MAGNA CARTA SHELF LIFE #3 curated by Kate Brown

Für die letzte Installation der Ausstellungsreihe MAGNA CARTA SHELF LIFE fordert der deutsche Künstler Felix Oehmann mit seiner maximal großen Installation die räumlichen Einschränkungen von 3 ½ heraus. HUNGRY FOR TOUCH lenkt unseren Blick auf die Größe und Rohheit des Raums. Indem Oehmann mit Flachheit und Dimensionalität spielt und immer auf der Suche nach dem materialimmanenten Kipppunkt ist, schafft er Spannungen und steigert den Sinn für die eigene körperliche Präsenz. Durch den Zugriff auf kulturell Verbindendes – ein Stuhl, ein Stück Kuchen, ein T-Shirt – findet der Künstler radikale Zustände in simplen, unbeachteten Formen. So befreit er Alltagsgegenstände von ihren ästhetischen und funktionalen Regeln und hinterfragt ihre Darstellungsmacht.

Oehmann versteht nicht das Kunstwerk sondern die Ausstellungsfläche als veränderbar und testet so das Potential des 3 1/2 Raums. Piece of the cake (full version) bestimmt diesen, indem er ihn zerteilt und weitere Zugänge schafft. Sowie die aufgestellte Skulptur der Begrenzung dient, führen die Cut-Outs zu einer gleichzeitigen Öffnung. Die offensichtliche Verwendung von Scharnieren unterstreicht diese Direktheit der Mittel.

Piece of the cake (heavy version) verhält sich wie eine Vorlage zur größeren Version in Sperrholz in der Mitte des Raumes und wird zu dieser in Beziehung gesetzt. Obwohl Piece of the cake (heavy version) als umfangreichere und zeitintensivere Skulptur erscheint erzeugt sie in Gegenüberstellung mit der monumentalen und skizzenhaften full version Verwirrung über das Verhältnis von Original und Referenz. Als konstantes Element seiner Arbeitsweise gilt das Schaffen kleinerer Versionen als Mittel des Künstlers den entscheidenden Punkt der Skulptur aufzuspüren.

Das Regal nimmt in Piece of the cake (heavy version) eine Doppelrolle als Präsentationsform wie auch als skulptural individuell unterstützendes Element ein. Dies stellt einen immer wieder auftretenden Aspekt von Oehmanns Oeuvre dar: all seine Arbeiten tragen und stützen sich selbst. In beiden Arbeiten steht das „Kuchenstück“ im Zwielicht von Feierlichkeit und der Pragmatik von Diagrammen und Nullsummenspiele.

Die Arbeit Open arms #7 (hungry for touch) ist in die Ecken des Raumes gedrängt. Ein riesiges T-Shirt öffnet sich dem Betrachter, um dessen Nähte als Muster freizulegen. Durch die Sichtbarkeit der Stiche tritt man der abgewendeten Rückseite des T-Shirts gegenüber. Beide aus der Achse gerückten Arbeiten sind bildhaft im Begriff des Verschwindens und verstärken darin ihre körperliche Anwesenheit. Das scheinbare Abgleiten der Objekte ins Surreale führt den Betrachter zurück zur Darstellung eines fragilen Paares. Alle Bestandteile der Arbeiten sind aufeinander angewiesen, „lehnen an“ und „öffnen sich“ zueinander. Damit schafft Oehmann durch simple Eingriffe, Metaphern des Menschlichen.

Text: Kate Brown translated into German

 

160418_KW_0030_web 160418_KW_0040_web 160418_KW_0036_web 160418_KW_0026_web 160418_KW_0037_web 160418_KW_0033_web 160418_KW_0029_web 160418_KW_0039_web 160418_KW_0035_web