Submission
MANDLA REUTER und CHRISTIAN FALSNAES

Kunstverein Braunschweig


Remise

CHRISTIAN FALSNAES

AVAILABLE
7. März – 3. Mai 2015

Eröffnung: Freitag 6. März 2015, 19 Uhr

In der Remise des Kunstverein Braunschweig entwickelt der dänische Künstler Christian Falsnaes eine raumspezifische Installation, mit der er – wie so oft bei Fals- naes – die Ausstellungsbesucher in mannigfaltigen und unterschiedlich komplexen Performances einbindet.

Falsnaes bedient sich Mechanismen der Partizipation und massenwirksamen Propaganda. Als geschickter Meister der Motivationsrhetorik gelingt es ihm, sein Publikum für sämtliche performative Tätigkeiten in Beschlag zu nehmen. Obgleich er mit traditionellen bildproduzierenden Medien wie Zeichnung, Malerei oder Video arbeitet, erhalten seine Werke stets eine dezidiert performative Setzung. Sei es, wenn eine zunächst weiß grundierte Leinwand erst nach ihrem Erwerb zum Bild werden kann, indem der Sammler – der Anleitung des Künstlers folgend – diese selbst bemalt. Oder wenn eine Zeichnung nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags zerstört werden muss, um von der zuvor vom Käufer angefertigten Kopie abgelöst zu werden. Auch tauchen Ausstellungsbesucher mal als tanzende Statisten in einem Musikvideo auf, sprühen Galeriewände bunt an oder durchbrechen mit Motorsägen Wände. Die als Ergebnis wirksamer Partizipationsmethoden entstandenen Werke verhandeln zudem oft im aktionistischen Nebenbei zentrale Fragen von Malerei und Skulptur wie etwa Bildfindung und -zerstörung.

Für seine Braunschweiger Schau platziert Falsnaes ein Telefon im Ausstellungsraum und stellt sich damit zur Verfügung als Impuls- und Handlungsanweisungs-Geber für seine Installation „Available“. Sein Publikum involviert er unmittelbar in die Produktion dessen, was im Möglichkeitsraum einer potenziell partizipativen Situation erst entstehen kann, indem er sie zur persönlichen Kontaktaufnahme einlädt. Im Vergleich zu Yoko Onos „Instruction Pieces“ allerdings, die Performances skizzieren und fiktive poetische Bilder aufgrund ihrer deskriptiven Art generieren, setzt Falsnaes auf die tatsächliche Einlösung seiner nüchternen bis verstörend-offensiven Partizipationseinladungen, die mit der starken, autoritären Präsenz des physisch eigentlich abwesenden Künstlers spielen.

Christian Falsnaes (geb. 1980 in Kopenha- gen, lebt in Berlin) studierte zunächst Philosophie und kam über die Graffiti-Szene zur Kunst. An der Akademie der Bildenden Künste in Wien studierte er bei Peter Kogler und Daniel Richter. Seit 2003 hat Falsnaes weltweit Performances und Ausstellungen realisiert und 2008 den österreichischen Performance-Preis H13 erhalten. Er wurde für den Preis der Nationalgalerie 2015 nominiert und wird im September in einer groß angelegten Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin vertreten sein.

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Available, Installationsansicht, Remise, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy PSM Gallery, Berlin © Stefan Stark
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Available, Installationsansicht, Remise, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy PSM Gallery, Berlin © Stefan Stark
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Available, Performance, Remise, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy PSM Gallery, Berlin © Stefan Stark
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Available, Performance, Remise, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy PSM Gallery, Berlin © Stefan Stark
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Available, Installationsansicht, Remise, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy PSM Gallery, Berlin © Gergana Todorova

Haus Salve Hospes

MANDLA REUTER

7. März – 3. Mai 2015

Eröffnung: Freitag, 6. März 2015, 19 Uhr

Im Rahmen seiner umfassenden Einzelausstellung im Kunstverein Braunschweig entwickelt Mandla Reuter Raumkonzepte und Installationen speziell für die Villa Salve Hospes. Durch subtile wie radikale Eingriffe reflektiert er Fragen nach Kunstproduktion, Präsentationskontexten sowie Formen von Ausstellungsdisplays.

