Submission
Thomas Moor

MUSTERDORF

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Archiv des 'Strohmuseum im Park' Wohlen (CH) An exhibition in cooperation with the 'Strohmuseum im Park' (Straw Museum) Wohlen (CH) archive


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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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Aus der Musterkollektion der Aargauischen Strohindustrie für die Weltausstellung 1867 in Paris, Unknown, ca. 1867, straw and horsehair on underground, variable dimensions, Courtesy 'Strohmuseum im Park‘ Wohlen (CH)
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Thomas Moor, ADHS, 2020, acrylic, straw and gesso on canvas, 32 x 92 cm
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Aus der Musterkollektion der Aargauischen Strohindustrie für die Weltausstellung 1867 in Paris, Unknown, ca. 1867, straw and horsehair on underground, variable dimensions, Courtesy 'Strohmuseum im Park‘ Wohlen (CH)
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Aus der Musterkollektion der Aargauischen Strohindustrie für die Weltausstellung 1867 in Paris, Unknown, ca. 1867, straw and horsehair on underground, variable dimensions, Courtesy 'Strohmuseum im Park‘ Wohlen (CH)
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Thomas Moor, Mehrzweckhalle Fahrwangen, 2020, acrylic, oil pastell and gesso on canvas, 54 x 79 cm / Thomas Moor, Advisory, 2020, oil, acrylic and gesso on canvas, 50 x 77 cm
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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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Thomas Moor, Freiamt Reverie, 2020, acrylic, straw and gesso on canvas, 26 x 47 cm
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Thomas Moor, Freiamt Reverie, 2020, detail
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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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Freiämter Strohflechter in einer vertäfelten Bauernstube, unknown, copy of eponymous painting at Landesmuseum Zurich, ca. 1840, oil on canvas, 122 x 95 cm (framed), Courtesy 'Strohmuseum im Park‘ Wohlen (CH)
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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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exhibition view, Musterdorf, Thomas Moor, 2020, Milieu, Bern, CH
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Thomas Moor, Andy Hug Denkmal Wohlen, 2020, acrylic, straw and gesso on canvas, 45 x 36 cm
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Thomas Moor, Hi Hat, 2020, acrylic and gesso on canvas, 95 x 110 cm

Ein Musterdorf

Einen herrlichen Anblick gewährt das Dorf Wohlen, welches seinen grossen Wohlstand ausschliesslich der Strohindustrie verdankt. Da gibt es keine Massenquartiere, keine 4- und 5stöckigen Häuser mit 8 und 10 Wohnungen; keine Häuservierecke ohne einen Grashalm in der Nähe. Alle Häuser sind 1- höchstens 2stöckig und für 1-, höchstens 2 Familien eingerichtet. Kein einziges Haus ohne mittlere oder grössere Gärten, die sämtliche sehr gut gepflegt und hübsch eingefasst sind.

„Wohler Anzeiger“ und „Freiämter Stimmen“, Wohlen, 21. Juli 1897

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Fragen drängen sich nicht immer auf, aber wir können sie trotzdem stellen.
Im Bus von Wohlen nach Fahrwangen versuchen wir uns Vorzustellen, wie das Leben der Arbeiter war, die auf dieser Achse mit der eigens für die Strohindustrie gebauten „Wohlen-Meisterschwanden-Bahn“ zwischen Fabrik und Wohnort pendelten. Die Bahn gibt es nicht mehr. Wo früher die Schienen waren, verläuft heute der Fahrradweg.
Unser Ziel ist die Mehrzweckhalle in Fahrwangen. Diese – nicht diese – aber die damalige Turnhalle in Fahrwangen war Schauplatz des „Turnhallenverbotes“, welches 1911 für Aufruhr im Kanton Aargau sorgte. Als Fabrikarbeiter der Hutflechtindustrie einen Gewerkschaftssekretär zu einem Lichtbildvortrag luden, verbot der Gemeinderat dem Textilarbeiterverband die Versammlung in der Turnhalle.
Heute noch gleich ist, dass eine Mehrzweckhalle keine Allzweckhalle ist. Abhängen zum Beispiel gehört nicht zu diesen Zwecken.
Die Landschaft wird zum Anlass über die eigene Jugend in Aargauer Dörfern nachzudenken. Disziplinierungsmassnahmen, Tüchtigkeit, der 6er im Zeichenunterricht. Hip Hop. Die Suche nach einem Selecta Automaten im Nachbardorf.

