Submission
Kristina Buch

You can't walk unless the word runs


<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
Kristina Buch: Ohne Titel, 2016
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
Kristina Buch: Du kannst nicht gehen, solange das Wort nicht läuft., 2019. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
(l-r) Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020; Du kannst nicht gehen, solange das Wort nicht läuft., 2019. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
(l-r) Kristina Buch: Notwendiges und ausreichendes Stoma. (Krabben über die Staatsbürgerschaft. Diese Grenze verläuft parallel, nicht lotrecht zu unserer Bewegungsrichtung.), 2019; Von ihren Feinden gejagt, versuchten sie, keinen Becher Wasser zu verschütten. (Eschatologie einer Wassermelone), 2019; Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
(l-r) Kristina Buch: Wie würdest du mit der Schwerkraft diskutieren? (Kein Platz frei! Kein Rivale! Du hast noch nie ein Dreieck in deinem Leben gesehen!), 2012–2017; Bailout (Begriffserklärung) – ein Tisch für meine Freunde und Feinde, 2015. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
Kristina Buch: Die Anzahlung. Hast du das vergessen? Hast du sie verloren? (keine Rechnungen), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln
<br />
<b>Warning</b>:  Illegal string offset 'alt' in <b>/homepages/8/d512831531/htdocs/KubaParis/wp-content/themes/kubaparis-theme/single.php</b> on line <b>130</b><br />
h
Kristina Buch: Zeichen-/Charakter-/Wesen-/Ruf-Mord (Scheitern garantiert); l-r: Tot? Gestern gesehen. Hat sich aus deinem engen Wohnzimmer geschlichen, schätze ich.; Wurzelbehandlung (wir sind unsere eigenen Taschendiebe), 2020. Foto: Simon Vogel, Köln

Die Praxis der Glossolalie, das „Reden in Zungen“, ist mit gängigen Vorstellungen von Religion verknüpft, spiegelt jedoch das genaue Gegenteil religiöser Praxis wider. Während Religion in festen Ritualen verwirklicht wird und von institutionellen Ängsten vor Kontrollverlust geleitet ist, durchbricht die Glossolalie diese vermeintlich sichere Choreografie und galoppiert frei und ungezügelt davon. Die Zunge beginnt, unabhängig von ihren Besitzer*innen zu sprechen, und spricht die Sprache des unverfälschten Geistes.

Wer sind wir, unabhängig von der Sprache, in der wir miteinander kommunizieren? Wenn der geschriebene Text und das gesprochene Wort die Konstrukte sind, aus denen sich unsere Wirklichkeit zusammensetzt, so gibt es auch anhaltende Impulse zu einer Entwicklung entgegen dieser Auffassung über Phänomene des Derrida’schen Logozentrismus. Die Postmoderne versprach, die Illusion mithilfe der Dekonstruktion aufzudecken, doch die Burg steht immer noch, und der Graben wird immer tiefer. Und so suchen wir nach Wegen, um diese Gebäude zu umgehen. Indem Kristina Buch Wörter in Stücke schneidet und ihnen ermöglicht, zu neuen Formen zu wachsen, wie Plattwürmer, die sich immer wieder regenerieren, prägt sie ein differenziertes Verständnis der Silben, die Brücken schlagen zwischen Kennen und uns Bekanntem sowie dem Unbekannten und dem noch-zu-Kennenden.

You can’t walk unless the word runs. – Du kannst nicht gehen, solange das Wort nicht läuft. Hier fängt das Ohr den Klang sich überlagernder Äußerungen auf. Wir sind eingeladen in einen Raum jenseits der starren Didaktik des Religiösen und des Postmodernen, weit jenseits unseres sprachgebundenen Glaubens an das, was konstruiert und dekonstruiert werden kann. Eine Reihe von Videos, die auf Flachbildschirmen gezeigt werden, tragen den gleichen Titel wie die Ausstellung. Jeder Bildschirm zeigt ein Close-up eines Vorhangs aus Lippen, die sich öffnen und schließen, und offenbart Zungen, die zarte und feurige Botschaften gegen Wände aus Zähnen drücken, als wären die Mauern anthropomorph und zu einem Garten aus menschlichen Mündern gewachsen.

Eine Installation von acht Zungenfahnen aus Jacquardgewebe hängt von der Decke herab und leckt die noch vorhandenen Assoziationen der Betrachter*innen auf. Die Vorder- und Rückseite eines Jacquardstoffs – eine Textiltechnik, die bei der Erfindung des Computercodes durch Ada Lovelace eine zentrale Rolle spielt – zeigen ein positives und ein negatives Bild. In Flaggenform verarbeitet, laden sie dazu ein, die Ontologie von Flaggen, die für Nationen, Armeen, Politik und Sport so wichtig sind, als solche zu betrachten. Versuchen sie zu sprechen, und müssen sie immer zwei Seiten gegeneinander ausspielen? Die Ursprungsgeschichte der Zunge ist eine des Schutzes. Alle Reptilien, Vögel und Säugetiere haben Zungen, wie auch die meisten Amphibien. Dieses Anhängsel kam nicht in unseren Mund, um Wörter und Sätze zu bilden, sondern um zu schmecken. Genauer gesagt, um Gift zu identifizieren. Um zu erkennen. Dass der Homo sapiens eine Sprachfähigkeit entwickelt hat, die auf der Zunge – unserem Gefahrendetektor – beruht, ist eine evolutionäre Anpassung.

„Wenn die Gnade Gottes auf wundersame Weise bei einem Menschen wirkt“, vermutete William James, „so wirkt sie also wahrscheinlich unter Benutzung des subliminalen Zugangs.“ Wenn diese Tür eine Sprache ist, dann eine, von der wir noch nicht wissen, wie man sie schreibt oder spricht. Daher ist, wie die Philosophin Simone Weil feststellte, „die Unmöglichkeit […] die Pforte zum Übernatürlichen. Man muss nur klopfen. Ein anderer öffnet.“ Es antwortet der Gegenkulturelle, der auf immer unbezähmbar ist. Durch das Bild und die Sprache führt Buch ihre Betrachter*innen zu dieser Ebene des intuitiven Erkennens, aber nicht mit dem einfachen Ziel des Verstehens.

Wir könnten fragen: Was tun Zungen, die an das feuchte, verletzliche Körperliche erinnern, die Hüter der Tür, die unsere Öffnung zur Welt schützen? Sie bewegen sich im Takt der Politik des Augenblicks. Oder sie verweigern vielleicht diese sicheren, behaglichen Bewegungen und werden zu Geschossen oder Zielscheiben. Auf diese Weise schmecken sie Geschichte. (Aimee Walleston, 2019)

Kristina Buch (geboren 1983 in Meerbusch-Lank) studierte Biologie (MSc) und Evangelische Theologie, bevor sie ihr Studium der Bildenden Kunst am Royal College of Art (MA), London, und an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Rosemarie Trockel) absolvierte. 2012 nahm sie an der dOCUMENTA(13) teil und hat ihre Arbeiten neben zahlreichen anderen internationalen Ausstellungsorten u.a. in der Bundeskunsthalle Bonn (2018), MALBA / Buenos Aires (2017), Kunsthalle Bremerhaven (2016), ISCP NYC (2016), Istanbul Biennale (2015), Kunsthalle Basel (2015), Index The Swedish Contemporary Art Foundation (2014), Emily Harvey Foundation NYC (2013), Manifesta9 p.e. (2012) gezeigt. Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst präsentiert Buchs erste umfassende Einzelausstellung.