Mandla Reuters Installationen und Interventionen deklinieren Raumfunktionen und ihre Wandlungen durch, indem sie erproben, was Raum kontrolliert und repräsentiert, und wie Informationsflüsse und der Verkehr von Körpern umgeleitet werden können. Absperrungen und Erweiterungen, Hindernisse und neue Durchgänge zwingen Besucherinnen und Besucher von Reuters Ausstellungen dazu, neue Wege zu suchen und machen den in der Regel neutral gehaltenen Ausstel- lungsraum als Ergebnis von Ein- und Ausschlüssen, Beleuchtung, Sound und Abtrennung vom Außenraum erfahrbar. So veranschaulichen Reuters Interventionen die Pro- duktion von Raum als aktiven Prozess.

Mandla Reuter begreift die örtlichen Gegebenheiten als Material, um sie schließlich zu bearbeiten, in Frage zu stellen und ihnen eine neue Bedeutung zu verleihen. In diesem Sinne verschiebt Mandla Reuter die Öffnungszeiten des Kunstverein Braunschweig um sechs Stunden und versetzt somit nicht nur das Ausstellungsgebäude in eine andere Zeitzone, er spielt darüber hin- aus mit den Lichtverhältnissen, die während der Dämmerung und am Abend in den Räumen der Villa Salve Hospes vorherrschen. Dabei hat Licht hier nicht nur die Funktion die Räume zu erhellen, sondern wird von Mandla Reuter explizit als formales Gestaltungselement der orts- und zeitspezifischen Installationen eingesetzt.

Gleichfalls spitzt der Künstler die Ambivalenz zwischen Natur, etwa geographisch gegebene Voraussetzungen, und Künstlichkeit zu. Indem Mandla Reuter Objekte und Material an einen für sie fremden Ort versetzt, unterwirft er sie den jeweils herrschenden Bedingungen oder richtet umgekehrt die Räumlichkeit nach deren Bedürfnissen aus: Eis wird im Kühlhaus gelagert; Pflanzen werden mit UV-Licht bestrahlt. Dabei verweist er durch die Art der Inszenierung auf den Kontrast zur jeweils ursprünglich natürlichen Umgebung.

Den Eingang zur Ausstellung im Kunstverein Braunschweig verlagert Mandla Reuter auf die Rückseite des Gebäudes. Als Widerspruch zum Motto „Salve Hospes“, welches über dem Portal der Villa thront, verschließt der Künstler die Eingangstür mit einer Mauer. Nur diskrete Hinweise zeigen dem Publikum den Weg ums Haus herum, über die Terrasse zu den Ausstellungsräumen. Entgegen angeblich „in Stein gemeißelter“ architektonischer Vorgaben, gelingt es Mandla Reuter dem Betrachter seine Denkmuster vorzuführen und ein neuartiges Verhältnis zwischen ihm und dem Raum entstehen zu lassen.

Mandla Reuter (geb. 1975 in Nqutu, Südaf- rika, lebt in Berlin), studierte von 1996 bis 2002 an der Frankfurter Städelschule. 2013 widmeten ihm die Kunsthalle Basel und 2014 das Kunstmuseum Bonn Einzelausstel- lungen. Daneben war er an zahlreichen Gruppenausstellungen, wie „Made in Ger- many 2“ in Hannover (2012), in der Kunst- halle Wien (2006/2015) und dem Kunsthaus Baselland (2010) beteiligt.

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Mandla Reuter Installationsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy der Künstler und VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Stefan Stark
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Mandla Reuter Installationsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy der Künstler und VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Stefan Stark
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Mandla Reuter Installationsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy der Künstler und VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Stefan Stark
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Mandla Reuter Installationsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy der Künstler und VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Stefan Stark
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Mandla Reuter Installationsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2015, Courtesy der Künstler und VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Stefan Stark

 

GEÄNDERTE ÖFFNUNGSZEITEN* Di – So: 17–23 Uhr
Do: 14 – 23 Uhr
Für Schulklassen sind andere Öffnungszeiten möglich.

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Do, So: 18 Uhr
Und nach Vereinbarung.

KÜNSTLERGESPRÄCH Mittwoch, 25. März 2015 19 Uhr

*Diese Öffnungszeiten gelten nur für die Dauer der Ausstellungen von Mandla Reuter und Christian Falsnaes.

Kunstverein Braunschweig
Lessingplatz 12
38100 Braunschweig
www.kunstverein-bs.de