspektive.

Julia Dellith, 2020

San Gennaro, the Italian patron saint of the androgynous, lives in a “room of one’s own” in Sophie Schmidt’s new works according to the accompanying text. In the essay of the same name, which is fundamental to feminism, Virgina Woolf declares that an accomplished author has to unite masculine and feminine qualities in herself, and that, consequently, creativity encompasses both genders. As femminiello, San Gennaro combines both genders in himself, and in Schmidt’s large-sized charcoal drawing, he appears to be blessing in a flowing garment with an almost baroque theatricality. At the same time, he shows the facial features of the artist. A distinct sex, without being socially constructed, is discredited as a limitation.

Dissolving boundaries and bodies are essential topics in Schmidt’s works, beginning by overcoming the genres of paintings, drawings, sculpture, performance and culminating in the transformation of organs and body parts. Feet breathe, lungs fly, the stomach replaces the head. Her works often oscillate between conflation and separation, devotion and distinction, vulnerability and protection.

Accordingly, she initially feels that her locomotion machines are a second skin or a protective cocoon, and she blends in with them. Yet, while moving, they reveal their instability, they break and even hurt the artist. Meanwhile the destruction is an act of emancipation: “Get in, drive, break, free yourself. And so forth.” Only after this process, she says, she can breathe freely. Her fragile installations, that she constructs by assembling kitchen strainers, umbrellas, tights, hair dryers and plaster bandages, are made to be used, they are not for eternity. Her artificial limbs which she makes out of the same materials and calls body expansions and protheses to overcome separation, dissolve her physis and bring her into contact with the world. In her performances, she exceeds her pain threshold and those of the viewers. She devotedly sings opera arias to explain her works and then ends up in one of her plastics in which she sucks in milk through tubes and this uncontrollable apparatus denies her the enjoyment of a cigarette, once the symbol of feminine emancipation. Her likening for fragile eggs, that she places in her installations, and insects is symptomatic. Their protective exoskeletons of chitin, their fragile legs and sensitive antennae, whose direct feeling she prefers to distant seeing, inhabit Schmidt’s imagery and smoothly transform themselves into sexual organs and vegetable materials. Exact observations in nature as well as intense investigations into cultural history, literature, philosophy and psychoanalysis feature here recognizably.

In the works she has created this year, Schmidt further develops her own cosmos. Her fascination for nature can be found in the seed heads and flower-like shapes which appear to have come from botanical textbooks and whose fragile beauty grows out of a Venetian chandelier. This beauty appears to be uncanny and violent when a hornet devours a cricket lying helplessly on the back, a flock of jet-black birds seem to motionlessly wait for something with their pointed beaks, and two turkeys with splendid feathers harass a hen. And the body of the artist is metamorphosized into a landscape or the eponymous knee mountain (Knieberge) if she observes her bent knees from her own perspective.

Julia Dellith, 2020, Translation by Ulla Stackmann