Kölnischer Kunstverein

Pressetext

Annette Kelm
Staub
Ausstellung: 7. November –21. Dezember 2014

Annette Kelm, 1975 in Stuttgart geboren, zählt zu den herausragenden Vertreterinnen einer jüngeren Garde von Fotografen, die mit einem neuen Blick auf die Welt und durch ihren spezifischen Umgang mit dem Medium international für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Mit Einzelaufnahmen und Bildserien, die unter anderem Arrangements von Alltagsobjekten, Portraits, Architekturen, Landschaften oder Pflanzenwiedergeben, schafft die in Berlin lebende Künstlerin Bilder von bemerkenswerter Präsenz, die im Bereich der konzeptuellen Fotografie, die für Annette Kelm eine wichtige Voraussetzung darstellt, ihresgleichen sucht. Dabei sind Ausgangspunkte und Motive der von Annette Kelm mit Hilfe von analogen Kameras produzierten Arbeiten recht vielfältig, wobei für einen gewissen Teil ihrer Werke kultur-und gesellschaftspolitischen Themen eine Bedeutung beigemessen werden können. So lassen die Bilder von rot-rosa Latzhosen und Museumsvitrinen zum Thema Frauenbewegung die Auseinandersetzung mit dem Feminismus anklingen, während eine Sechsergruppe von Prozentzeichen auf die Konsum-und Warenwelt hindeutet oder eine Aufnahme eines Fächers mit der Aufschrift des Fotofestivals im französischen Arles auf eine spezifische Szene verweist.

Können diese Werke scheinbar verhältnismäßig klar mit einer besonderen historischen, soziologischen oder ökonomischen Situation in Beziehung gesetzt werden, entziehen sich die Fotografien von Tulpen oder einer Buntnessel zunächst einer offensichtlichen Kontextualisierung. Zumeist vor einem farbigen Hintergrund fotografiert, der gleichberechtigt mit der Pflanze den Motivbereich einnimmt, rufen diese Werke Erinnerungen an die kunsthistorische Tradition der Blumenbilder hervor, ohne allerdings ein direktes Vorbild zu haben.

Verweise auf die Geschichte sowie die verschiedenen Strömungen der Kunst lassen sich aber nicht nur in den Aufnahmen von Pflanzen ausmachen. In unterschiedlichen Ausprägungen sind die bewussten Anspielungen und Zitate eigentlich für fast alle Arbeiten von Kelm prägend. Sei es nun, dass eine Aufnahme von magnetisiertem Eisenstaub Assoziationen zur abstrakten Malerei hervorruft, dass ein Foto von Schuhsohlenmustern vor einem bunten Textilhintergrund ein Ornament beschwört oder ein Bildnis der Künstlerin Judith Hopf die chronologische Entwicklung des Porträts vor Augen führt.

Die Arbeiten von Annette Kelm erschöpfen sich dabei allerdings nie in der reinen Bezugnahme auf ein kunsthistorisches oder sonstiges Thema. Vielmehr weisen die Werke zumeist weit über den fotografierten Gegenstand hinaus, bieten dabei die Möglichkeit einer Dechiffrierung an, um sich dann allerdings doch einer klaren Bestimmung zu entziehen.

Gerade der letztgenannte Aspekt lässt auch ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur klassischen konzeptuellen Fotografie erahnen und deutet damit einen Pfad an, der in ein neues Terrain der Kunst führt, dessen Vermessung und Erkundung noch aussteht. Annette Kelm gelingt dieser Schritt, indem sie den Anspruch auf Objektivität unterläuft, Emotionen zulässt und, wie sich bei einer genaueren Betrachtung der erwähnten Arbeiten feststellen lässt, Elemente und Konstellationen in ihre Bilder integriert, die Momente einer Irritation und Bedeutungsverschiebung hervorrufen.

So scheinen die Latzhosen zu posieren, während sich ungewöhnliche Wechselbeziehungen zwischen den Tulpen und den neben ihnen platzierten Magneten sowie ihrem gestreiften Stoffuntergrund ergeben oder die porträtierte Künstlerin Judith Hopf vor dem Fond der historischen Bildnisse wie eine Repräsentantin aus einer anderen Zeit anmutet. Die Werke von Annette Kelm sind gespickt von vielfältigen Andeutungen, die maßgeblich zu der besonderen Wirkung der Arbeiten beitragen.

Katalog in Vorbereitung.

Öffentliche Führungen zur Ausstellung:
19. November, 17 Uhr mit Moritz Wesseler
17. Dezember, 17 Uhr mit Carla Donauer

http://koelnischerkunstverein.de

 

Annette Kelm

Courtesy: Annette Kelm, Staub, 2014, Installationview Kölnischer Kunstverein, Foto: Simon Vogel

 

Annette Kelm II

Courtesy: Annette Kelm, Staub, 2014, Installationview Kölnischer Kunstverein, Foto: Simon Vogel

 

Annette Kelm III

Courtesy of the artist and Johann König, Berlin Annette Kelm Untitled (Cardboard, Paisley, Ladder, Hands), 2013 C-Print, gerahmt 88 x 71,2 cm; 34 2/3 x 28 in 91 x 74,2 x 4 cm; 35 3/4 x 29 1/4 x 1 1/2 in 5 + 2AP