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Hat der Regierungsrat Kenntnis davon
1. dass in den Betrieben der aarg. Hutgeflechtindustrie die gesetzliche Arbeitszeit vielfach ganz bedeutend überschritten wird?
2. dass Arbeitgeber jugendliche Arbeiter vom Besuche des obligatorischen Bürgerschulunterrichtes abhalten, um diese zu Überzeiten verwenden zu können?
3. Was gedenkt der Regierungsrat zu tun, um diese Missstände zu beseitigen & dem Gesetze Nachachtung zu verschaffen?

Interpellation an den aargauischen Grossen Rat, 1930

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Eine Heimarbeiterin wird mir plastischer. Ihre Furchen im Gesicht. Sie beugt sich über ihre Flechtarbeit während die frisch gebackenen Brote auskühlen. Müde ist sie. Und stolz. Vielleicht gar nicht auf das schöne Handwerksstück sondern auf das Meistern eines oftmals harten Alltags. In diesem Alltag ist das Erfinden eines neuen Musters für eine Hutverzierung genau so Teil vom Überleben wie alle anderen Arbeiten eines bäuerlichen Lebens. Vielleicht ist sie auch gar nicht stolz, sondern stur. Oder zu müde zum träumen. Oder ihre Träume gerinnen zu den Mustern aus Stroh und die Poeten dürfen das schön finden. Viele mögen es gehasst haben, nach einem langen Tag schwerer, körperlicher Arbeit bis tief in die Nacht Stroh zu flechten. Wahrscheinlich hatten viele eine stoische Haltung, wie ich sie noch von meiner Grossmutter kenne: Das Mühsal hat seinen Platz im Leben, da muss man sich eben hineinschicken. Ich glaube auch dass viele tatsächlich Freude an dieser Arbeit hatten, selbst bei langen Überzeiten. Sei es aus der simplen Befriedigung, die einem eine gelungene Arbeit gibt oder aufgrund effektiver schöpferischer Momente.
In Auseinandersetzungen mit Geschichte kann Fantasie helfen. Aber auch täuschen. Die eigene Geschichte ist einem zuweilen fremd, wenn man sich auf eine Spurensuche begibt. Wenn man aus den fremden Teilen eigene macht, das heisst, mit der eigenen Fantasie überspielt, romantisiert man. Wir wollen aber das Hyperkaleidoskop ausfahren, das uns erlaubt, uns selbst als komplexe Organismen innerhalb von komplexen Systemen zu sehen, selbst wenn wir uns dem industriellen Geworden-sein einer ländlichen Schweizer Gegend zuwenden. Dazu gehören das Undurchsichtige, das Vielleicht und das &

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Die Entwicklung von der Heimarbeit zu einer exportorientierten Industrie führte bei der Oberschicht zu bedeutendem Wohlstand. Über 200 Jahre lang diente das unscheinbare Material Stroh als Grundlage für einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dieser Gegend. Die zum Teil noch heute existenten vornehmen Villen und Kontore der Strohfabrikanten im Aargau zeugen von „goldenen Strohzeiten“, brachten dem Ort Wohlen nicht zufällig den Beinamen „Chly Paris“ ein und liessen die Firmeninhaber aufgrund ihres exklusiven Lebensstils zu „Strohbaronen“ avancieren.

Roswitha Zwerger, „Stroh – ein seltener Werkstoff der Alltagskultur“

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Der Andy Hug Kick: Ein Wohler Exportschlager ganz anderer Art. Und doch, angesichts des Andy Hug Denkmals auf dem Gelände des Sportplatzes eines Schulhauses in Wohlen, bekommen wir die Fäden unserer Auseinandersetzung noch einmal neu verflochten. Wir befinden uns wieder im selben halböffentlichen Raum, in dem junge Leute sich gerne versammeln und die Autoritäten dies nicht mögen.
Wir stellen uns die selben Fragen über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Geschichte. Was für ein langer Weg von Stroh zu Andy Hug. Vielleicht gibt es diesen Weg auch gar nicht. Wirklich skizzierbar ist er auf jeden Fall nicht. Die seltsam maoistisch anmutende Büste Andy Hugs scheint uns dennoch Spuren der Geschichte zu enthalten, in jener homöopathischen Form, wie sie sich in der Mentalität einer Region niederschlagen. Sie erscheint uns wie ein Destillat der selben Tüchtigkeit, des selben Ehrgeizes, denen wir auf der Spur sind. Ein Ehrgeiz, der die schönsten Blüten treiben, aber auch vergiften kann. Wie im Falle vom Andy Hug, wo auf den Welterfolg der Leukämietod, wie manche behaupten, aufgrund von Steroiden folgte.
Auch dies ein & weil wir das nicht mit Sicherheit wissen können. & & &

Text: Hannes Zulauf
Translated by: kate Whitebread

ENGLISH VERSION

A model village

The village of Wohlen is delightful to behold. It’s large wealth is owed exclusively to the straw industry. There is no mass housing, no four or five storey buildings with eight or ten flats, no residential squares with not a blade of grass nearby. All the houses are one or at most two storeys high and designed to house only one or two families. Not a single house without a middling to large garden, all of which are very well cared for and have pretty borders.

