Raw – Eine Gruppenausstellung in der DuMont Kunsthalle, Köln

Die DuMont Kunsthalle am Niehler Hafen in Köln wurde auf Initiative des Verlegers Alfred Neven DuMont 1988 gegründet.   Dieser wandelte eine auf dem Grundstück seines Verlags existierende Fabrikhalle, in der zuvor eine Elektronikfirma ihre Waren hergestellt hatte, in einen Ausstellungsort um, der in den darauffolgenden Jahren mit Ausstellungen wie ‘Video-Skulptur retrospektiv und aktuell. 1963 – 1989’, ‘Balkon mit Fläche’ oder ‘Von einer Wellt zu’r andern. Kunst von Außenseitern im Dialog’ bespielt wurde. Die allererste Ausstellung ‘Made in Cologne’ konzipierte Klaus Honnef in Zusammenarbeit mit Gabriele        Honnef-Harling. Sie luden dazu Walter Dahn, Leiko Ikemura, Jiri Georg Dokoupil, Isa Genzken, Georg Herold, Martin Kippenberger, Marcel Odenbach, Ulrike Rosenbach, Andreas Schulze, Rosemarie Trockel sowie noch viele weitere Künstlerinnen und Künstler ein, die in Köln zu dieser Zeit lebten und arbeiteten. 

An diese erste Idee anknüpfend werden in Raw junge Künstlerpositionen aus Düsseldorf und Köln gezeigt. Heute erinnert lediglich der weiße gradlinige Schriftzug an der Trapezblechfassade in ausgewaschenem Blau an den einstigen Ausstellungsort, im Inneren zeigt sich die pure Industriearchitektur, einer für die damalige Zeit modernen Halle. Seefrachtcontainer – geöffnet, verschlossen, nebeneinander platziert oder teilweise zu über siebenmeter hohen Türmen aufeinander gestapelt – dienen als mobile Räume und flexible Ausstellungsarchitektur. Die acht teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler haben zum Großteil neue Arbeiten als direkte Reaktion auf den ‘roughen’ Ausstellungskontext geschaffen. 

Der Ausstellungstitel Raw steht für roh, unbearbeitet, rau, ungeschliffen, pur – dies lässt sich sowohl mit den Werken und Arbeitsweisen der ausgestellten Künstlerpositionen wie auch mit der DuMont Kunsthalle an sich assoziieren. Häufige Restriktionen, welche die Präsentation im Galerieraum oder an Messeständen mit sich bringt, werden in dieser Ausstellung insoweit aufgehoben, als das überwiegend großformatige oder sperrige Arbeiten gezeigt werden, wie die Skulpturen von Michail Pirgelis aus authentischen Materialien der Luftfahrt oder Objekte aus Metall mit perfekten Oberflächen, teilweise verchromt oder lackiert, wie die von Tobias Hoffknecht. Jasmin Werner beschäftigt sich mit ihren Skulpturen intensiv mit dem Treppenmotiv. Ihre Arbeiten aus ausrangierten Förderbändern installiert sie in Dialog zu alten Transportrutschen, die zur vorhandenen Hallenarchitektur gehören. Auch Werke in einer vollkommen anderen, nahezu spröden Materialität finden sich in der Ausstellung. So schafft Sami Schlichting aus Holz, Ton und Heu in einem Container eine begehbare Installation.

Die Leinwandformate brechen durch Positionierung und Format mit gewohnten Sehgewohnheiten. Gezeigt wird Malerei von Peppi Bottrop, Anne Haack und David Ostrowski – Werke bei denen es um das Material an sich, dessen Beschaffenheit sowie um Spuren geht. Ein Großteil der Leinwände ist unbehandelt – roh. Die Struktur, Zeichen vom Arbeitsprozess und dem Aufspannen, wie auch Faltungen bleiben sichtbar. Raumfüllend und den authentischen Charakter der Ausstellungsatmosphäre wiederspiegelnd, ertönt die neue Sound-Arbeit von Sarah Kürten. Eine Kinderstimme wie aus einem alten Radio erklingt und hallt aus den Containerwänden in den Raum der DuMont Kunsthalle. 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler

Peppi Bottrop (*1986 in Bottrop, lebt und arbeitet in Köln)

Anne Haack (*1987 in Freiburg, lebt und arbeitet in Köln)

Tobias Hoffknecht (*1987 in Bochum, lebt und arbeitet in Düsseldorf)

Sarah Kürten (*1983 in Köln, lebt und arbeitet in Düsseldorf)

David Ostrowski (*1981 in Köln, lebt und arbeitet in Köln)

Michail Pirgelis (*1976 in Essen, lebt und arbeitet in Köln)

Sami Schlichting (*1987 in Cuxhaven, lebt und arbeitet in Düsseldorf)

Jasmin Werner (*1987 in Troisdorf, lebt und arbeitet in Köln)