Submission
JP Langer & Eliza Ballesteros

NACHT IM SCHACHT

The artists Eliza Ballesteros and JP Langer jointly developed a clay installation for the glass front of the Nails Projectroom exhibition space, each juxtaposing sculptural objects and the silent movie HAMRY (2022) by JP Langer.


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JP Langer, SCHACHTMUND, 2022, white clay, dimension variable
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Installation view NACHT IM SCHACHT (2022) Nails Projectroom
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Installation view NACHT IM SCHACHT (2022) Nails Projectroom
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Eliza Ballesteros FRENCH FROG (2022), iron, lamp oil, wick, 15 x 15 x 40 cm
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JP Langer DOC (2021), plastic material, illuminated, 68 x 68 x 34 cm
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JP Langer DOPEY (2021) paper, shipping clips, 30 x 5 x 12 cm
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Eliza Ballesteros MINER'S APRON [Arschleder] (2022), unique, smoked glas, leather, clasps, acrylic ink, pigment, graphite, clamp mounting, 120 x 120 x 12 cm
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JP Langer HAMRY (2022), silent movie, loop 10min 40 x 40 x 90 cm
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Filmstill HAMRY (2022)
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Filmstill HAMRY (2022)
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Eliza Ballesteros MINER'S APRON [Arschleder] (2022), unique, smoked glas, leather, clasps, acrylic ink, pigment, graphite, 120 x 120 x 12 cm
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Installation view NACHT IM SCHACHT (2022) Nails Projectroom
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Detail MECHANISM [Feldflasche] (2022) enamel canteen, string, bails 12 x 50 x 30 cm
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Installation view NACHT IM SCHACHT (2022)
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JP Langer SHAGGY FUR (2022) wood, laquer, 10 x 10 x 18 cm
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JP Langer SHAGGY FUR (2022) wood, laquer, 10 x 10 x 18 cm
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JP Langer & Eliza Ballesteros, HERRENSAUNA (2022), edition of 3, unique, pit cloth, clay, cork screw 45 x 90 x 10 cm Photo: Kai Werner Schmidt
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JP Langer & Eliza Ballesteros CAKE & SCHNAPPS (2022) remenants of a collective performance on the occasion of the opening night Photo: Kai Werner Schmidt

Nacht im Schacht
Der Titel NACHT IM SCHACHT ist Verdopplung durch Aufteilen: er doppelte die Nacht indem diese einerseits als natürliche oder empirische Nacht und andererseits als diejenige Nacht zu verstehen ist, die im Schacht, also unter Tage passiert. Wo sich also mittels Schacht von Empirischem abgegrenzt wird, gibt es Eigengesetzlichkeit. Es entsteht eine andere Nacht, die so gewissermaßen eine zweite Natur begründet. Wird diese zweite Natur in den Kontext der Kunst gesetzt, der seinerseits Eigensinn behauptet, kann zum Beispiel die Möglichkeit entstehen, das Gewöhnliche als Gewohntes hervortreten zu lassen. Dabei sind weder die Natur, noch das in die Natur Gesetzte, noch die Kunst tatsächlich metaphysisches Außen. Sie sind vielmehr als verschiedenartige Räume einer Welt zusammengeschlossen. In JP Langers und Eliza Ballesteros NACHT IM SCHACHT werden diese Drei gespiegelt oder referiert, es gibt dort die Welt noch einmal.