„Wohler Anzeiger“ and „Freiämter Stimmen“, Wohlen, 21. July 1897

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Questions are not always urgent, but we can ask them anyway. On the bus from Wohlen to Fahrwangen we try to imagine the lives of the workers who commuted between their homes and the factories along this route, which was once that of the “Wohlen-Meisterschwanden Railway”, built especially for the straw industry. The railway no longer exists. Where the tracks used to be there is now a cycling path.
Our destination is the multi-purpose hall in Fahrwangen. This sports hall – not this one, but the one that stood in Fahrwangen at the time – was the site of the so-called “Turnhallenverbot” (sports hall prohibition), which caused uproar in the Canton of Aargau in 1911. When factory workers in the hat weaving industry invited a trade union secretary to a slide show lecture, the local council prohibited the workers’ union from holding assemblies in the hall.
What remains today is that the multi-purpose hall is not an all-purpose one. Hanging out, for example, is not one of those purposes.
The landscape becomes a catalyst for thinking about our own youth in the villages of the Aargau. Disciplinary measures, application and diligence, the A in drawing class. Hip Hop. The hunt for a vending machine in the neighbouring village.

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Is the governing council aware
1. that in the factories of the Argovian hat weaving industry legal labour hours are often significantly exceeded?
2. that employers prevent youthful workers from attending mandatory public schooling in order to use them for overtime work?
3. how does the council intend to redress these grievances & reinforce regard for the law?

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A cottage worker begins to take shape in my mind. The furrows on her face. Shoulders bent over her weaving while the freshly baked bread cools by the oven. She is tired, and proud. Perhaps not so much of her beautiful craft as of coping with a hard life. In the rhythm of her days, inventing a new pattern to decorate a hat is as much a part of survival as all the other routines of rural life. Perhaps she is not even proud, but stubborn. Or too tired to dream. Perhaps her dreams curdle into patterns of straw and the poets may say it is beautiful. Many may have hated weaving straw deep into the night after a long day of hard physical labour. Some probably took a stoic attitude; which I remember from my own grandmother: hardship has its place in life, we must accept it. I believe that many did take joy in their work, even when they worked overtime. Be it for the simple satisfaction of work well done, or for moments of real creativity.
The imagination can be a helpful tool for engaging with history. But it can also deceive. Our own history is often strange to us when we start to trace it. When we make our own parts from those of strangers, tape over them with our own imaginations, we romanticize. But we want to use the hyper-kaleidoscope that allows us to see ourselves as complex organisms within complex systems, even when we turn it on the industrial formation of a rural Swiss region. That includes the obscure, the Maybe and the &

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The development from cottage manufacture to an export-oriented industry led to significant wealth for the upper classes. For over 200 years the unassuming material of straw served as the foundation for a significant economic factor in this region. The partly still extant prestigious villas and company offices of the straw industrialists in Aargau testify to the “golden epoch of straw” and brought the village of Wohlen the soubriquet “little Paris”. Industrial factory owners rose to the status of “straw barons” based on their exclusive lifestyle.

Roswitha Zwerger, „Stroh – ein seltener Werkstoff der Alltagskultur“

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The Andy Hug kick: Wohlen’s top export of another kind. And yet, confronted with the Andy Hug monument on the sports grounds of a school in Wohlen, the threads of our exploration once again interweave in a new way.
We are back in the same semi-public space where young people like to gather and the authorities don’t like it. We ask ourselves the same questions about the visibility and invisibility of history. What a long road from straw to Andy Hug. Maybe there is no road at all. It can’t be properly mapped anyway. Yet the bust of Andy Hug with its strangely Maoist features seems to us to contain traces of history, in that homeopathic dose through which they shape the mentality of a region. It appears to us like a distillation of the same diligence, the same ambition, that we tracing. An ambition that can sprout beautiful blossoms, but poison too. In the case of kickboxer Andy Hug, worldwide success was followed by an early death from Leukaemia, some say due to steroids.
This also an & because we cannot know for certain. & & &

Interpellation to the Governing Council of the Canton of Aargau, 1930