Noch vor dem Betreten der Installation, in der Betrachtung von außen, wird durch eine erste Arbeit, SCHACHTMUND (2022), der vordere Raum des Nails künstlich als Raum demarkiert. Die halbkreisförmige Lehmschicht auf der Glasscheibe fungiert als eine zusätzliche Begrenzung, die sich via poverer und teils schon mürbe gewordener Materialität selbst in Frage stellt. Gegen das transparente Fenster aber verdichtet sich der Schachtmund zugleich, rahmt oder beschwellt letztlich sein Dahinter. Emphatisch ist der Schacht durch eine weitere, durch und durch solide anmutende, dick aufgetragene Lehmschicht im Fenster des hinteren Raumes abgeschlossen.
Noch im Blick von außen fallen dabei vier verschiedene Positionen in das Bild: die zwei Schwester-Arbeiten BASHFUL (2021) zentral im Vordergrund und links im Hintergrund DOC (2021), die auf dem Boden aufgestellte Videoarbeit HAMRY (2022), Ballesteros Werksserie MINER’S APRON [Arschleder] (2022) an den drei Wänden des Raumes gehangen und aufgestellt sowie FRENCH FROG (2022), an der Decke des Raumes. Die Positionen lassen sich in ihrer Beziehung zueinander als Reflektion einer intra- und inter-hierarchisierten Form von Arbeit, als Anspielung auf gewöhnlich festgeschriebene Produktionsverhältnisse einordnen. So hofiert Ballesteros Werksserie über ihre Positionierung an der Schachtwand die Arbeiten JP Langers gewissermaßen. Knechtisch and die Ränder gedrängt, protagonieren die Arschleder, die eigentlich selbst servil, im unteren Blickfeld gesetzten Arbeiten HAMRY, BASHFUL und DOC. Irgendwie widersinnig entsteht im Unterbau der Arbeiten eine hierarchische Ordnung, die sich an der vierten Position FRENCH FROG (2022), jedoch sofort wieder bricht. Die in der Horizontale zentral positionierte Arbeit, eine entzündete Grubenlampe, scheint buchstäblich als ein dem Raum  Übergeordnetes auf. Über sein Abarbeiten an der Decke des Raumes als dem dort entstehenden Ruß, scheitert FRENCH FROGS behauptete Autorität letztlich aber ebenso an seiner institutionellen, empirischen Begrenzung. Ausgehend von ihrem jeweiligen Unterworfen-Sein reproduzieren BASHFUL und DOC ein  ähnliches Untereinander. Sie versuchen Verhältnisse unselbstständiger Selbstständigkeit zu etablieren: etwa ist von den zwei sternförmigen Objekten nur eines beleuchtet, sodass von der hinteren, beleuchteten Position aus betrachtet, sich die Vordere bloß  parasitär darstellt. Seinerseits kann der unselbstständige Stern durch seine Setzung am Anfang des Schachtmundes, also durch seine Nähe zum Tageslicht, aber genauso selbständig auftreten. Im  Übergang von Nacht und Tag scheitern letztlich beide und müssen abwechselnd mal die souveräne, mal die unterworfene Position einnehmen. Im Rahmen der Installation, als Nachahmung der Nachahmung, können BASHFUL und DOC die Momente ihrer Subexistenz zugleich aber kokettieren. In ihrer Nähe zum Herrnhuter Stern wird durch die ironische Andeutung auf das hyper-kanonische objet trouvé  die autarke Eigengesetzlichkeit der künstlichen Sphäre wieder präsent. Die Ernsthaftigkeit der Verhältnisse verliert sich. Ballesteros MINOR’S APRON [Arschleder] setzen die Unterbrechung einer rein auf den Gehalt bezogenen, einer moralisch normativen Rezeptionsweise formalistisch fort. Die verwischten, unsauber angelegten Ornament-Zeichnungen auf den Arschledern, bilden mittels doppelter Verdinglichung ein (produktions-)  ästhetisches, transgressives Moment aus: so entzieht sich der Rückgriff auf das dekorative, als Kitsch überkommene Ornament in seinem Verhältnis zum Gebrauchsgegenstand sowohl der Idee reiner Konzept-, als auch rein post-konzeptueller Kunst. Als  ästhetisiertes Ding oder als Bewegung zwischen bloßer Gegenständlichkeit und sinnlicher Erscheinung bleiben die Werke als Werke transparent – referieren also referenziell auf die Verhältnisse der Montanindustrie. Als ein die gesamte Installation verdoppelndes, zwischen Zeit- und Raumkunst stehendes Element schlüsselt die theatral gesetzte Videoarbeit HAMRY die Bewegung zwischen Welt und artifizieller Gegenwelt letztlich vollkommen auf. Der Film zeichnet, ausgehend von seinem ruralen, industriellen Setting, Entwicklungstendenzen hin zu post-industriellen Formen der Arbeit, zu Digitalisierung und performativer Arbeit als virtuose Selbstinszenierung nach. Mit den Letzteren rücken allgemein schöpferische Potenziale zweckmäßig in das Zentrum wirtschaftlicher Produktion und lösen materielle Bedingungen gewissermaßen aus dieser aus. Gegen diese Folie aber, durch das in den Hintergrund treten geographischer Gegebenheiten im zweckmäßigen Bezug auf Produktionsverhältnisse, re-etabliert sich der  ästhetische Blick auf das Land: als Landschaft tritt Natur hier naturschön auf, die erste Natur wird über die zweite Natur wieder auf die der Kunst geöffnet. Dabei mal der performativen Inszenierung der Protagonistinnen als Kulisse dienend, mal sublim auftretend, gehen die Protagonistinnen immer wieder in der Landschaft und ruralen Szenerie unter. Das Wechselspiel wirkt dabei so regelmäßig, dass die  ästhetische Domestizierung der Umwelt trotz allem maximal momentan auffällt. Der Eindruck purer Konvention überwiegt. Auch insgesamt ist HAMRY auf Banalität hin angelegt und spielt dabei mit gescheiterten Motiven der Weltflucht, einer Unmöglichkeit der Flucht ins Private. Die  Übersättigung des Artifiziellen in allen Lebensbereichen der diese Banalität geschuldet ist, spiegelt sich überdies in den Titeln der Arbeiten JP Langers.  Übernommen aus der Disney Schneewittchen-Version, ist hier auch die absolute Trivialität des Massenkulturellen in die Sphäre der Kunst eingelassen und setzt so an die Stelle einer Überhöhung das Herkömmliche. Alles eskapistische Potenzial, alle Nostalgie für den Austritt in das Fiktionale, das hervorgebrachte make-believe wird als nur noch gewöhnlich, als zur Gewohnheit verkommene, mit der Sphäre der Arbeit auch in der Sphäre der Kunst Nivelliertes herausgestellt. Wie in der Nacht selbst, im Dunklen, scheint sich alles – Natur, Arbeit und Kunst – eintönig überlagert zu haben. Erst durch die künstliche Begrenzungen im falschen Schacht aber sind alle Drei als irgendwo gleiche, als ein gleicher Usus anschaulich geworden.